Vorschau 32. Spieltag: VfB Stuttgart – Erzgebirge Aue

Bild: Bild: Marc Mueller/Bongarts/Getty Images

Bild: Bild: Marc Mueller/Bongarts/Getty Images

Ausgangslage

Ein Kuriosum im Endspurt um den Aufstieg: Dem VfB reichen für die Bundesliga-Rückkehr sicher fünf Punkte – weil dann kein Spiel mehr verloren ginge. Gleichzeitig könnten sechs Punkte zu wenig sein, wenn ausgerechnet in der kommenden Woche in Hannover (aktuell punktgleich, Martin Harnik – ihr wisst schon) eine Niederlage runterfiele. Verrückte 2. Liga. Bei Aue drehen sie gerade zwei Geschichten gleichzeitig: Die Fell-Good-Bromance vom Außenseiter, der erwachsen wird und die Mädels klarmacht – sprich: den Gegnern die Punkte zieht. Und die Geschichte von Germany’s Next Nagelsmann. Die Medien lechzen nach dem nächsten jungen Trainer, der das ganz heiße Teil auf dem Markt ist. Der Vergleich liegt nahe (ähnliche Laufbahn, ähnliches Alter, selber Trainerlehrgang, ähnliche Philosophie). Gerecht wird sie keinem der beiden, sind sie doch eigenständige Personen. Tedesco bekommt dennoch ein Foto, belassen wir es dabei.

Vor Aue hat der VfB Respekt, aber keine Angst. Hannes Wolf: „Ich bin nicht bereit dazu, den Gegner bedingungslos gut zu reden.“ Ein Satz wie ein Feiertag in Zeiten vom dauernden Der-nächste-Gegner-ist-der-schwerste-Mimimi. Um Wolf nicht die Worte im Mund zu verdrehen, er sagt auch: „Ich würde es sowieso unfassbar finden, wenn wir jetzt noch irgendetwas auf die leichte Schulter nehmen.“

Auf dem Platz

Drei mit vier gelben Karten vorbelastete Spieler beim VfB – das gab es bereits vor einer Woche. Jetzt könnte man unken: Verdammte Axt, hätte sich Simon Terodde, Alexandru Maxim oder Benjamin Pavard ihre fünfte nicht gegen Nürnberg fangen können? Weil: Wird sie gegen Aue gezückt (schöne Grüße an Schiedsrichter Gerach), würde der jeweils Betroffene ausgerechnet im vielleicht entscheidenden Spiel in Hannover ausfallen. Hat ein bisschen etwas vom Darmstädter „Holt sie euch vor dem Bayern-Spiel“ in der Bundesliga-Saison 2015/16. Hannes Wolf ist das wurscht: So lange sie nicht meckern oder sonstigen Unsinn treiben, erwartet er Vollgas und sagt angesichts des bis auf Carlos Mané und Jens Grahl voll einsatzfähigen Kaders: „Wir haben eine großartige Bank und können viel Qualität reinbringen.“ Nicht ganz ausgeschlossen, dass Wolf also mit einer leicht veränderten Aufstellung aufwartet. Erster Streichkandidat wäre wohl Takuma Asano, der überspielt zu sein scheint. Eine Chance für Daniel Ginczek?

Neben dem Platz

Definitiv nicht ersetzten wird Asano Berkay Özcan. Der muss oder darf der U19 im Abstiegskampf helfen. Wolf versucht es blumig und spricht von „seinem letzten Jugendspiel“. Abfeiern wird Özcan die Rückstufung dennoch nicht. Der VfB muss aufpassen. Der Ruf von der Talentschmiede bröckelt, weil die besten Nachwuchsleute frühzeitig wechseln – oder aber erst gar niemand mehr nachkommt, dem der Sprung zum Profi zuzutrauen ist. Einer, der den Sprung einst geschafft hat: Serdar Tasci. Und der hätte irgenwie Bock, nochmal beim VfB zu spielen. Verständlich, was willst du auf dem Petersplatz, wenn du auch auf dem Schlossplatz flanieren kannst? Jedenfalls sagte Tasci dem Kicker:  „VfB? Ich könnte mir das gut vorstellen.“

Und ihr so: Sollte der VfB Serdar Tasci zurückholen?

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Ab diesem Wochenende fahren übrigens auch wieder die Autos aus deutscher Herstellung im Kreis a.k.a. DTM. Einer der Hersteller kommt aus Stuttgart und engagiert sich dem Vernehmen nach beim VfB. Zufälligerweise fährt der Kanadier Robert Wickens deshalb mit dem VfB-Mercedes durchs badische Hockenheim.

Und der Gegner so?

