Der Haha-Effekt

Am Samstag hat sich der VfB Stuttgart endgültig in die lange Liste der Vereine eingereiht, über die man im besten Fall noch grinsen kann. Der VfB hat zu viele Spieler, die für die Relegation schlimmes erahnen lassen.

Wie viel Tradition braucht eigentlich die Bundesliga? Bild: www.vfb-bilder.de

Wenn Tradition zum einzigen Argument wird… Bild: www.vfb-bilder.de

Es gibt sie bereits seit Jahrzehnten: Die Vereine, für die man sich als Fan gefühlt immer entschuldigen muss. Man tut das mit ostwestfälischem Fatalismus (Arminia Bielefeld), rheinischem Frohsinn (1. FC Köln), hemdsärmeligem Stolz „auffe Heimat“ (VfL Bochum/ MSV Duisburg), hanseatischem Gleichmut (Hamburger SV). Begleitet von hochgezogenen Schultern und einem sanften Lächeln auf den Lippen, drücken die Fans aus: „Nun stehe ich hier – ich kann nicht anders.“ Es hat etwas mit Stolz zu sein, mit Ehrlichkeit. Nicht dem großen Erfolg hinterher zu laufen, an die heimische Scholle gebunden zu sein. Support your local und so. Die Anhänger des VfB Stuttgart reihen sich mittlerweile ein. Leider nimmt man ihnen den humorvollen Teil dieses Eintreten für den Kleinen und Schwachen nur schwer ab. Ein Völkchen, für das es bei Wikipedia den eigenen Eintrag „Schwabenhass“ gibt (danke, Prenzlauer Berg) – wie soll das irgendwie als sympathisch oder gar witzig wahrgenommen werden? Statt dem aufmunternden Klaps auf die Schulter – „Hey, ihr habt’s echt schwer, aber cooler Verein“ – gibt es im besten Fall Häme; im schlimmsten Mitleid. Wer kann das wollen?

Bremen ist nicht Dortmund – Stuttgart aber auch nicht

Niemand hat erwartet, dass der VfB Borussia Dortmund am Samstag mal eben an die Wand spielt. Die schlimmste Befürchtung war: Moritz Leitner wird eingewechselt und schießt ein Tor. Dass er nur den Pfosten traf, beweist die Existenz einer höheren Fußballmacht. Dass Roman Bürki im gesamten Spiel nur einen einzigen Ball parieren musste (nach 73 Minuten)? Ja nun. Dass Federico Barba sein Debüt nicht gerade mit einem Fleiß-Sticker im Hausaufgabenheft beendet? Sei’s drum. Er hat es schließlich auch nicht schlechter gemacht als seine Kollegen zuvor. Nur die wirklich harten Optimisten haben wohl vom Aha-Effekt geträumt – der dann zu einem Haha-Effekt wurde.

Was dann überhaupt weh tut? Die Gleichgültigkeit, mit der man beim VfB offenbar erneut das Spiel angegangen ist. Alles schien sich schon vorbereitet zu haben auf Werder Bremen – neun Tage später. Ist ja schließlich das Alles-oder-Nichts-Spiel dann. Wie man in der aktuellen Situation noch auf die Idee kommen kann, dem einzig verbliebenen Konkurrenten den Druck zuzuschieben, ihn sogar in die Richtung einfacher Gegner zu schieben: Das ist mir unerklärlich. Desolate Form hin oder her: Warum sollte Bremen vor heimischer Kulisse bei ihrer vermutlich letzten Chance auf die Vermeidung der Relegation weniger geben wollen, als die Dortmunder Spieler, für die es am Samstag um gar nichts mehr ging?

Vielleicht sollte man Robin Dutt einmal sagen: Wir schreiben die Saison 2015/16 und nicht 2014/15. Seine Durchhalteparolen nutzen sich schrecklich ab. Ich will nicht zum x-ten Mal hören:

„Blick nach vorne: Bremen hat verloren, Darmstadt hat verloren. Alle Kräfte bündeln und nach vorne schauen. Rein in das Duell nächste Woche in Bremen und dort gewinnen.“

Ob wirklich allen bewusst ist, dass gegen Bremen ein „sehr, sehr wichtiges Spiel für uns“ ansteht, wie Jürgen Kramny auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte? Dieser Mannschaft ist zuzutrauen, dass sie das eben nicht weiß. Oder dass es sie nur noch am Rande interessiert, weil sie in ihrem Lebenslauf später nicht einmal stehen haben wollen: Ist abgestiegen.

