Vorschau 29. Spieltag: Arminia Bielefeld – VfB Stuttgart

Bild: www.vfb-bilder.de

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Was erlaubt sich dieser VfB Stuttgart eigentlich? Sechs Spieltage vor Ende der Zweitliga-Saison ist er noch nicht aufgestiegen, hat aus den vergangenen sechs Spielen nur sieben Punkte geholt, hat nur einen Punkt Vorsprung auf den Relegations- und drei auf den Nicht-Aufstiegsplatz. Erstaunlich viele Beobachter haben vor der Saison allenfalls mit den Schultern gezuckt oder müde gelächelt, wenn es hieß: So leicht wird das aber auch nicht mit dem Aufstieg.

Der Kader zu stark, das Stadion zu groß, die finanziellen Voraussetzungen zu gut – welche Probleme sollte dieser VfB denn haben? Hieß es. Da wäre jenes, gegen den Drittligaaufsteiger Dynamo Dresden acht Gegentore aus zwei Spielen zu bekommen. Oder jenes, gegen den Drittligaaufsteiger Würzburger Kickers auf blamable Art und Weise unterzugehen. Mannschaften, deren Etat zusammengerechnet gerade einmal der Hälfte dem des VfB entsprechen dürften. Ganz ehrlich: Mich hat es überrascht, wie tief das Leistungsgefälle zwischen erster und zweiter Bundesliga geworden ist. Eine Prognose: Es wird in Zukunft schwer bis unmöglich werden, dass sich Aufsteiger aus der zweiten Liga in der ersten Liga etablieren – man denke an Mainz 05, den FC Augsburg oder die TSG Hoffenheim.

Umso wichtiger wird es für den VfB Stuttgart, sich gar nicht erst da unten reinzurichten. Nur, warum hat er denn nun bereits zwölf Mal in dieser Saison nicht gewonnen? Da wären die 30 Gegentore, die meisten der vier Spitzenteams. Oder die Einstellung der Gegner in den Spielen gegen den VfB, eine Mischung aus Abwehrriegel und Denen-Zeigen-Wir-Es. Da ist weiterhin diese Nuance an fehlendem absolutem Willen beim VfB, das kleine bisschen zu viel Wird-schon-werden im Kopf.

Die Sache mit der Erwartungshaltung

Spielernoten sind grundsätzlich fragwürdig, weil auf fast klamaukige Art subjektiv. Deshalb soll diese Randnote nur zum Verdeutlichen dienen: Beim Durchblättern des altehrwürdigen „Kicker“ am Gründonnerstag stößt der Autor des Blogs auf die Spielerrangliste nach Noten der aktuellen Saison. In Erwartung, das VfB-Wappen in den Top 20 wenigstens zwei- bis dreimal zu sehen. War nicht so. Auch nicht einmal. Auch bei den Top 10 der Torhüter ist Mitch Langerak nicht vertreten – er ist auf Position 13. Bester Feldspieler ist Christian Gentner. Auf Platz 50.

Wie kann das sein? Müssten die Spieler des Tabellenführers nicht auch unter den besten der Liga zu finden sein? Nun sagt das einerseits viel über die Bewertungsmethode des „Kicker“ aus. Mehr noch zeigt es: Die Erwartungshaltung an den VfB ist nicht die, die man an einen Zweitligisten hat. Er ist gefühlter Erstligist und die Spieler haben sich gefälligst so zu präsentieren. Das wiederum ist nicht nur die Haltung des „Kicker“, sondern der meisten Menschen, die sich mit Fußball beschäftigen. Und dies ist der größte Malus des VfB: Einige – nicht alle, auch nicht die Mehrzahl – nehmen die zweite Liga nicht an. Es könnte zum einzigen Neckbreaker in der heißen Phase des Aufstiegsrennens werden. Nun kommt es jedoch in vier der letzten sechs Saisonspiele genau darauf an, zweite Liga mit jeder Faser anzunehmen. In den beiden anderen geht es gegen direkte Konkurrenten um den Aufstieg.

