Vorschau 31. Spieltag: 1. FC Nürnberg – VfB Stuttgart

Bild: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Bild: Alexander Scheuer/Bogarts/Getty Images

Ausgangslage

Für dieses Spiel wurde das Wort vermeintlich geschaffen. Vermeintlich ist der VfB Stuttgart als Tabellenführer nach fünf Spielen ohne Niederlage der klare Favorit. Vermeintlich geht es für den 1. FC Nürnberg (Platz 8) mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in dieser Saison nur noch um den ordentlichen Abschluss. Vermeintlich spricht die starke VfB-Offensive (53 Tore) und die anfällige Nürnberger Defensive (45 Gegentore, dritthöchster Wert der Liga) klar für Stuttgart. Aber lassen wir das. Die Bilanz der Nürnberger liest sich wie ein aufgeregter Herzschlag. Ein kleiner Blick auf die Bilanz der vergangenen 15 Spiele: Sieg, Sieg, Niederlage, Sieg, Unentschieden, Niederlage, Niederlage, Niederlage, Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage, Niederlage, Sieg, Unentschieden. Drei interessante Personalien: Mit den beiden Torhütern Thorsten Kirschbaum und Raphael Schäfer und dem derzeit verletzten Tim Leibold spielen drei Ex-Stuttgarter beim FCN, die auch jüngeren Fans noch in Erinnerung sein dürften. Für den VfB ist indessen klar: Ein Sieg in Nürnberg käme dem Relegationsplatz gleich.

Auf dem Platz

Der VfB hat nicht nur gefühlt seine Formdelle überwunden, gegen Union schrieben die meisten Beobachter ihn schon zurück in die Bundesliga. Erstligareif und erstklassig waren die Worte zum Dienstag. Da bekommen die Fans doch direkt Schnappatmung: VfB-Kicker und Lob vertragen – eine Geschichte voller Missverständnisse. Auf die Bremse treten die Spieler selbst: Nur wir selbst können uns stoppen; müssen weiter Vollgas geben; jedes Spiel ist das schwerste – solche Sachen eben. Auch Hannes Wolf sagte in der Pressekonferenz vor dem Spiel: „Wir müssen das vernünftig einordnen, sonst lassen wir nach.“ Kein Vollgas geben wird Daniel Ginczek. Der sitzt auf dem Klo – könnte aber eventuell zu seinem Ex-Club nach Nürnberg mitfahren. Die Trainingswoche lief laut Wolf eher ruhig, was für eine unveränderte Startaufstellung im Vergleich zum Berlin-Spiel spricht. Übrigens: Mit Alexandru Maxim (schlimm), Benjamin Pavard (bisschen schlimm) und Simon Terodde (ganz schlimm) haben drei Spieler vier gelbe Karten und drohen diese Saison noch einmal auszufallen. Wolf dazu: „Natürlich sollen sie sich wenn möglich eine Karte nicht wegen irgendeinem Quatsch holen, das ist klar. Wenn sie dann ausfallen, ist es eben so. Dann bauen wir ein bisschen um und fangen das auf.“

Neben dem Platz

Großes Lob einmal mehr für die Fans. Aus Gründen. Der Zweitliga-Besucher-Rekord des 1. FC Köln wackelt bedenklich. Gut möglich, dass der VfB die 50.000er-Grenze überschreiten wird. Die 211 Kilometer von Bad Cannstatt nach Nürnberg wollen 15.000 + X Fans aus Stuttgart mitmachen. Was für andere eine Sensation (Grüße nach Hoffenheim und Wolfsburg) oder eine Meldung (Grüße an die meisten anderen Vereine) wäre, ist beim VfB Alltag. Die Auswärtsspiele in Sandhausen, Dresden, München lassen grüßen. Diese Häufigkeit ist dann wiederum eine Sensation. Schlechte Nachrichten gibt es in Sachen Carlos Mané. Der Portugiese muss nun doch operiert werden und fällt mindestens ein halbes Jahr aus. Knorpelschaden im Knie, üble Geschichte. Wenigstens hat er Zeit, Töchterchen Saphira via Instagram zu gratulieren.