Die Komfortzone Bad Cannstatt

In Stuttgart stehen derart viele leidenschaftlosen Spieler auf dem Platz, wie es sich ein Verein in den Tabellenregionen, in denen sich der VfB seit Jahren aufhält, nicht leisten kann. Es fehlt an Zielstrebigkeit und am Hunger auf mehr. Auch der 1. FC Nürnberg gehört zu jenen Vereinen, für die man als Fan seit Jahren in Erklärungsnöte gerät. Der Glubb is a Depp – man darf gespannt sein, wer Mitte Mai der größere Depp sein wird. Es gibt zwei Grüppchen, wegen denen ich einer drohenden Relegation mit erhöhtem Puls entgegne. 1.) Die Komfortspieler. Hierzu zähle ich Christian Gentner, Daniel Schwaab, Georg Niedermeier und Martin Harnik. Alles feine Kerle, die sich wenig bis nichts zuschulden kommen lassen haben. Aber keiner von ihnen strahlt irgendwie aus, dass er mehr möchte mit dem VfB. Warum auch? Sie verdienen hier seit Jahren ihr gutes Geld, ist doch alles bequem und schnuckelig am Wasen. Mit solchen Spielern kommt man im Profisport des 21. Jahrhunderts nicht weiter. 2.) Die Abwesenden. Das sind in erster Linie Daniel Didavi und Filip Kostic. Beide wissen, dass der VfB für sie eine Durchgangsstation sein wird oder war. Sie können sich dort im Zusammenspiel mit den Komfortspielern wunderbar präsentieren, weil sie Spiel um Spiel herausragen. Aber für einen dauerhaften Erfolg des Vereins sorgen? Soweit muss keiner von ihnen denken.

Es ist richtig, dass Dutt nun nicht kurz vor knapp noch einmal eine Trainerdiskussion zulässt. Auch wenn Kramny inzwischen häufiger verloren als gewonnen hat und sogar eine längere sieglose Serie als unter Alexander Zorniger aufweist. Klar ist aber: Dutt muss seine Strategie im Sommer überdenken. Bereits jetzt anzukündigen, auch die nächste Saison mit Kramny als Trainer anzugehen, ist mindestens mutig. Wenn es der nachweisliche Motivator Kramny nicht hinbekommt, der Lethargo-Elf von Stuttgart Bad-Cannstatt Beine zu machen, dann müssen andere Ansätze her. Mal wieder auf die Trainerkarte zu setzen? Eine Möglichkeit. Vielleicht sollten aber endlich auch mal die Unangreifbaren klar ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Gerne auch mit dem überraschenden Lattenschlag vor die Stirn: Du, du und du – danke, war nett mit euch, aber so nicht mehr…

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Mein Freund, der Abstieg

Abstiegsgespenst, Abstiegskampf, Abstiegsangst. Der befürchtete Gang in die 2. Liga hat viele Namen – schön klingen sie nicht. Beim VfB Stuttgart findet man offensichtlich dennoch Gefallen daran.

Freunde, wir müssen reden. Christian Gentner stellt die Kollegen nach dem Spiel zur Rede. Bilder: www.vfb-bilder.de

Freunde, wir müssen reden. Christian Gentner stellt die Kollegen nach dem Spiel zur Rede. Bilder: www.vfb-bilder.de

Ich kann es nicht. Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht, aber es geht nicht. Ich möchte unbedingt das Gute hervorheben beim VfB Stuttgart. Darüber schreiben, was gut lief; mich nicht in die Reihe einordnen, die heute draufhauen werden oder schon draufgehauen haben. Mehr Zweikämpfe als Augsburg hat der VfB doch gewonnen (es waren knapp 55 Prozent), Timo Werner ist wohl so viel gelaufen, wie zuletzt beim Cooper-Test vorm Abi. Aber was soll das eigentlich? Irgendwelche scheinheiligen Statistiken herauskramen für einen Auftritt, der so schlicht nicht geht. Nicht, wenn es wirklich um nichts mehr gegangen wäre – und erst recht nicht, wenn man dem direkten Konkurrenten damit den Herzenswunsch erfüllt („Wir wollen den VfB wieder mit unten reinziehen“). Bravo, alles richtig gemacht, liebe Kollegen. Und nun hat Stuttgart wieder seine neue Lieblingssituation: Hinten drin, Abstiegskampf bis zum Ende der Saison. Mancher meint es gut mit dem VfB. Er leide nun eben am Fluch der guten Tat. Die kurze Siegesserie zu Beginn der Rückrunde – sie habe dem VfB nicht gut getan. Mitte Februar steht der VfB auf dem elften Platz, acht Punkte vor dem Relegationsplatz, fünf Punkte vom siebten Platz entfernt, der wohl zur Europa League reicht. Nicht nur hinter vorgehaltener Hand sprechen sie beim VfB von der Rückkehr in den internationalen Fußball. Das Grinsen an der Mercedesstraße ist groß. Endlich mal wieder eine Saison in Ruhe zu Ende bringen. Mindestens.