Diese Saison erlebte zwei Aues: ante und post Tedesco. 17 ihrer 36 Punkte holten die Sachsen unter dem Ex-VfB-Jugendcoach. Vorgänger Pavel Dotchev hat fast dreimal so viele Spiele (22) benötigt, um auf diese Punktzahl zu kommen. Aus Dotchevs mutigem 4-2-3-1 ist Tedescos sehr viel wirksameres aber nicht eniger mutiges 5-4-1 geworden. Offensiv wird daraus dann ein 3-4-3. Für Beobachter der Bundesliga: Tedescos Taktik hat viel gemeinsam mit dem Power-Pressing von Leipzig oder Leverkusen zu den besseren Zeiten von Roger Schmidt. Auch der Vergleich mit dem Nagelsmannsch’en Fußball rührt nicht nur von der guten Bekanntschaft der beiden Kollegen im Trainerlehrgang. Und plötzlich ist bei Aue vom abkippenden Sechser, tieferer Passzirkulation und breiter erster Dreierkette zu lesen. Mit Abwehrbrecher Steve Breitkreuz (Name = Programm) hat der FCE einen der zweikampfstärksten Spieler der 2. Liga im Kader, mit Pascal Köpke (Name ≠ Programm) und Dimitrij Nazarov an der Spitze eine gut eingespielte und treffsichere Offensive (10 und 9 Tore). Hinter der Mär von der Tretertruppe aus dem Osten steckt übrigens ziemlich wenig: Aue hat die zweitwenigsten Fouls verübt, wurde dafür am vierthäufigsten gefoult. Auch die Passquote von fast 75 Prozent (drittbester Wert) deutet zumindest eher auf feinen Fußball als auf Gebolze hin. Hoffnung für den VfB: Kein Team gewinnt weniger Zweikämpfe als der FCE, dazu fingen sich die Sachsen bereits 48 Gegentore. 

Dauerbrenner Ausgliederung

Keine Überraschung, der Vereinsvorstand will die Ausgliederung unbedingt. Hatten wir hier schon mal. In Sachen Appetizer auf möglichst viel Stimmvolk gibt es für jedes Mitglied, das am 1. Juni kommt, ein Trikot geschenkt. Natürlich bekommt jeder ein Trikot, unabhängig von seinem Abstimmungsverhalten. Aber klar ist auch: Die Mitglieder, die auch ohne Giveaway kommen, drücken den Buzzer wohl eher bei Nein. Was kommt als nächstes: Ein neuer Mercedes für jedes Mitglied, das seine Mitbestimmung wahrnimmt? Präsident Wolfgang Dietrich gibt noch einmal Vollgas im Wahlkampf. Die drei geliehenen Spieler Carlos Mané, Takuma Asano und Josip Brekalo sollen beim VfB bleiben (welcher Fan würde da nicht zustimmen). Dietrich ist sich aber sicher: Ohne Ausgliederung geht das nicht. Stimmt wahrscheinlich sogar.

Zitat der Woche

Ob als Spieler oder in einer anderen Funktion. Ich könnte mir das gut vorstellen.Serdar Tasci, über eine mögliche Zukunft beim VfB

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Wie kam das eigentlich, dass der schon abgeschriebene FC Erzgebirge Aue plötzlich wieder alle Karten für den Klassenerhalt in der Hand hat? Einen ausführlichen, aber sehr lesenswerten Rückblick darüber, wie Einserschüler Domenico Tedesco Aue great again gemacht hat, ist in der Zeit erschienen. Ganz ehrlich: Erzgebirge Aue in der Zeit – wie hoch waren die Quoten wohl für ein solches Szenario? Hätte nach dem 4:0 des VfB in der Hinrunde in Sachsen auch niemand gedacht. Weil wir uns jetzt ja gemeinsam an die zweite Liga gewöhnt haben, sei noch der Artikel über die Wahrheit oder Unwahrheit der Klischees im Unterhaus ans Herz zu legen. Obwohl er etwas älter ist UND von einem Podcast aus Hannover stammt. Danke an Niemalsallein, guter Job.

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Vier aus sechs

Der VfB Stuttgart ist bei Erzgebirge Aue in nahezu allen Statistik-Rubriken unterlegen – und gewinnt mit 4:0. Bester Zeitpunkt, den Ball flach zu halten.

Ruuuuuuuuuuuhig. Größte Aufgabe beim aktuellen Lauf des VfB für Hannes Wolf ist. Bild: Maja Hitij/Getty

Ruuuuuuuuuuuhig. Größte Aufgabe beim aktuellen Lauf des VfB für Hannes Wolf ist. Bild: Maja Hitij/Getty

Wäre Winston Churchill im Fußball tätig, und nicht englischer Politiker gewesen, er wäre der Typ Jörg Schmadtke oder Rudi Völler gewesen. Immer für einen guten oder schlechten Spruch gut. Angeblich soll er gesagt, er traue „keiner Statistik, die er nicht selbst gefälscht habe“. Abgesehen davon, dass er das mit großer Wahrscheinlichkeit nie gesagt hat (sondern es sich um deutsche Propaganda während des Zweiten Weltkriegs handelt), passt dieses Bonmot gut zum 15. Spieltag des VfB Stuttgart bei Erzgebirge Aue.

