Vorschau 32. Spieltag: VfB Stuttgart – Erzgebirge Aue

Bild: Bild: Marc Mueller/Bongarts/Getty Images

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Ausgangslage

Ein Kuriosum im Endspurt um den Aufstieg: Dem VfB reichen für die Bundesliga-Rückkehr sicher fünf Punkte – weil dann kein Spiel mehr verloren ginge. Gleichzeitig könnten sechs Punkte zu wenig sein, wenn ausgerechnet in der kommenden Woche in Hannover (aktuell punktgleich, Martin Harnik – ihr wisst schon) eine Niederlage runterfiele. Verrückte 2. Liga. Bei Aue drehen sie gerade zwei Geschichten gleichzeitig: Die Fell-Good-Bromance vom Außenseiter, der erwachsen wird und die Mädels klarmacht – sprich: den Gegnern die Punkte zieht. Und die Geschichte von Germany’s Next Nagelsmann. Die Medien lechzen nach dem nächsten jungen Trainer, der das ganz heiße Teil auf dem Markt ist. Der Vergleich liegt nahe (ähnliche Laufbahn, ähnliches Alter, selber Trainerlehrgang, ähnliche Philosophie). Gerecht wird sie keinem der beiden, sind sie doch eigenständige Personen. Tedesco bekommt dennoch ein Foto, belassen wir es dabei.

Vor Aue hat der VfB Respekt, aber keine Angst. Hannes Wolf: „Ich bin nicht bereit dazu, den Gegner bedingungslos gut zu reden.“ Ein Satz wie ein Feiertag in Zeiten vom dauernden Der-nächste-Gegner-ist-der-schwerste-Mimimi. Um Wolf nicht die Worte im Mund zu verdrehen, er sagt auch: „Ich würde es sowieso unfassbar finden, wenn wir jetzt noch irgendetwas auf die leichte Schulter nehmen.“

Auf dem Platz

Drei mit vier gelben Karten vorbelastete Spieler beim VfB – das gab es bereits vor einer Woche. Jetzt könnte man unken: Verdammte Axt, hätte sich Simon Terodde, Alexandru Maxim oder Benjamin Pavard ihre fünfte nicht gegen Nürnberg fangen können? Weil: Wird sie gegen Aue gezückt (schöne Grüße an Schiedsrichter Gerach), würde der jeweils Betroffene ausgerechnet im vielleicht entscheidenden Spiel in Hannover ausfallen. Hat ein bisschen etwas vom Darmstädter „Holt sie euch vor dem Bayern-Spiel“ in der Bundesliga-Saison 2015/16. Hannes Wolf ist das wurscht: So lange sie nicht meckern oder sonstigen Unsinn treiben, erwartet er Vollgas und sagt angesichts des bis auf Carlos Mané und Jens Grahl voll einsatzfähigen Kaders: „Wir haben eine großartige Bank und können viel Qualität reinbringen.“ Nicht ganz ausgeschlossen, dass Wolf also mit einer leicht veränderten Aufstellung aufwartet. Erster Streichkandidat wäre wohl Takuma Asano, der überspielt zu sein scheint. Eine Chance für Daniel Ginczek?

Neben dem Platz

Definitiv nicht ersetzten wird Asano Berkay Özcan. Der muss oder darf der U19 im Abstiegskampf helfen. Wolf versucht es blumig und spricht von „seinem letzten Jugendspiel“. Abfeiern wird Özcan die Rückstufung dennoch nicht. Der VfB muss aufpassen. Der Ruf von der Talentschmiede bröckelt, weil die besten Nachwuchsleute frühzeitig wechseln – oder aber erst gar niemand mehr nachkommt, dem der Sprung zum Profi zuzutrauen ist. Einer, der den Sprung einst geschafft hat: Serdar Tasci. Und der hätte irgenwie Bock, nochmal beim VfB zu spielen. Verständlich, was willst du auf dem Petersplatz, wenn du auch auf dem Schlossplatz flanieren kannst? Jedenfalls sagte Tasci dem Kicker:  „VfB? Ich könnte mir das gut vorstellen.“

Und ihr so: Sollte der VfB Serdar Tasci zurückholen?