Hausgemachte Probleme

Für den erneuten Absturz und die drohende Abstiegsgefahr sind nicht übermächtige Gegner verantwortlich. Die Spieler glänzen auf dem Platz seit Wochen vornehmlich mit Lustlosigkeit. Robin Dutt und auch Jürgen Kramny müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dafür mitverantwortlich zu sein. Der „Druck“ wurde stets auf die Konkurrenz hinter dem VfB geschoben. Blöd nur, dass die scheinbar damit umzugehen weiß. Während Stuttgart sich bräsig seinem Schicksal ergibt. Das Spiel gegen Augsburg war der Tiefpunkt, der erschreckendste Auftritt der vergangenen Wochen. Ein Sieg aus neun Spielen – und keiner will es gemerkt haben? Das kann ich nicht glauben. Gegen den FCA war zum ersten Mal seit der Ära Kramny kein taktisches Konzept zu erkennen. Zeitweise musste man das Gefühl bekommen, die Spieler wüssten nicht, wohin mit sich und ihren nicht vorhandenen Ideen.

„Trotzdem ist nichts groß entstanden, bis Georg Niedermeier wieder mal einen Stockfehler hatte.“ (Jürgen Kramny)

Beim Zusehen der Abwehr bekommt man nicht nur Angst, sondern physische Schmerzen. Kramny sieht sich sogar genötigt, Georg Niedermeier persönlich zu kritisieren. Den Spieler, den er wieder groß (zu groß?) gemacht hat. In Mutlangen reibt sich Alexander Zorniger die Hände. Interessant: Bei Kramnys Zitat fehlen heute auf vielen Seiten der nicht ganz unwichtige Zusatz „wieder mal“ – auf der offiziellen VfB-Homepage findet er sich erst gar nicht.

Filip Kostic und Daniel Didavi - ohne sie geht nix.

Filip Kostic und Daniel Didavi – ohne sie geht nix.

Freilich, Niedermeier war und ist nicht der einzige Verantwortliche für die VfB-Misere. Eigentor gegen die Bayern hin, Tingel-Tangel-Auftritt gegen Augsburg her. Haben es Daniel Schwaab (schaute lieber zu, als mitzumachen), Toni Sunjic (erneut ein Fremdkörper) oder Emiliano Insua (30 Prozent Fehlpässe) besser gemacht? Eher nicht. Einmal mehr war zu sehen, wie sehr der VfB von den Leistungen der beiden einzigen „Stars“ im Club, Daniel Didavi und Filip Kostic, abhängig ist. Kommt von ihnen nichts oder wenig, läuft gar nichts mehr. Es dürfte eine lustige Saison 2016/16 werden – ob in Bundes- oder 2. Liga. Man könnte es sich einfach machen und die Verletzungsprobleme ins Feld führen. Die Anführer, Antreiber, Motoren Serey Dié, Kevin Großkreutz und Lukas Rupp haben gefehlt. Was willst du da machen? Vielleicht die Spieler in Verantwortung nehmen, die diese Rolle eigentlich für sich beanspruchen?

Warum machen es andere besser?

Mit Verlaub: Weder Hertha BSC, noch der FSV Mainz 05 oder der FC Augsburg haben bessere Voraussetzungen als der VfB. Vom FC Ingolstadt oder dem SV Darmstadt einmal ganz abgesehen. Natürlich gehört zu den Erfolgen von Berlin oder Mainz auch eine gehörige Portion Glück. Es gibt immer wieder die ein oder andere Überraschungs-Mannschaft, die oben ranschnuppern kann. Aber man täte den genannten Unrecht, wenn man das allein auf Glück oder Zufall schieben möchte. Fakt ist: Sie leisten gute Arbeit bei der Konkurrenz. Und mit ihren Möglichkeiten schlicht bessere als der VfB derzeit – oder schon seit Jahren. Ein Beispiel: In der Winterpause angelt sich Augsburg per Leihe Alfred Finnbogason, um die Probleme im Sturm zu beseitigen. Der Isländer traf in der Rückrunde fünf Mal, wird für seine Lust an der Integration in den Himmel gelobt. Probleme hatte auch der VfB. Er lieh sich Artem Kravets für den Sturm, der derzeit eher erzwungene statt erarbeitete Einsatzzeit erhält. Auf der anderen Seite des Feldes darf die VfB-Abwehr offensichtlich weiter herumturnen, wie sie möchte. Federico Barba – ebenfalls geliehen und stets gelobt – bleibt draußen. Das ist nicht verständlich.