Der VfB hatte weniger den Ball (39 Prozent), war in den Zweikämpfen – wenn auch knapp – unterlegen (49,5 Prozent), hatte weniger Ecken (2 zu 5), verzeichnet weniger Torschüsse (6 zu 14), spielte weniger Pässe (360 zu 521) und die waren auch noch ungenauer als die der Sachsen. Der Unterschied: Aue traf nicht, der VfB viermal. Bedeutet das, dass Statistik Unsinn und unbrauchbar ist? Dass der VfB einfach extrem kaltschnäuzig war – und nun auf dem besten Wege zu einer Spitzenmannschaft der zweiten Bundesliga ist?

Wie ein Endspiel

Weder noch. Aber es lässt tief blicken. Davor wurde viel geredet, über die Kälte im Erzgebirge (warum, am vergangenen Montagabend in Nürnberg war es in Stuttgart nicht wesentlich wärmer), über die extrem unterschiedlichen Voraussetzungen der beiden Teams (Etat-Krösus versus -Schmalhans), über Hannes Wolfs aufrichtige Versuche, die Bedeutung des Spiels hochzuhängen („wie ein Endspiel“). Beim VfB herrschte eine Stimmung zwischen Vorfreude auf eine außergewöhnliche Auswärtsfahrt und Sorgen über einen Auftritt wie „auf dem Dorf“.

Letztlich war es ein ganz normales Zweitligaspiel für den VfB in seiner aktuellen Form. Es ist der Punkt erreicht, an dem alles klappt, auch wenn eigentlich gar nicht so viel klappt. Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, dass der Sieg am Ende verdient, aber deutlich zu hoch ausgefallen ist. Wir müssen uns aber auch nicht darüber unterhalten, dass Aue mit einem Hauch der Zielgenauigkeit des VfB einen oder mehrere Punkte in Sachsen hätte halten können. Der Sieg war wichtig, weil der VfB damit vor den beiden potentiell schwierigeren Spielen gegen Hannover und Würzburg in einer guten Position geblieben ist.

Luft nach oben

Aber er lässt auch tief blicken. Viele fragte sich nach den Ankündigungen von Jan Schindelmeiser, sich im Winter eventuell verstärken zu wollen, nach dem Warum. Ein Blick auf die Ersatzbank genügt: Durch die Ausfälle von Daniel Ginczek und Tobias Werner saßen in Aue zur Einwechslung bereit: Ein Torhüter, ein Innenverteidiger, drei nominelle Außenverteidiger und zwei zentrale Mittelfeldspieler. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen: sowohl Ginczek und Werner könnten in dieser Saison noch häufig fehlen. Es mag auf den ersten Blick absurd scheinen, angesichts der aktuell besten Torausbeute der zweiten Liga. Aber Stuttgart fehlt es in der Offensive, mit Boris Tashchy rechnet nun wirklich gar niemand mehr. Nichts muss erzwungen werden, aber sollte Schindelmeiser im Winter die Chance haben, einen Vorgriff auf die kommende Saison zu tätigen (oder aber den anvisierten Aufstieg sicherer zu machen), dann sollte er das tun.

Der VfB ist Tabellenerster, er wird jedoch die Liga nicht dominieren. Nicht in dieser Saison und eine zweite sollte es hoffentlich nicht geben. Das Glück, dass den Stuttgartern in der Anfangsphase der Saison unter Jos Luhukay noch fehlte, ist unter seinem Nachfolger da. Es mag auch erzwungenes Glück sein, Wolf scheint nicht nur besser mit dem Kader zurecht zu kommen, er ist wohl auch der bessere, weil wacherer und zeitgemäß arbeitender Trainer. Bei der aktuellen Form scheint es absurd, dem VfB nicht den Aufstieg zuzutrauen. Vieles ist anders geworden: Stuttgart kommt auf den Platz – und ist voll da, wie die frühen Tore beweisen; es werden nicht mehr reihenweise Chancen verspielt. Beides Anlass für den Abstieg in der kommenden Saison.

Der dritte Anlass waren die persönlichen Befindlichkeiten der Spieler. Wolf betonte zuletzt den „Zusammenhalt der Gruppe“. Es sei nicht alles Terodde, Mané und Asano – sondern auch Kaminski oder Zimmermann. Es ist ihm zuzutrauen, die Spieler bei Laune zu halten, die außen vor sind oder bereits waren. Den Weltmeister Kevin Großkreutz, das ewige Talent Alexandru Maxim. Er macht das mit viel Fingerspitzengefühl, spricht viel, mit allen, mit einzelnen. Sollte er es schaffen, alle auf das viel beschworene gemeinsame Ziel einzuschwören, die Bedeutung des Ichs für ein paar Wochen noch dem des Wir unterzuordnen, dann wird der VfB wohl aufsteigen. Statistik hin oder her.