Obrigado a todos 🙏👨‍👩‍👧🙏#Saphirabirthay #1

Ein Beitrag geteilt von Carlos Mané 👆GOD☝🇵🇹 DR💍 S👶 (@official_carlosmane) am

Ein Nachspiel hat das Derby gegen den KSC. Nach (nicht-öffentlichen) Beratungen im Landtag will Innenminister Strobl offenbar am 10. Juli zum Fußball-Gipfel einladen. Teilnehmen sollen Vereins- und DFB-Vertreter. Wäre gut, wenn auch Fanvertreter und -forscher dabei wären. Das ist jedoch noch unklar. In Sachen Gerüchten gibt es wenig Neues. Beim VfB wird man für wichtige Personalien den Saisonausgang abwarten müssen. Einzig Ersatztorhüter Benjamin Uphoffs Absprung ist nun fix – er leistet Aufbauhilfe beim KSC.

Und der Gegner so?

Der VfB hat den KSC, der Club hat Fürth – und Würzburg. Entsprechend euphorisiert waren die Nürnberger Fans bei der Reise nach Würzburg im Franken-Duell. Einige Medien hauten hart aufs Parkett und schrieben vorab von der „Furcht vor Randalen“, wie bei der Main-Post geschehen. Rund um einen Fanmarsch gab es schließlich einzelne Ausraster, unter anderem wurden neun Personen festgenommen, offenbar wurden Pyro und Glasflaschen in Richtung Polizei geworfen. Während und nach dem Spiel blieb es friedlich. Wer auf Polizeibilanzen steht, der kann bei Würzburg Erleben gerne mehr dazu lesen, konzentrieren wir uns lieber auf das Sportliche. Da dient das Würzburg-Spiel als Blaupause für die Saison der Nürnberger. Gegen in der Rückrunde unglaublich schwache Würzburger nur einen Punkt zu holen, ausgerechnet im Derby, zeigte vielen: „Schon traurig, aber mehr als biederes Mittelmaß ist der Altmeister derzeit eben nicht.“ So geschrieben in einem an tiefster Tristesse nur schwer zu überbietenden Blogpost von Frank Ordosch.

Versuchen wir es etwas weniger emotional: Michael Köllner hat im März interimistisch von Alois Schwartz übernommen. Damals war der Club im Mittelfeld der Liga, heute steht er immer noch im Mittelfeld, wenn auch einige Plätze weiter oben. Nach einigen taktischen Versuchen ist der eigentliche Chef des Nachwuchsleistungszentrums wieder zurückgekehrt zum Schwartz’schen 4-2-3-1. Aufpassen muss der VfB vor allem auf zwei Nürnberger Stärken: Der Club hat bereits zehn Treffer per Kopf erzielt, eine Gefahr für die anfällige Stuttgarter Defensive. Und dann wäre da noch „Goldjunge“ Cedric Teuchert. Der erst 20-jährige Stürmer weckt Begehrlichkeiten und gilt als Mann der Stunde in Nürnberg – soll aber wohl mindestens noch ein Jahr in Nürnberg spielen. Abseits des Sportlichen denkt man in Nürnberg über eine Umbenennung nach: Kommt das Max-Morlock-Stadion oder nicht? Interessant: Ausgerechnet der Besitzer der Namensrechte hat ein Crowdfunding für die Umbenennung gestartet. Im Kicker (aus Nürnberg!) steht, was für und was gegen die Idee spricht.

Dauerbrenner Ausgliederung

Der VfB macht Druck. Genauer gesagt: Wolfgang Dietrich macht Druck. Sollten die Mitglieder sich erlauben, gegen die Ausgliederung zu stimmen, wäre der VfB am A… Na gut, das ist jetzt leicht paraphrasiert. Genau genommen hat Dietrich bei Sponsor gesagt, man müsse sich bei einem Nein „künftig vielleicht doch eher als Ausbildungsverein aufstellen, der Jahr für Jahr versucht, sich über Wasser zu halten.“ Es ist nicht neu, welche Position die derzeit Verantwortlichen beim Thema Ausgliederung einnehmen. Das wird auch nach außen so kommuniziert. Nur hätte man vorab von einem ergebnisoffenen Entscheidungsprozess sprechen sollen, wenn der Wahlkampf klar in eine Richtung gelenkt wird? An den Aufstieg ist die Ausgliederung übrigens nicht gebunden. Misslingt der, wäre die Ausgliederung laut Dietrich „noch wichtiger“. Da hat er Recht, sonst könnte dem VfB ein ähnliches Schicksal wie dem kommenden Gegner Nürnberg (oder Kaiserslautern, oder 1860, oder Düsseldorf, oder Bochum…) drohen.
Wer auf die Sendung mit der Maus steht, dem sein noch dieses Video empfohlen.