Nun kann man Finnbogason als Glücksgriff bezeichnen. Aber die gehören eben dazu. Sie haben etwas mit Scouting zu tun. Das soll beim VfB ja anders werden – diesmal aber wirklich, wirklich, WIRKLICH. Peer Jaekel wird Kadermanager (einer von zweien). Alexander Schmidt, der bei 1860 München Talente wie Kevin Volland oder die Bender-Zwillinge formte, wird Nachwuchschef. Dutt gehe es dabei um „eine effektivere Verzahnung zwischen den Profis, dem Nachwuchs und dem Scouting“. Das klingt alles schön. Und er sagt es schon lange. Und die Fans hoffen alle, dass dahinter auch mehr steckt, als verkopfte Konzepte. Wenn es dumm läuft, darf sich Dutt bei seiner Umstrukturierung in den weniger aufsehenerregenden Gefilden der 2. Liga ausprobieren. Wie es die Geschichte gerne hat, käme der Abstieg in dieser Saison tatsächlich überraschend(er) als in den vergangenen beiden. Wer meint, beim VfB Stuttgart sei man, bei ausstehenden Spielen gegen Dortmund, Bremen, Mainz und Wolfsburg, mit einem zauberhaften Zweitliga-Bann ausgestattet: Magie habe ich in Stuttgart lange nicht mehr gesehen.

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Die Bremser

Die Verträge von Georg Niedermeier, Daniel Schwaab und Martin Harnik laufen im Sommer aus. Warum man ihnen im Mai einen schönen Strauß Blumen überreichen sollte.

Daniel Schwaab - Sinnbild für den Stuttgarter Stillstand? Bild: www.vfb-exklusiv.de

Daniel Schwaab – Sinnbild für den Stuttgarter Stillstand? Bild: www.vfb-exklusiv.de

Eines vorab: Georg Niedermeier, Daniel Schwaab und Martin Harnik sind keine schlechten Menschen. Keiner von ihnen hat sich jemals etwas ernsthaft zuschulden kommen lassen, seit er beim VfB Stuttgart spielt. In der Mannschaft werden sie dem Vernehmen nach hoch geschätzt. Gehören als langjährige Spieler zum Teil dem Mannschaftsrat an, verwalten die Spielerkasse, sind Sprachrohr in Richtung Öffentlichkeit – solche Dinge eben. Niedermeier etwa hat sich – etwas verwundert zwar, aber ohne zu murren – auf die Bank gesetzt, als Alexander Zorniger ihn erst dorthin und später sogar aus dem Kader verpflanzte. Er nahm es auch hin, dass er von Zorniger öffentlich bloßgestellt wurde. Seinen Ärger darüber gab er erst preis, als Zorniger längst Geschichte und er wieder Stammkraft war. Und das auch nur in sehr umsichtiger Wortwahl. Harnik ist ein ehrlicher Profi; in Zeiten, in denen das fast zum Alleinstellungsmerkmal geworden ist. Er weiß um seine Stärken, er weiß um seine Schwächen. Seine Aussagen haben Gehalt, Interviews von ihm haben mehr Inhalt als bloße Phrasendrescherei. Schwaab ist immerhin unscheinbar, beklagt sich nicht, arbeitet eben solide seinen Stiefel herunter. Schwaab und Niedermeier sind unter Jürgen Kramny wieder Stammspieler; Harnik wohl nur deshalb nicht, weil er in dieser Saison immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat. Alle drei stehen dem VfB Stuttgart im Weg.