Die meisten von uns hatten erwartet, oder wenigstens gehofft, dass man sechs Spieltage vor Saisonende nicht mit schwitzigen Fingern den Taschenrechner bedienen muss. Wie viel Punkte reichen denn nun für einen der ersten beiden Plätze? Zwölf? 15? Die meisten von uns wollten auch nicht darauf hoffen, dass mit Union Berlin eventuell einem Konkurrenten die Nerven durchgehen. Die meisten von uns wollten auch nicht zittern, weil Hannover kurz vor Saisonende den Trainer getauscht hat und somit neuen Schwung bekommen könnte. So ist es allerdings gekommen. Und so weiß man: Sieben Punkte aus den nächsten sechs Spielen? Da hilft dann auch kein noch so guter Taschenrechner.

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Make Stuttgart great again: Warum Hannes Wolf der richtige Trainer für den VfB ist

45 Tage währt die Amtszeit von Hannes Wolf, wenn der VfB am Sonntag Arminia Bielefeld zum Heimspiel empfängt. Er könnte aus Stuttgart wieder eine Marke machen.

Eine Unterschrift für lange Zeit? Hannes Wolf kann den VfB Stuttgart in neue Höhen führen. Bild: www.vfb-exklusiv.de

Eine Unterschrift für lange Zeit? Hannes Wolf kann den VfB Stuttgart in neue Höhen führen. Bild: www.vfb-exklusiv.de

Hannes Wolf macht skeptisch. Wie kann ein Mensch zugleich derart nett, umgänglich, echt und dennoch kompetent sein? Im Trainergeschäft lässt sich das offenbar nicht in Einklang bringen. Das sagt mehr über die sozialen Standards des Fußballs als über die Stärken und Schwächen Wolfs aus. Als erfolgreicher Trainer habe man größenwahnsinnig und arrogant (José Mourinho/Diego Simeone), eigenbrödlerisch und stur (Pep Guardiola), oder wenigstens manisch (Jürgen Klopp) zu sein.

In Stuttgart waren die Hoffnungen und Sorgen gleichermaßen groß, als Jan Schindelmeiser Wolf vorstellte. Einen Trainer aus der BVB-Schule, geprägt vom Dialog mit Klopp und Thomas Tuchel. Die einen versprachen sich von ihm nach der drögen wie kurzen Phase unter Jos Luhukay einen jungen, frischen Hoffnungsträger. Die anderen spotteten über den nächsten „Jugendtrainer“ beim VfB – das habe schließlich schon einmal nicht funktioniert, mit Thomas Schneider aus dem eigenen Haus.

Danke, Jos

Inzwischen ist Wolf angekommen. Er hat das Potential und den Eifer, eine neue Ära beim VfB zu prägen. Er ist vielleicht sogar der erste Trainer seit Jahren, dem das zuzutrauen ist. Und er kommt vielleicht genau im richtigen Moment zum VfB, der darniederlag, der sich neu beweisen muss, der einen bitteren Gang durch die zweite Liga gehen muss. Denn, bei allem Respekt vor Bielefeld: Eigentlich würde man sich an diesem Wochenende doch lieber gegen Dortmund, Bayern oder ja, meinetwegen auch Leipzig spielen sehen.

Hannes Wolf erscheint in der öffentlichen Wahrnehmung erfolgreicher, als es die Ergebnisse eigentlich zulassen würden. In sechs Spielen mit dem VfB hat er zwar dreimal gewonnen, aber einmal auch nur Unentschieden gespielt und zweimal verloren – darunter ein Null zu *hust* in Dresden. Er selbst hat betont, dass er das große Glück hatte, einen Verein mitten in der Saison zu übernehmen, der qua Tabellenplatz eigentlich keinen neuen Trainer benötigt hatte. Nun kann man Luhukay vieles vorwerfen, doch er hat Wolf keinen lichterloh brennenden Scheiterhaufen hinterlassen. Sondern eine Mannschaft, die auf nahezu allen Positionen so aufgestellt ist, dass sie durch die zweite Bundesliga marschieren kann und am Ende auch Opfer des unlösbaren Zwists zwischen Luhukay und Jan Schindelmeiser war. Ein Bauer würde von einem bestellten Feld sprechen, der Bayer von der g’mahten Wiesn.