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Ab diesem Wochenende fahren übrigens auch wieder die Autos aus deutscher Herstellung im Kreis a.k.a. DTM. Einer der Hersteller kommt aus Stuttgart und engagiert sich dem Vernehmen nach beim VfB. Zufälligerweise fährt der Kanadier Robert Wickens deshalb mit dem VfB-Mercedes durchs badische Hockenheim.

Und der Gegner so?

Diese Saison erlebte zwei Aues: ante und post Tedesco. 17 ihrer 36 Punkte holten die Sachsen unter dem Ex-VfB-Jugendcoach. Vorgänger Pavel Dotchev hat fast dreimal so viele Spiele (22) benötigt, um auf diese Punktzahl zu kommen. Aus Dotchevs mutigem 4-2-3-1 ist Tedescos sehr viel wirksameres aber nicht eniger mutiges 5-4-1 geworden. Offensiv wird daraus dann ein 3-4-3. Für Beobachter der Bundesliga: Tedescos Taktik hat viel gemeinsam mit dem Power-Pressing von Leipzig oder Leverkusen zu den besseren Zeiten von Roger Schmidt. Auch der Vergleich mit dem Nagelsmannsch’en Fußball rührt nicht nur von der guten Bekanntschaft der beiden Kollegen im Trainerlehrgang. Und plötzlich ist bei Aue vom abkippenden Sechser, tieferer Passzirkulation und breiter erster Dreierkette zu lesen. Mit Abwehrbrecher Steve Breitkreuz (Name = Programm) hat der FCE einen der zweikampfstärksten Spieler der 2. Liga im Kader, mit Pascal Köpke (Name ≠ Programm) und Dimitrij Nazarov an der Spitze eine gut eingespielte und treffsichere Offensive (10 und 9 Tore). Hinter der Mär von der Tretertruppe aus dem Osten steckt übrigens ziemlich wenig: Aue hat die zweitwenigsten Fouls verübt, wurde dafür am vierthäufigsten gefoult. Auch die Passquote von fast 75 Prozent (drittbester Wert) deutet zumindest eher auf feinen Fußball als auf Gebolze hin. Hoffnung für den VfB: Kein Team gewinnt weniger Zweikämpfe als der FCE, dazu fingen sich die Sachsen bereits 48 Gegentore. 

Dauerbrenner Ausgliederung

Keine Überraschung, der Vereinsvorstand will die Ausgliederung unbedingt. Hatten wir hier schon mal. In Sachen Appetizer auf möglichst viel Stimmvolk gibt es für jedes Mitglied, das am 1. Juni kommt, ein Trikot geschenkt. Natürlich bekommt jeder ein Trikot, unabhängig von seinem Abstimmungsverhalten. Aber klar ist auch: Die Mitglieder, die auch ohne Giveaway kommen, drücken den Buzzer wohl eher bei Nein. Was kommt als nächstes: Ein neuer Mercedes für jedes Mitglied, das seine Mitbestimmung wahrnimmt? Präsident Wolfgang Dietrich gibt noch einmal Vollgas im Wahlkampf. Die drei geliehenen Spieler Carlos Mané, Takuma Asano und Josip Brekalo sollen beim VfB bleiben (welcher Fan würde da nicht zustimmen). Dietrich ist sich aber sicher: Ohne Ausgliederung geht das nicht. Stimmt wahrscheinlich sogar.

Zitat der Woche

Ob als Spieler oder in einer anderen Funktion. Ich könnte mir das gut vorstellen.Serdar Tasci, über eine mögliche Zukunft beim VfB

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Wie kam das eigentlich, dass der schon abgeschriebene FC Erzgebirge Aue plötzlich wieder alle Karten für den Klassenerhalt in der Hand hat? Einen ausführlichen, aber sehr lesenswerten Rückblick darüber, wie Einserschüler Domenico Tedesco Aue great again gemacht hat, ist in der Zeit erschienen. Ganz ehrlich: Erzgebirge Aue in der Zeit – wie hoch waren die Quoten wohl für ein solches Szenario? Hätte nach dem 4:0 des VfB in der Hinrunde in Sachsen auch niemand gedacht. Weil wir uns jetzt ja gemeinsam an die zweite Liga gewöhnt haben, sei noch der Artikel über die Wahrheit oder Unwahrheit der Klischees im Unterhaus ans Herz zu legen. Obwohl er etwas älter ist UND von einem Podcast aus Hannover stammt. Danke an Niemalsallein, guter Job.

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