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Die beste 2. Liga aller Zeiten – Saisonvorschau (Teil V)

So langsam biegen wir auf die Zielgerade ein. In 6 Teilen stelle ich euch alle 17 Gegner der kommenden VfB-Saison vor. Dafür habe ich mir Experten-Hilfe ins Boot geholt und Blogger, Podcaster und sonstige Medienmenschen zu ihrem Club und ihrer Einschätzung zum VfB befragt. Im fünften und vorletzten Teil geht es nach Franken, ins Erzgebirge und in die Hauptstadt.

Wer will schon Leipzig, Hoffenheim oder Ingolstadt, wenn er auch Dresden, Pauli und Düsseldorf haben kann? Bild: Jonas/ www.vfb-bilder.de

Wer will schon Leipzig, Hoffenheim oder Ingolstadt, wenn er auch Nürnberg, Aue oder Berlin haben kann? Bild: Jonas/ www.vfb-bilder.de

Union Berlin Union Berlin
13. Spieltag: 18. bis 21. November (A)

Mitglieder: 12.704
Stadion: Alte Försterei (22.012) – Entfernung zum Neckarstadion: 645 Kilometer
Trainer: Jens Keller
Platzierung Vorjahr: 6
Gesamtmarktwert: 17,05 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Damir Kreilach (1,70 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – Der Blog und Podcast Textilverghen 

Welche 3 Begriffe kommen dir im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Magisches Dreieck, Guido Buchwald und immer wieder mein lieber Twitterfreund @heinzkamke. Ich hätte 1992 den Titel sowohl Frankfurt als auch Dortmund gegönnt. Aber dann kam Buchwald mit seinem Kopfball dazwischen. Ansonsten habe ich echt keine Verbindungen zum VfB. Die waren ab und zu mal in Berlin bei Hertha. Aber das Olympiastadion ist weit weg von allem. Da bekomme ich nichts mit, wenn da was los ist. Insgesamt habe ich weder negative noch positive Emotionen beim VfB. Ich bin vor kurzem mal auf der Autobahn an Stuttgart vorbeigefahren. Das ist alles.

Was macht Union für dich aus, warum bist du Fan geworden?

Gute Frage. Ich kam 1989 nach Berlin und war bis dahin immer beim wirklich gut spielenden und fast immer im Europacup vetretenen FC Carl Zeiss Jena im Stadion. Wie jeder Nichtberliner in der DDR hasste ich Berlin und den BFC. Dann kamen Mauerfall, Wende und Deutsche Einheit. Da gab es wichtigeres als Fußball. Mein erstes Unionspiel war irgendein mageres Heimspiel gegen Hertha Zehlendorf Anfang der 90er. Dann kamen Lizenzbetrügereien, Lizenzentzüge, Fastinsolvenz mit überraschender Rettung und immer wieder Scheitern beim Aufstiegsversuch. Das nervte zwar auch gewaltig, wenn man ehrlich ist und die Romantik beiseite schiebt. Aber es schweißte auch zusammen. Ich mag vor allem diesen Zusammenhalt auf den Rängen und diese unglaubliche Nähe bei Union. Deshalb bin ich dageblieben. Aber da haben alle aus unserem Team eine andere, eine eigene Geschichte.

Was sollten VfB-Fans in Berlin unbedingt gesehen haben?

Ich war noch nie auf dem Tempelhofer Feld, der Siegessäule oder dem Funkturm. Aber ich lebe ja erst 27 Jahre hier. Zumindest das Tempelhofer Feld sollte man mal betreten haben. Es gibt so viel in Berlin und man sollte sich selbst erst einmal eingestehen dass man nicht alles schaffen kann. Meine Tipps: Die Thaiwiese im Preußenpark in Wilmersdorf besuchen, weil es dort das beste asiatische Essen gibt und überhaupt. Das sowjetische Ehrenmal in Treptow sollte man gesehen haben, um einerseits zu spüren, wie Architektur uns als Menschen klein machen kann und weil es wichtig ist. Und in Köpenick sollte mindestens die Altstadt oder der Müggelsee einen Besuch wert sein.

Wie lange gibt es euren Blog/ Podcast und wie funktioniert er?

Das Blog hat Steffi gegründet und zwar schon 2006. Ich kam 2009 dazu und den Podcast gibt es regelmäßig seit 2009. Mittlerweile sind wir ein ganz gut eingespieltes 5er-Team mit Gero, Robert und Hans-Martin. Zu jedem Spieltag gibt es eine Podcastepisode und jeden Tag schreibe ich einen „State of the Union“, was das wichtigste zu Union aus meiner Sicht zusammenfasst. Ich diskutiere da Medienartikel oder eben die Pokémon-Jagd unseres neuen Stürmers im Trainingslager. Steffi schreibt dazu (leider viel zu selten) noch die viel besseren Geschichten und hat sie auch im Buch „Bring mich zum Rasen“ veröffentlicht. Außerdem fotografiert sie bei Spielen, wenn das die Zeit ergibt.

Wo landet Union in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB eurer Meinung nach spielen?