Zitat der Woche

 

Die Entwicklung von Mario Gomez verfolge ich sehr genau – nicht nur, weil ich ihn seit Jahren beim Managerspiel in meiner Mannschaft habe.Simon Terodde, in der 11 Freunde über seine Vorbilder

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Auch diesmal etwas zum Thema Ausgliederung. Darüber macht sich bekanntlich nicht nur der VfB Gedanken. Bei Preußen Münster will man so endlich in die 2. Liga aufsteigen. Bei einer Infoveranstaltung fielen Begriffe wie Anschubfinanzierung, Partner, Transparenz. Kommt einem bekannt vor. Zu Gast war: Christoph Schickhardt. Kommt einem bekannt vor. „Geldgeber mit Rendite-Erwartung erwartet der Klub nicht, eher regionale Kaufleute und Unternehmen, die aus Leidenschaft für ‚ihren‘ Verein mithelfen wollen“, schreibt Westline. Kommt einem – zumindest ein bisschen – bekannt vor.

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Vorschau 30. Spieltag: VfB Stuttgart – Union Berlin

Vorschau 30. Spieltag: VfB Stuttgart - FC Union Berlin. Bild: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images

Vorschau 30. Spieltag: VfB Stuttgart – FC Union Berlin. Bild: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images

Disclaimer: Mit Beginn des Spiels gegen den FC Union Berlin startet das Tragische Dreieck mit einer einheitlichen Spieltagsübersicht zu jedem folgenden Spiel des VfB Stuttgart. Einheitlich bedeutet: Es wird wiederkehrende Rubriken geben, die es vor dem jeweiligen Spiel abzuarbeiten gilt. Am Ende dieses Postings könnt ihr abstimmen, wie euch die Idee gefällt – noch mehr hilft ein Kommentar am Ende mit euren Vorschlägen zur Verbesserung. Und jetzt viel Spaß!


Ausgangslage

Auf und nieder, immer wieder. Die Rückrunde des VfB liest sich wie ein schlechter Schlager. Super-super-super Serie zum Start, schmerzliche Durststrecke danach, nun wieder zwei Siege in Folge. Konstanz sieht anders aus, und eben diese gilt es in den verbleibenden fünf Spielen abzuliefern. Drei Punkte sind es bis zu Union (3.) und Braunschweig (4.), bei ähnlichem Torverhältnis. Das zeigt: Siege gegen Union und in Kürze in Hannover könnten entscheidend sein. Weh tun vor allem die 21 Gegentore, die der VfB in der Hinrunde gefangen hat – gegen Ende der Rückrunde sieht es mit 11 Gegentoren bereits besser aus.

Auf dem Platz

Nach dem Sieg im emo-style gegen Arminia Bielefeld konzentrierte sich rund um den VfB fast alles auf zwei Spieler: Mit Simon Terodde gibt es in Stuttgart gefühlt den ersten Torjäger seit Fritz Walter, tatsächlich aber wohl seit Mario Gomez. Tja, und dann gibt es den rumänischen Phönix, Alexandru Maxim. Der ist spätestens seit seinem 45-Meter-Tor in bester Alex-Alves-Manier (Gott habe ihn selig) gegen die Arminia wieder in aller Munde statt unter Asche verborgen. Vor dem Spiel gegen Union gab es von Hannes Wolf ein „großes Kompliment“ – vor allem für seine Einstellung zuletzt. Hand aufs Herz: Wer hätte gedacht, dass Maxim in dieser Saison noch einmal von Anfang an spielen wird? Gegen Union dürfte das der Fall sein, denn nach muskulären Problemen ist er Ende der Woche wieder ins Trainings eingestiegen. Einzige Frage deshalb: Wird es erneut ein 4-4-1-1 geben, oder folgt eine neuerliche taktische Umstellung zum 4-2-3-1? Rein personell wird sich zu Recht wenig tun.

Neben dem Platz

Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Und mit Ende der Saison sprießen die ersten Gerüchte auch in Stuttgart. So hat angeblich der AS Rom laut dem Corriere dello Sport Interesse an Timo Baumgartl als Talent für die Zukunft. Das dürfte ziemlich halbgar sein, soll aber hier mal als erstes Beispiel für den Fluch der guten Tat herhalten. Baumgartl wird nicht der einzige sein, der – Aufstieg hin oder her – für andere Vereine interessant sein wird. Wie und ob es mit Carlos Mané beim VfB weiter gehen wird, steht noch völlig in den Sternen. Gute Nachrichten für die Stuttgarter Fanszene: Zwei große Choreos innerhalb von zwei Wochen auf die Beine zu stellen – Hut ab vor der Cannstatter Kurve, allen voran dem Commando Cannstatt. Gute Nachrichten von der DFL (es kann also nicht um den Spielplan gehen): Der VfB bekommt die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen. Dazu Finanzvorstand Stefan Heim: „Das zeigt, das wir trotz des Abstiegs gut gewirtschaftet haben.“ Eine Aussage, so blutleer wie wahr.