Vergesst den Straßenstrich

Alter spielt im Trainerwesen längst nicht mehr eine so große Rolle wie früher, das behaupten allenfalls die Granden anderer Generationen – Ottmar Hitzfeld, Otto Rehhagel. Ein heutiger Torwart-Rentner und früherer VfB-Keeper sagte einmal einen damals umjubelten Satz: Du kannst nicht jung und erfahren sein, außer auf dem Straßenstrich. Schade, weil der Satz ja irgendwie auch charmant war, aber er gilt nicht mehr. Wolf hat, wie viele seiner anderen jungen Kollegen in der Bundesliga, Erfahrungen gesammelt. Einerseits durch fast 200 Spiele als BVB-Coach. Andererseits bildet sich die heutige Trainergeneration ganz anders aus und fort als es früher der Fall war. Erfahrung muss nicht heißen: Ich muss mindestens 200 Spiele bei einem Bundesligisten an der Linie gestanden haben. Das mag manchen helfen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, ist jedoch kein Erfolgsgarant.

Die Fähigkeiten, auch Multimillionäre zu trainieren, die möglicherweise nahezu im selben Alter sind wie der Trainer, von 60.000 statt 1000 Zuschauern beobachtet zu werden, dem gesamten Mediensalat Stand zu halten. Das alles kann man, oder man kann es nicht. Wolf scheint zur ersten Gruppe zu gehören. Er scheint es zu schaffen, der Mannschaft ihre Sattheit, ihren Blues und den Schlendrian austreiben zu können. Langsam nur, aber erkennbar. Die Blamage in Dresden hätte sich hervorragend geeignet, um den üblichen VfB-Prozess in Gang zu setzen: Hoher Sieg gegen Fürth – die Spieler sind pappsatt und lassen sich von Dresden demontieren – und dann geht es eben dahin. Nun hat sie aber – wenn auch ohne Glanz und Gloria – danach reagiert, 1860 München besiegt und nach einem verschmerzbaren Pokal-Aus in Gladbach das der Stimmung nicht gerade abträgliche Spiel in Karlsruhe gewonnen. Nicht umsonst, wurde es in Sachen Marketing vom VfB derart ausgeschlachtet: Derbysieger-Erinnerungs-Tweets, Derbysieger-Shirts inklusive.

Hannes Wolf ist der erste Trainer seit Langem, dem zuzutrauen ist, seinen Vertrag (bis 2018) zu erfüllen. Das einzige was derzeit dagegen spricht: Ein anderer Verein schnappt ihm den VfB wieder weg, wäre mal wieder was Neues.

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Die beste 2. Liga aller Zeiten – Saisonvorschau (Teil IV)

Weiter, immer weiter… In 6 Teilen stelle ich euch alle 17 Gegner der kommenden VfB-Saison vor. Dafür habe ich mir Experten-Hilfe ins Boot geholt und Blogger, Podcaster und sonstige Medienmenschen zu ihrem Club und ihrer Einschätzung zum VfB befragt. Heute steht drei Mal echte Tradition auf dem Programm: 1860 München, Karlsruher SC, Arminia Bielefeld – der Herbst könnte goldener nicht werden.