Gute Frage. Ich erwarte den VfB irgendwie oben. Einfach weil ich als Hertha-Reporter 2012/13 hautnah miterlebt habe, wie Jos Luhukay sehr genau dieses Ziel Aufstieg im Blick hatte. Und sie haben zum Start das erste Heimspiel Unentschieden gespielt, das zweite verloren und sind im Pokal in Worms rausgeflogen (das war eine der unvergesslichsten Dienstreisen, die ich gemacht habe, weil ich meinen Text auf dem Kickertisch im Vereinsheim von Worms geschrieben habe, während hinter mir Jos Luhukay stinksauer bei der Pressekonferenz war. Dazu hatte es gefühlte 40 Grad im Schatten). Und trotz diesem Alptraum von Start hat er die Mannschaft so hinbekommen, dass sie vielleicht nicht die Zweite Liga auseinandergenommen hat (ganz viele 1:0 Siege), aber durch Ergebnisse dominiert hat. Und wenn der VfB schneller als ich kapiert, dass er in der Zweiten Liga ist, kommen sie auch wieder da raus. Ich sortiere allerdings den VfB immer noch gedanklich in der Bundesliga ein.

Wo Union landet? Mir wäre am liebesten, dass Union mal nicht mit einem Fehlstart beginnt, im Pokal auch die erste Runde übersteht und ein bisschen da oben in den Top 3 mitmischt. Ansonsten lasse ich mich überraschen. Im vordersten Tabellendrittel wäre aber super.

Ihr spielt jetzt bald die achte Saison in der 2. Liga, mit aufsteigender Tendenz. Wann geht’s in die Bundesliga?

Wenn wir aufsteigen. Ehrlich. Ich habe da keinen Druck. Aber Bundesliga wäre mal ein ganz interessantes Erlebnis.

Immer wieder hauen die Union-Fans Aktionen raus, vom Weihnachstssingen bis zum Bluten für Union. Woher kommt die Kreativität?

Aus der Not. Ohne Scheiß. Ich glaube, dass das daher kommt, dass der Verein früher nichts hinbekommen hat und man es dann eben selbst gemacht hat. Und wenn ich mir so manche Karrieren bei Union anschaue, dann sind einige vom Fanblock in die Vereinsführung gewechselt (Präsident oder Pressesprecher beispielsweise) und es arbeiten einfach viele bei Union, die selbst Unionfans sind. Das kann manchmal komisch sein, aber meistens ist das ein ganz gutes Korrektiv.

Wer ist der größere Rivale: BFC Dyamo oder Hertha?

Der BFC spielt sportlich keine Rolle. Und von mir aus kann das so bleiben. Ich habe schon als Kind in Jena am Zaun gestanden und den BFC beschimpft. Aber da war der Stasiklub noch Serienmeister dank fragwürdiger Entscheidungen. Heute spielt er in der 4. Liga gegen Budissa Bautzen und ZFC Meuselwitz. Ich kann da keine sportliche Rivalität erkennen. Ganz im Gegensatz zu den Spielen gegen Hertha. Wer diese Genugtuung bei den Torschützen auf beiden Seiten, diese verkniffenen Lippen bei den Verlierern und diese Freude bei den Siegern gesehen hat, wird wissen, dass die Rivalität zum BFC eine aus der DDR-Geschichte entstandene ist, die gepflegt wird. Aber sportlich ist es Hertha. Und das gefällt mir ganz gut so.

Das Textilvergehen – soviel Meta-Kritik muss sein – zählt nicht nur zu den ersten, sondern auch den besten Fußball-Podcasts. Ihr solltet euch aber auch mal den Blog anschauen. Beider geht unter www.textilvergehen.de und bei Twitter findet ihr die Dame und die Herren via @textilvergehen. 


1. FC Nürnberg 1. FC Nürnberg
14. Spieltag: 25. bis 28. November (H)

Mitglieder: 16.144
Stadion: Grundig-Stadion (50.000) – Entfernung zum Neckarstadion: 205 Kilometer
Trainer: Alois Schwartz
Platzierung Vorjahr: 3
Gesamtmarktwert: 16,68 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Guideo Burgstaller (2,00 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – das Fanmagazin „Clubfans-United“

Welche 3 Begriffe kommen euch im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Pokalfinale 2007, Meira, Raphael Schäfer

Was macht den 1.FCN für euch aus, warum seid ihr Fan geworden?

Regionale Verbundenheit, die ruhmreiche Vergangenheit, die einfach in diesem Verein steckt und man es fast greifen kann, und nicht zuletzt auch das Unberechenbare, das „Immer-alles-ist-möglich“, ob Pokalsieg oder Abstieg – und manchmal fast gleichzeitig. Man mag seinen Verein und hat vielleicht gute Gründe zur Hand, warum man aber wirklich diese tiefe Verbundenheit verspürt, weiß man wohl selbst nicht so genau.

Was sollten VfB-Fans in Nürnberg unbedingt gesehen haben?