Und der Gegner so?

Man hatte kurz das Gefühl: Union könnten die Nerven durchgehen – Stichwort: „Scheiße, wir steigen auf.“ Nach einem 2:2 gegen Fortuna Düsseldorf, das der Union-Taktik-Blog Eiserne Ketten als taktisch und spielerisch schwächste Saisonleistung bezeichnete, folgte der Befreiungsschlag gegen den 1. FC Kaiserslautern (3:1). Und so geht es für Union – ungewohnt für diese Jahreszeit, wie uns das Textilvergehen versichert, – plötzlich noch um was. Genauer gesagt um den Aufstieg. Von außen betrachtet hat man den Eindruck: Bei Union passt das Gesamtgefüge der Mannschaft ziemlich gut. Angefangen von Toni Leistner über Felix Kroos hin zu Steven Skrzybski und Sebastian Polter. Das sind nicht nur individuell gute Spieler, sie scheinen vor allem Bock auf Union zu haben.

Dauerbrenner Ausgliederung

Zumindest bis das Thema (vorerst) erneut durch ist, wird es an dieser Stelle immer wieder um die mögliche Ausgliederung einer AG gehen. Dazu ist jedoch auch noch ein ausführlicheres Stück vom Tragischen Dreieck geplant. Entschieden wird in der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni. Unter der Woche wurden erste Zahlen bekannt. Demnach würde Daimler mit 41,5 Millionen Euro einsteigen und dafür 11,75 Prozent der Anteile erhalten. Vorausgesetzt, andere Sponsoren würden ähnliche Summen investieren, scheinen derzeit die angepeilten 100 Milionen Euro für 24,9 Prozent also erreichbar. Man darf dennoch fragen: Sind diese 41,5 Millionen Euro denn wirklich so ein großer Vertrauensbeweis von Daimler wie es den Fans alle beteiligten Seiten glauben machen wollen oder ist diese Summe für ein Neuntel der Anteile an einem immerhin namhaften Verein mit großer Fanbasis allenfalls vertretbarer Durchschnitt?

Zitat der Woche

In der ersten Liga ist es jedoch schon ein anderes Spiel. Alles muss noch schneller gehen, aber auf der anderen Seite sind die Tore da genauso groß wie in der zweiten oder in der dritten Liga.Fritz Walter, in den Stuttgarter Nachrichten über Simon Terodde

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Nochmal zurück zum Thema Ausgliederung. Hier lohnt ein Blick in die Berliner MorgenpostDort hat Uwe Bremer aufgeschrieben, wie der Standort Berlin für Hertha BSC (sorry, Union) gleichzeitig Standort-Nachteil und -Vorteil für Investoren ist.

Gefällt euch die Idee der Spieltagsvorschau?

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Vorschau 26. Spieltag: VfB Stuttgart – Dynamo Dresden

Bild: www.vfb-bilder.de

Der VfB Stuttgart und das hohe Risiko. Gleich zweimal stellt sich die Polizei in Stuttgart auf sogenannte Hochrisiko-Spiele ein – am Sonntag gegen Dynamo Dresden und eine Woche später gegen den Karlsruher SC. Man muss hier nicht diskutieren, ob es eine Bankrotterklärung für die deutsche Fank-Kultur, die gesamte Gesellschaft oder die Polizei selbst ist: Die Beamten werden mit Wasserwerfern unterwegs sein. „Das erste Mal überhaupt bei einem Fußballspiel“, wie Polizeisprecher Stefan Keilbach dem SWR mitgeteilt hat.

Weil ich schlicht keine Lust darauf verspüre, als nächster in einer langen Riege das Thema Sicherheit in der 2. Bundesliga aufzumachen, will ich mich auf die sportliche Situation konzentrieren. Schließlich passt das Adjektiv hochriskant zu ihr nicht minder. Drei Spiele ohne Sieg haben den VfB vom ersten Platz gespült und in die Bredouille in Sachen direkter Aufstieg gebracht. Dass jetzt mit Dynamo Dresden die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga (hinter dem VfB übrigens) an den Neckar reist, lässt die Fingernägel vieler Fans nicht länger werden. Klar wird neun Spieltage vor Schluss und vor der enorm wichtigen englischen Woche angefangen zu rechnen: Wie viele Punkte braucht es denn jetzt aus den drei Spielen gegen Dynamo, 1860 München und dem Karlsruher SC? Sechs, sieben, neun – oder reichen fünf, spielen ja noch alle irgendwie gegeneinander da oben? Dabei spricht einiges für einen Heimsieg des VfB am Sonntag gegen Dynamo – wenn Spieler und Trainerteam es richtig anstellen.

