Standpunkt Stuttgart IV

Bild:  Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

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Die Verantwortlichen des VfB Stuttgart sollten sich mit ihrer Wortwahl zügeln. Weder ist jemand ein Vollidiot, der Spieler als Notlösung erachtet. Noch ist dieser jemand ein Fortschrittverweigerer, wenn er sich kritisch zur Ausgliederung positioniert. Bisher waren Fans in Stuttgart froh, dass man frei vom Hannoverschen Gepolter à la Martin Kind ist. Einige der jüngsten Aussagen der VfB-Bosse greifen ähnlich tief ins Regal.

Zurecht ereifert sich halt Deutschland über den Zungenschlag und das Gebaren einiger Ultra-Gruppierungen. Ob gesprochen oder verkleidet: Krieg hat im Fußball nichts verloren. Ob gegen den DFB, die Fifa oder noch viel fragwürdige Organisationen. Die Folge: Ultras werden pauschal mit Hooligans gleichgesetzt, das eigentliche Problem bleibt damit aber verkannt.

Kritisch zu sein, muss erlaubt sein. Dass einige Fans in Stuttgart Dennis Aogo und Andreas Beck – und vielleicht sogar Holger Badstuber – als Notlösungen zum Plan A bezeichnen, mag für die Betroffenen schmerzlich sein. An der Sache vorbei geht es eher nicht. Und wenn sie ehrlich zu sich selbst sind, wissen die drei auch von der ihr vorerst zugedachten Rolle. Zu lange dokterten sie beim VfB an den vermeintlich großen Namen als Neuzugänge herum – für die drei Verteidigerpositionen, die nun von den oben genannten Herren besetzt sind. Grundsätzlich wäre es nicht einmal falsch, Aogo, Badstuber und Beck als bedeutende Stabilisatoren einer sonst talentierten aber sehr unerfahrenen Bundesligamannschaft zu bezeichnen.

Falsch bleibt aber, jene die das anders sehen als Vollidioten zu beschimpfen. Der neue Sportchef Michael Reschke folgte nun auf eine, wenn man ihn zu kennen meint, überraschend unangenehme Weise dem Ton des Präsidenten. Der hatte Kritiker an der durchgesetzten Ausgliederung als Fortschrittsverweigerer bezeichnet. Pauschal und ohne Not. Wer mit Argumenten zu überzeugen weiß, muss niemanden beschimpfen oder herabwürdigen. Schon gar nicht die, die dem Verein bereits die Stange hielten, lange bevor dort auch nur das Wort Aktiengesellschaft zum ersten Mal ausgesprochen wurde. Diese Wortwahl wirkt überheblich, abgehoben und ist Wasser auf die Mühlen der Hasser des Systems Profifußball.

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