Die Burg, die Innenstadt, die Lorenzkirche. Aber auch das Aufmarschgelände unmittelbar vor dem Stadion, denn nirgend sonst wird einem so vor Augen geführt, was Euphorie aus einer Gruppendynamik heraus an Kraft auslösen und wie brutal es verführt und missbraucht werden kann.

Wie lange gibt es euer Fanmagazin wie funktioniert es?

Das Ganze gibt es im Grunde schon seit 1995, aber erst seit 2006 sind wir als Blog nochmal richtig durchgestartet – und seit 2008 unter dem Namen „Clubfans United“. Unseren ersten Podcast haben wir im September 2013 aufgenommen und ich glaub es dauerte 4 Monate, bis wir das erste mal über einen Sieg haben berichten können. Einen mieseren Start hätte man sich wohl kaum ausdenken können für so ein Format, aber den „Clubcast“ gibt es heute noch und das sagt wohl viel über uns Clubfans aus: Schwer zu begeistern, sich dann aber nicht so leicht abbringen lassen und seiner Überzeugung treu.
Das Blog ist wahrscheinlich eher ein Fußballmagazin mit aktiver Community – und inhaltlich funktioniert so auch der Podcast: Wir sind eine Gruppe von Autoren, die sich mit unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem FCN beschäftigen. Wäre es nicht so abwertend konnotiert, wäre „semi-professionell“ vielleicht richtig. Es geht uns um Fußball, Sport, Sportpolitik, Kommunikation und Medien. Auch über den Tellerrand hinaus, aber immer mit Blick auf den Club.

Wo landet der Club in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB eurer Meinung nach spielen?

Wahrscheinlich ist, betrachtet man die finanziellen Möglichkeiten, dass der Club um die Plätze 3 bis 9 spielt und der VfB um die Plätze 1 bis 3. Aber was ist im Fußball schon normal? Vieles hängt davon ab, wie schnell sich eine Mannschaft findet. Beim Club muss man sehen, wer noch kommt und vor allem wer geht, beim VfB muss man sehen wie man mit der 2. Liga zurechtkommt, da sind schon manche dran gescheitert. Es würde nicht wundern, wenn beide Vereine erst in der Winterpause wissen werden, wohin sie sich orientieren müssen – dass eine der beiden vorne weg marschiert, ist fast auszuschließen.

Schmerzt es noch sehr, in der Relegation relativ unglücklich gescheitert zu sein?

Darüber scheiden sich die Geister. Eine Mischung aus Respekt vor dem Gegner, der einem am Ende doch deutlich überlegen war, und ein wenig Trauer über die verpasste Chance, warum man nicht – wie die Isländer bei der EM – das Herz in beide Hände nahm, um in diesem einen (Rück-)Spiel über sich hinauszuwachsen. Unglücklich war es nicht, es fehlte weniger das Glück als dieses gewisse Etwas, dieses sich einfach nicht beugen zu wollen.

Ist das Ende der Zusammenarbeit mit René Weiler richtig?

Die Frage hat Weiler für uns beantwortet, ohne uns dabei einzubeziehen. Es ist wohl heute der Gang der Dinge, dass man kriselndes Personal feuert und performendes ziehen lassen muss. Weiler hat ordentliche Arbeit abgeliefert, ohne den großen Erfolg gehabt zu haben – und so werden die Chronisten ihn erfassen. In der langen Geschichte des FCN wird sein Name aber immer nur eine Randnotiz sein, es hätte vielleicht mehr werden können. Am Ende überwiegt das Gefühl: Reisende soll man nicht aufhalten.

Nach schwachem Saisonbeginn hat der Club letzte Saison extrem zugelegt. Woran lag der Lauf?

Eine Mischung aus Eigendynamik, schwächelnden Gegnern, Schlachtenglück, guter Arbeit und individuelle Qualität. Letzteres sah man in München, als Schäfer das Spiel im Grunde allein entschied. Wir hatten eine gute konditionelle Grundlage, die richtige Einstellung zu Liga und den eigenen Qualitäten, und einen Lauf – ein Phänomen, das jeder Sportler einfach kennt und auch nicht wirklich begründen kann. Für die Fans hieß das: Einfach nur genießen.

Spätestens jetzt (aber eigentlich schon viel früher), sollten sich auch VfB-Fans mit den Clubfans United beschäftigen. Tut das unter https://www.clubfans-united.de/ oder bei Twitter (@clubfans_united)


Erzgebirge Aue Erzgebirge Aue
15. Spieltag: 2. bis 5. Dezember (A)

Mitglieder: 6622
Stadion: Erzgebirgsstadion (15.711) – Entfernung zum Neckarstadion: 423 Kilometer
Trainer: Pavel Dotchev
Platzierung Vorjahr: 3 (3. LIga)
Gesamtmarktwert: 9,58 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Martin Männel (0,55 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – der Twitterer @N3bu1us  

Welche 3 Begriffe kommen dir im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Auch wenn es die Stuttgarter nicht gerne hören werden, denke ich zuerst an Abstiegskampf, denn das war das tägliche Brot des VfB in den letzten drei Jahren. Als nächstes natürlich Jürgen Klinsmann, dabei muss ich selber grinsen. In meinem ersten kicker-Exemplar war ein Bericht über Klinsmann und seinem Weg vom schwäbischen Bäckerlehrling zum Fußballprofi, im Südmilch-Trikot. Und zu guter Letzt, ganz klischeehaft natürlich Schwaben und alles was schwäbisch ist. Spätzle, Maultaschen und Sparsamkeit.