Die Erwartungen

Mimöschen oder Männer? Man darf von einem Fußballprofi folgendes erwarten: Wer sich in Dresden mit 0:5 wegfideln lässt – und nichts weniger war die Niederlage des VfB in Sachsen in der Hinrunde – der sollte vor dem Rückspiel gegen dasselbe Team brennen, Schaum vor dem Mund haben, eine Rechnung offen haben. Sucht euch eine Floskel nach Wahl aus. Charakterstarke Mannschaften merken sich so eine Klatsche. Der Auftritt des VfB könnte also zum Lakmus-Test für die Entwicklung des Clubs unter Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser gewertet werden: Geht es um mimosenhaft ausgelebte Eitelkeiten Einzelner oder endlich mal um die Sache: Butter bei die Fische, Karten auf den Tisch, Balls out – diese Einstellung erwarte ich vom VfB am Sonntag. Nicht zuletzt wegen der mauen Auftritte zuletzt gegen Bochum und Fürth.

Wie viele Punkte sammelt der VfB in der englischen Woche?

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Try, fail, try again, fail better: Hannes Wolf hat sich gegen Fürth vergaloppiert. Die taktische Aufstellung, mit der er die Franken überraschen wollte, entwickelte sich zum Eigentor. Er versucht immer wieder Neues in dieser Saison, das ist grundsätzlich gut und zu begrüßen. Er ist auch nicht der einzige – nicht im Trainerjob und nicht im Leben überhaupt – der sich dabei einmal verspekuliert. Man darf fallen. Zumal dann, wenn man zum ersten Mal eine Profi-Mannschaft trainiert. Das Ziel muss sein, die Lehren aus diesem Sturz zu ziehen: Okay, das tat weh – von diesem Felsen springe ich vielleicht nächstes Mal besser nicht. Wolf ist reflektiert genug, um sich selbst zu sagen: Das 3-4-3-System ist erstmal keine Option mehr. Ich bin mir sehr sicher, gegen Dresden wird der VfB zurückkehren zu jenem 4-1-4-1, das ihn zu Beginn der Rückrunde stark gemacht hat.

Mund aufmachen – auf dem Platz: Kapitän Christian Gentner ließ kürzlich verlauten, dass es womöglich irgendwo in der Mannschaft nicht stimme – das klang schwer nach dem alten Leid: Nachlässigkeit, Selbstzufriedenheit, fehlender Biss. Umso besser ist es, dass er jetzt zurückgerudert ist – um zumindest nicht den Eindruck entstehen zu lassen, einer spiele nicht für den anderen, gehe keine extra Wege, lässt es auf dem Platz eben einmal so laufen. Die Erwartung, nicht durchzudrehen, wie er der Stuttgarter Zeitung im Interview sagte, ist dagegen ein „Classic Gentner“. Vielleicht wäre es für den Kapitän der Mannschaft gegen Fürth und auch schon zuvor gegen Bochum (als Gentner der wohl beste Stuttgarter auf dem Platz war), auch einmal an der Zeit gewesen, eben jenes zu tun: durchzudrehen. Im ausschließlich positiven Sinne. Gentner ist eben Gentner, Führungsspieler durchaus. Aber eben einer der ruhigen Sorte, der eher ein Wort zu wenig als eines zuviel sagen würde. Zuletzt hätte man sich jemanden gewünscht, der seinen Neben-, Vorder- oder Hintermann auch mal zusammenfaltet.

Zu viel Konjunktiv?

Solltet ihr euch bis zu dieser Stelle im Text vorgearbeitet haben: Erstmal kurz durchschnaufen. Das klingt jetzt nach unerreichbar viel, dass der VfB besser machen müsste als in den letzten Wochen, um gegen Dresden gewinnen zu können. Beim genauen Hinsehen erweist sich jeder einzelne Punkt allerdings als machbar. Ich gehe davon aus, dass Stuttgart (und wohl mindestens 6000 Dresdner, auf die wir uns freuen), am Sonntag einen eines hochgereckten Daumens würdigen Fußball-Sonntag-Frühnachmittag erleben wird. Und in einer Woche sagen wir dann: Hochrisiko-was?

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