Standpunkt Stuttgart II

Bild: Thomas Kienzle/AFP/Getty Images

Bild: Thomas Kienzle/AFP/Getty Images

Ganz viele Ausrufezeichen, ganz viel ausgerechnet, ganz viel Badstuber. Wer wollte, hatte am Samstagabend seine Geschichte, die nur der Fußball schreibt: Holger Badstuber trifft im ersten Heimspiel für den VfB Stuttgart, trifft zum ersten Mal seit acht Jahren überhaupt in der Bundesliga. Die Süddeutsche Zeitung scheut sich nicht, seinen Jubelschrei zum Titelbild für den Sport am Wochenende zu machen, für Sky ist er der Spieler des Tages.

Seinen Verein hat Badstuber vor ein Problem gestellt. Zähneknirschend haben die Verantwortlichen das Kollektiv, die Mannschaft gelobt. Bei Hannes Wolf ist das nicht neu, gerade junge Spieler hebt er nicht gerne in den Himmel. Nur ist Badstuber der Inbegriff der Bodenständigkeit; ein Mann, dem man wirklich alles Glück der Welt gönnt. Niemand würde sich derzeit besser eignen für eine Geschichte voller schöner Bilder, die dem VfB nicht fremd sind. So geht Badstuber allenfalls ab.

Schlecht für den VfB, dass das wichtigste Bild in dieser Geschichte das Gesicht von Jan Schindelmeiser trägt. Ihm will beim VfB niemand danken für die neue Sicherheit in der Verteidigung. Auch wenn er maßgeblich für die Verpflichtung Badstubers verantwortlich zeichnete und unter anderem dafür seinen Job in Stuttgart verloren haben soll.

Allen Ernstes wird Schindelmeisers Nachfolger Michael Reschke nach dem Spiel die Frage gestellt: Hätte man Badstuber – wie seinem Vorlagegengeber Dennis Aogo – nicht besser auch einen Zweijahresvertrag angeboten? Natürlich antwortet er darauf nicht, die Kaderplanung beim VfB war erst kurz vor Saisonbeginn seine Aufgabe. Als die wichtigsten Schritte längst getan waren.

Facebooktwitterrss

Standpunkt Stuttgart I

Disclaimer: Wie angekündigt, wird sich das Tragische Dreieck mit Beginn der Saison 2017/18 inhaltlich ändern. Ihr findet hier ab sofort einen Kommentar zum VfB Stuttgart mit gelegentlichen Ausflügen in die übrige Fußballwelt. Deutlich kürzer als früher, dafür wöchentlich. Da es sich um meine Meinung handelt, freue ich mich auf Reaktionen und Kommentare. Cheers.

Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Nein. Der VfB Stuttgart hätte auch mit Sportchef Jan Schindelmeiser nicht in Berlin gewonnen. Auch wenn zuletzt ein anderes Bild vermittelt wurde: Unruhe in die Mannschaft bringt die Entlassung ihres Sportchefs nicht. Mit Michael Reschke hat ein Profi den anderen ersetzt. Unruhe in das Umfeld bringt sie freilich schon, sie hinterlässt Fans und wohl auch viele Mitarbeiter, die sich fragen: Warum? Und vor allem: Warum jetzt?

Die beiden entscheidenden Fehler in der Abwehr wären mit Schindelmeiser ebenso geschehen, wie sie es nun mit Reschke sind; Takuma Asano hätte ebenso den Pfosten getroffen und den Ball nicht zuvor quer gelegt. In den Zeitungen wird morgen stehen: Der VfB musste Lehrgeld zahlen und weiß spätestens jetzt, wie schwach die 2. Liga im Vergleich zur Bundesliga besetzt ist.

Schindelmeisers Entlassung wirft ungeachtet der Auftaktniederlage ein sehr schlechtes Licht auf das Gebaren von Präsident Wolfgang Dietrich. Sie ist unprofessionell, vor allem wegen ihres Zeitpunkts kurz vor Beginn der Saison und nachdem der VfB wesentliche Transfers getätigt hat. Sie hinterlässt den Eindruck: Treffen zwei starke Egos aufeinander, will und wird Dietrich als Gewinner hervorgehen. Und sie hinterlässt die Frage: Wie schnell reagiert er gegenüber dem Trainer bei Misserfolgen identisch? Dass mit Reschke ein patenter Nachfolger präsentiert wird, mag ein Trost sein. Es ändert jedoch nichts am Nimbus des Alleinherrschers, der Wolfgang Dietrich spätestens jetzt anhaftet. Die Fans, allen voran die Mitglieder unter ihnen, dürfen sich getäuscht fühlen. Haben sie doch unter der Voraussetzung mit überwältigender Mehrheit für die Ausgliederung gestimmt, dass Jan Schindelmeiser diese in sportlichen Erfolg ummünzen soll.

Hört man sich im Umfeld des Clubs formerly known as Verein um, bekommt man von einem angeblichen Zerwürfnis zwischen Jan Schindelmeiser und den Mitarbeitern des VfB Stuttgart wenig mit. Viel mehr deutet auf einen Machtkampf zwischen Präsident und Sportvorstand hin. Ein starker Präsident, ein starker Aufsichtsrat eines Unternehmens kann Reibungen in Erfolg verwandeln. Gegenläufige Meinungen nicht dulden zu wollen, einen internen Widersacher zu entlassen ist dagegen ein Zeichen von Schwäche.