Was macht Erzgebirge Aue für euch aus, warum seid ihr Fan geworden?

Man spricht oft vom kleinen Aue, dem Provinzclub. Der war aber dreimal DDR-Meister, spielte europäisch und verbrachte 10 der letzten 13 Jahren in der zweiten Liga. Wen man zu den besten 36 Mannschaften Deutschlands gehört, ist man jedoch durchaus eine Größe und kann zu Recht stolz darauf sein. Der Erzgebirgler ist aber bescheiden und diese Bescheidenheit macht auch Erzgebirge Aue aus. Vielleicht muss man auch bescheiden sein, da man immer an der unteren Grenze des finanziell Machbaren agiert. Hier wird solide, ehrliche Arbeit geschätzt und damit hat man in den letzten Jahren viel erreicht. Der Club ist familiär, nicht nur weil (mit Unterbrechung) seit vielen Jahren die Leonhardts die Geschicke des Vereins lenken. Bei vielen gleicht der Stadionbesuch einem Familienausflug, nicht selten kommen drei Generationen zusammen ins Oval. Wismut Aue ist mehr als Holzmichl und Nudeltopf, hier beginnt das Stadionerlebnis mit der Fahrt durch das Erzgebirge. Das ist nicht nur „zum Fußball gehen“. Der Verein ist für viele in der Fremde auch ein Stück Haamit (Heimat, Anm. d. Red.). Man ist nicht einfach nur Fan, man ist Schachtscheißer und stolz darauf.

Was sollten VfB-Fans in Aue unbedingt gesehen haben?

In Aue selbst gibt es leider gar nicht so viel zu sehen. Wenn das Stadtfest stattfindet, ist gerade Sommerpause. Ihr habt aber Glück und kommt in der Adventszeit zu uns, da bietet sich der Besuch des Weihnachtsmarktes und einer der zahlreichen Bergaufzüge in der Region an. Am zweiten Adventswochenende steht der Bergaufzug in Schneeberg an, der in Aue findet traditionell immer am ersten Advent statt. Wenn man aber schon mal im Erzgebirge ist, ist die Besichtigung eines der vielen Besucherbergwerke in der Region ein Muss. Ausflüge auf eine der vielen Burgen oder auf den Fichtelberg sind immer möglich.
Erzgebirge Aue repräsentiert ja nicht nur die Stadt Aue, sondern das ganze Erzgebirge, mit seiner Landschaft, der Tradition und Bergbaugeschichte.  Ist man mit Familie zu Gast, darf jedoch der Besuch im Zoo der Minis nicht fehlen.

Wie bewegst du dich zu Erzgebirge Aue im Netz?

Auf Twitter bin ich seit 7 Jahren mehr oder weniger aktiv. Im Laufe der Zeit hat sich der Account von einem privaten Account zur Informationsgewinnung zu einem nahezu reinen Fußball-Account gewandelt. Im Grunde handelt es sich um ein Sammelsurium von Infos, Neuigkeiten und ein paar Statistiken, man tauscht sich mit anderen Aue-Fans aus, knüpft Kontakten zu Anhängern anderer Vereine und philosophiert.

Wo landet Aue in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB eurer Meinung nach spielen?

Die Aufstiegsmannschaft wird zusammenbleiben, das ist ein eingespieltes Team. Die Zugänge scheinen zu passen. Der Leistungsunterschied zwischen dritter und zweiter Liga ist nicht so riesig, sodass man durchaus hoffen kann, am Ende irgendwo im Mittelfeld zu stehen. Wichtig wird sein, zu Beginn nicht unten rein zu rutschen, wenn uns das gelingt, prophezeie ich Platz 9. 😀

Der VfB geht mit komplett neuer sportlicher Leitung in die Saison, hat mit Jos Luhukay einen Trainer geholt, der bereits dreimal in die erste Bundesliga aufgestiegen ist. Zudem bleiben wichtige Stützen wie Langerak, Großkreutz und Gentner. Der VfB wird von Anfang an oben mitspielen und man erwartet schon automatisch den direkten Wiederaufstieg. Aber jeder der denkt, dass das selbstverständlich ist, darf gern beim 1.FC Kaiserlautern anrufen.

Zu welchem Zeitpunkt hast du mit dem Aufstieg gerechnet?