Besser dran ohne sie

Einige Fans waren fast schon froh, als das Innenverteidiger-Duo Niedermeier und Schwaab am vergangenen Spieltag gegen Leverkusen ihr vermeintlich „wahres“ Gesicht präsentierten. Es war ein eher schlechter Auftritt der beiden, Niedermeier holte sich zudem seine fünfte gelbe Karte ab und fehlt im wichtigen Spiel gegen Darmstadt. „Möge dieser Auftritt Robin Dutt doch noch einmal die Augen öffnen bei den Vertragsverhandlungen“, so die vorherrschende Meinung. Die Sorge: Der Sportchef könnte sowohl mit Niedermeier als auch mit Schwaab verlängern. Niedermeier war bereits auf dem besten Weg zum neuen Helden – spätestens nach seinen beiden Toren gegen Hoffenheim. Eine Verlängerung mit einem der beiden derzeitigen Innverteidiger könnte man ja noch irgendwie akzeptieren – als Elder Statesman in der Defensive, als letzter Notnagel. Als erfahrener Spieler, der Timo Baumgartl und Federico Barba unterstützt, ohne Ansprüche auf deren Positionen zu erheben.

Was treibt Robin Dutt um? Dass er sich bereits im Sommer (und erneut im Winter) unglaublich schwer getan hat, einen neuen Innenverteidiger zu finden, der Antonio Rüdiger ersetzen kann? Heraus kam Toni Sunjic, der seit seinem aufsehenerregenden Debüt gegen Hertha BSC Berlin nichts mehr geleistet hat. Mit Barba legt Dutt im Winter nach – und hatte Pech, dass der sich umgehend verletzte. Kann die Not Grund genug sein, mit Schwaab und/ oder Niedermeier zu verlängern? Ich meine: Nein. Wir sprechen von der Position des Innenverteidigers, es geht nicht um europaweit begehrte Außenverteidiger. Für die Zentrale gibt es genügend Spieler, die die beiden locker ersetzen können.

Natürlich haben Niedermeier und Schwaab ihre Qualitäten. Letzterer ist wenigstens in Ansätzen polyvalent [Trainersprech!], kann auch mal auf der rechten Seite aushelfen. Zudem ist Schwaabs Aufbauspiel einigermaßen passabel. Niedermeier kämpft. Immer. Und er ist relativ torgefährlich. Aber diese Güteklasse haben andere Innenverteidiger eben auch – und dafür muss man keine Millionen investieren oder in die Topligen blicken.

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Festgefahren und leblos

„Aber das Mannschaftsgefüge“, halten die – zugegebenermaßen wenigen – Befürworter, den Stiefel mit Schwaab und Niedermeier und Harnik weiter durchzuziehen, dagegen. Womit wir beim eigentlich Problem sind. Die drei stehen symbolisch für jenen mangelnden Biss, an dem der VfB nun schon seit einiger Zeit krankt. Das ist alles irgendwie OK, mehr aber eben auch nicht. Natürlich kann man mit allen dreien verlängern und darauf hoffen, dass sie bei guter Form dazu beitragen könnten, dass die Klasse schon irgendwie gehalten wird. Aber sollten Spielerverträge für Profis aus romantischen Gründen abgeschlossen werden? Niedermeier, Schwaaab und Harnik stehen für jene festgefahrenen und leblosen Strukturen, die den Verein bremsen. Nochmal: Nicht weil sie Unmenschen wären; aber eben sportlich und was ihre interne Machtpostionen angeht. Ich prognostiziere: Die Weiterbeschäftigungen von Niedermeier, Schwaab und Harnik bremsen den VfB weiter aus. Theoretisch hat Dutt die glänzende Möglichkeit, drei Spieler, deren beste Zeit hinter ihnen liegt, ohne großes Aufhebens einen würdigen Abschied zu bereiten Mitte Mai. Blumenstrauß, Ehrung, warmer Applaus. Fertig. Ohne noch ein weiteres Fass aufmachen zu wollen: 2017 endet dann auch der Vertrag von Kapitän Christian Gentner. Auch er ein verdienter Mann, ein feiner Kerl dazu. Aber man hätte dann die einmalige Chance den letzten Zopf des VfB Stuttgart der Marke vorgestrig abzuschneiden.

Oder hat Dutt etwa Sorgen vor dem ganz großen Schwund schon diesen Sommer? Daniel Didavi wird wohl sicher gehen, bei Filip Kostic kann man sich nahezu sicher sein. Auch hinter Timo Werner steht noch ein Fragezeichen. Dutt sollte sich dennoch nicht scheuen, weitere Baustellen aufzumachen. Denn diese liegen – vorhandene Spieler hin oder her – mit Schwaab und Niedermeier und Harnik ohnehin vor. Sie blockieren schlicht Position für Spieler, die jetzt schon besser sind als sie. Oder es aber bald werden würden – wenn sie denn spielen dürften. Bitte nicht aus falscher Nostalgie und Romantik auf die falschen Pferde setzen.

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