Facebooktwitterrss

Wie geht es dem Dreieck?

Bleibt alles anders

Bild: www.vfb-bilder.de

Mann, Mann, Mann. Ist das lange her, dass hier mal wieder Zeilen stehen. Ziemlich genau einen Monat. Seither ist ein bisschen etwas passiert: Toni Sunjic hat den VfB verlassen; Timo Baumgartl wurde für die U21-EM nominiert, nach Hause geschickt und dann nicht nachnominiert; Simon Terodde war schon weg und hat dann doch verlängert; Serge Gnabry kehrt doch nicht nach Stuttgart zurück; der VfB verliert gleich zwei Spieler an den Karlsruher SC; holt sich mit Orel Mangala dafür ein hochveranlagtes Talent aus Belgien; der Verein wird bald eine Aktiengesellschaft für Bewegungsspiele sein; und dann war da ja noch dieser Aufstieg.

Wenn man sich mit Fußball beschäftigen will, kommt man also selbst in der spielfreien Zeit gar nicht mehr hinterher. Und muss sich dafür nicht einmal das zweitwichtigste Turnier des Jahres – nach dem Audi-Cup – in Russland anschauen. Und was tut sich beim Tragischen Dreieck? Nicht viel, zugegeben. Einige von euch werden sagen: zum Glück. Im besten Fall findet es der Rest schade. Doch der Reihe nach.

Die Sache mit der Ausgliederung

Die inzwischen glamourös eingefahrene Ausgliederung hätte allein schon ein bis 200 eigene Artikel verdient. Eine Bewertung des Ergebnisses wenigstens. Doch wie wertet man aus der Ferne, wenn man nicht dabei war? Und kommt dabei ein faires Urteil heraus? Klar, man kann eine schöne Metakritik starten. Wie das Drumherum abgelaufen ist: verschenkte Trikots, Nutzen der Aufstiegseuphorie, Umzug ins Neckarstadion. Man kann auch kritisch zum Modell stehen, sich wegen einer – so traurig das auch ist – heutzutage verschwindend geringen Summe noch tiefer in die Fluten des big business zu stürzen, als man dort eh schon herumpaddelt. Man kann andererseits glauben, dass Erfolg im Fußball nur noch so möglich ist – es ist zumindest nicht unwahrscheinlich. Man könnte auch fragen, ob man dann diesen Erfolg unter den gegebenen Voraussetzungen überhaupt möchte. 

Die anwesenden VfB-Mitglieder jedenfalls haben mit dicker Mehrheit entschieden: Macht ihr mal, das wird schon. Hier erschien dazu lange kein Text. Über ein Ergebnis zu mosern, bei dem man sich – obwohl man es theoretisch hätte können – nicht beteiligt hat, ist unlauter. Es hat etwas von nicht zur Wahl zu gehen, sich dann aber über „die Politiker“ aufzuregen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass die Vereinsmitglieder den Verantwortlichen beim VfB vertraut haben. Man erinnert sich an exorbitante Gehälter für abgehalfterte Pseudo-Stars, Rentenverträge und Allmachtsfantasien von Managern wie Aufsichtsräten. Der Unterschied heute ist – und jetzt wird es kurz angenehm: Die Handelnden scheinen etwas von ihrem Handwerk zu verstehen. Es steckt mehr Ernsthaftigkeit hinter den Plänen, überspitzt gesagt: etwas mehr Hirn und etwas weniger Bauch; ein bisschen mehr Edelitaliener, ein bisschen weniger Bahnhofspinte. 

Die Sache mit der eigenen Sache

Ihr seht, man könnte allein zu diesem Thema ein Fass aufmachen. Ich habe allerdings gemerkt, meine Posts hier werden seltener. Was würde das legendäre Tragische Dreieck sagen, wenn es wüsste, dass hier nur alle Jubeljahre etwas Neues steht? Wie der/das Blog derzeit läuft, ist nicht mein Anspruch – und hat so für die Leser auch keinen Sinn. Es wird also ab der kommenden Saison einige Neuerungen geben, über die derzeit noch gebrütet wird. Keine Sorge (oder freut euch nicht zu früh): das Tragische Dreieck wird es weiter geben. Auf Twitter und Facebook sowieso, und irgendwie auch unter der url, die ihr in den Browser eures Vertrauens eingetippt habt.

Eine wesentliche Änderung ist schon im Kopf gediehen und hierzu bitte ich euch, um eure Meinung in der gleich folgenden Abstimmung, sowie Feedback via Tweet oder Facebook-Posting, welche Inhalte ihr dort gerne lesen würdet. Keine Sorge, in den kommenden Woche, wird auch hier immer wieder etwas aufploppen.

Würdet ihr einen kurzen Newsletter mit Neuigkeiten rund um den VfB abonnieren?

View Results

Loading ... Loading ...
Facebooktwitterrss