Wir sind ja eher mäßig in die Saison gestartet, 0:0 zuhause gegen Osnabrück, 2:0 Niederlage in Großaspach. Und schon stehst du auf dem 18. Platz. Bloß nicht durchgereicht werden, dachten wohl viele am 2. Spieltag. Nach drei Siegen in Folge stand man plötzlich auf dem Relegationsplatz. Man konnte sehen, was mit dieser Mannschaft in dieser Liga möglich ist, an den direkten Wiederaufstieg hat aber zu diesem Zeitpunkt wohl kaum einer geglaubt, höchstens gehofft. Zwischenzeitlich rutschte man auf den 9. Platz zurück, Realismus kehrte ein. Mit dem Derbysieg gegen den CFC fand man in die Erfolgsspur zurück und erkämpfte 14 Punkte aus 6 Spielen. Somit stand man am Ende des Jahres wieder auf Platz 3. Nach dem 1:0 gegen die Zweite des VfB am 23. Spieltag, kletterte man erstmals auf einen direkten Aufstiegsplatz. Trotz einiger Dämpfer konnte man bis zum Schluss den Tabellenplatz halten, wir hatten sogar am 33. Spieltag ein Polster von 8 Zählern auf den Tabellendritten. Wirklich mit dem Aufstieg gerechnet habe ich aber erst nach dem Heimsieg gegen den CFC am 35. Spieltag. 6 Punkte Vorsprung bei 3 verbleibenden Spielen musste einfach reichen.

Torhüter Martin Männel ist Aues Rekordspieler – welchen Status hat er im Verein?

Martin kam 2008 nach unserem ersten Abstieg aus der zweiten Liga zu uns. Wir waren damals in einer ähnlichen Situation wie 2015, standen fast ohne Mannschaft da. Unser damaliger Trainer Heiko Weber holte einige junge Spieler von den Cottbuser Amateuren, die er kurz vorher noch trainierte, ins Erzgebirge, unter anderem auch Martin. Zumindest mir war er damals gänzlich unbekannt. Mit einer kurzen Unterbrechung ist Martin seither Stammtorhüter und stand in 257 Ligaspielen für uns zwischen den Pfosten. Er ist unbestritten einer der besten Torhüter der zweiten Liga und hatte all die Jahre massiven Anteil daran, dass wir die Liga halten konnten.  Am letzten Spieltag der Saison 2014/2015 schoss er gegen Heidenheim aus dem Spiel heraus sein bisher einziges Tor für uns, wenn es zum Klassenerhalt gereicht hätte, hätte man ihm schon längst ein Denkmal gesetzt. Er hielt uns auch nach dem Abstieg die Treue. Zu einem Zeitpunkt als wir noch keinen Spieler für die dritte Liga unter Vertrag hatten, bekannte sich Martin zum Verein und unterschrieb. Erzgebirge Aue ist auch für Martin nicht nur ein Arbeitgeber, sondern eine Herzensangelegenheit. Martin genießt absoluten Kultstatus und das mit dem Denkmal kommt vielleicht auch noch.

Erkläre doch kurz, was es mit „Wismut“ auf sich hat.

Ich konnte leider zu DDR-Zeiten noch nicht zur Wismut, zum Fußball nach Aue gehen. Ich war zu jung und wohnte zu weit weg. Ich interessierte mich aber für Fußball und Zeitung lesen konnte ich auch schon. Wismut war also dieser Fußballverein aus Aue. Wismut war aber auch die SDAG Wismut, einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der Region, ein Bergbauunternehmen in vorwiegend sowjetischer Hand. Fast jeder kannte einen, der bei der Wismut arbeitete oder gearbeitet hat. 1950 übernahm die Wismut die Trägerschaft für den Auer Fußballverein, der damals noch BSG Pneumatik Aue hieß. Somit wurde man Betriebssportgemeinschaft (BSG) unter dem Dach der Wismut und hieß ab sofort BSG Wismut Aue. Kurzzeitig hieß man auch BSG Wismut Karl-Marx-Stadt, spielte jedoch weiterhin in Aue. Der Versuch der Funktionäre, die Mannschaft nach Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) umzusiedeln, scheiterte jedoch und so nannte man sich ab 1963 wieder Wismut Aue. Karl-Marx-Stadt bekam eine eigene Fußballmannschaft, die jedoch nie so erfolgreich wie die Wismut spielte (das ist übrigens bis heute so). Nach der Wende und dem Rückzug der Wismut AG als Trägerbetrieb wurde aus BSG Wismut Aue nach mehreren Umbenennungen der FC Erzgebirge Aue. Jetzt ist man natürlich im Erzgebirge traditionsbewusst und der Bergbau ist, wenn auch nicht mehr aktiv, allgegenwärtig. In Anlehnung an die Wismut-Zeit lebt man das „Wismut“ einfach weiter, was man vor allem im Stadion hört.

Falls ihr wichtige Tipps zu Ausflügen ins Erzgebirge braucht – oder vieles Neue im Ost-Fußball lernen wollt: Folgt dem Antwortenden auf Twitter unter @N3bu1us.

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