Wer will schon Leipzig, Hoffenheim oder Ingolstadt, wenn er auch Dresden, Pauli und Düsseldorf haben kann? Bild: Jonas/ www.vfb-bilder.de

Wer will schon Leipzig, Hoffenheim oder Ingolstadt, wenn er auch 1860, Karlsruhe oder Bielefeld haben kann? Bild: Jonas/ www.vfb-bilder.de

TSV 1860 München TSV 1860 München
10. Spieltag: 21. bis 24. Oktober (H)

Mitglieder: 18.600
Stadion: Allianz-Arena (75.137) – Entfernung zum Neckarstadion: 220 Kilometer
Trainer: Kosta Runjaic
Platzierung Vorjahr: 15
Gesamtmarktwert: 19,73 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Stefan Aigner (3,75 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – Oliver Griss vom News-Portal „dieblaue24.com“ 

Welche 3 Begriffe kommen dir im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Tradition, Misswirtschaft, Tragisches Dreieck.

Was macht 1860 für dich aus, warum bist du Fan geworden?

Underdog, Münchens große Liebe, Einmal Löwe, immer Löwe.

Was sollten VfB-Fans in Giesing unbedingt gesehen haben?

Grünwalder Stadion, Löwenstüberl, Isar.

Wie lange gibt es euer Magazin und wie funktioniert es?

Gegründet am 11. Juni 2011 – Mitinhaber ist der ehemalige VfB-Stürmer Imre Szabics. Rekord im Juni 2016 waren 3,1 Millionen Seitenaufrufe.

Wo landet 1860 in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB deiner Meinung nach spielen?

Wir spielen eine Saison frei von Abstiegssorgen und werden Sechster. Der VfB steigt dank Luhukay wieder auf.

Ihr seid ein wenig so ein Mentekel für viele VfB-Fans. Vom stolzen Erstligisten absolut abgestürzt – woran lag das?

Bei uns sind nach der Ära Wildmoser nur Selbstdarsteller in die Führung gekommen – mit dem jetzigen Präsidenten Peter Cassalette hat der Verein nun aber einen Ober-Löwen gefunden, der es als erster Präsident geschafft hat, das zerrüttete Verhältnis mit Investor Hasan Ismaik wieder geradezubiegen. Seitdem gehen beide Gesellschafter Hand in Hand in die Zukunft. Das ist absolut positiv.

Ismaik ist „ein Glücksfall“, weil…

…er den Verein – im Gegensatz zur Münchner Industrie – im Jahr 2011 vor dem finanziellen Kollaps gerettet hat. Inzwischen hat Ismaik auch die deutsche Mentalität verstanden.

Warum sollten die Sechz’ger wieder zurück ins alte Stadion?

Sechzig soll nicht mehr ins Grünwalder Stadion zurück. Das Stadion ist retro und nicht mehr zeitgemäß. Außerdem ist es nur für 12.500 Besucher zulässig. Selbstverständlich braucht 1860 aber eine eigene Heimat – die Allianz Arena ist das Wohnzimmer der Seitenstraße (FC Bayern).

Ihr findet die Hochglanz-News zu 1860 München auf www.dieblaue24.com. Funfact: Die Löwen stehen für Oliver noch auf dem ersten Platz. Auf Twitter könnt ihr via @dieblaue24 folgen.


 

Karlsruher SC Karlsruher SC
11. Spieltag: 28. Oktober bis 1. November (A)

Mitglieder: 7900
Stadion: Wildpark-Stadion (28.754) – Entfernung zum Neckarstadion: 83 Kilometer
Trainer: Tomas Oral
Platzierung Vorjahr: 7
Gesamtmarktwert: 15,15 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Jordi Fuigeras (2,00 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – @JoernKreuzer, Karlsruher Twitte-Ikone

Welche 3 Begriffe kommen dir im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Bruschdring, Fritzle, MV.

Was macht den KSC für dich aus, warum bist du Fan geworden?

Der ganze Mist begann 1993, das alte Klischee: Valencia eben. Das hat mich schon als 11-Jähriger gepackt. Fan bin ich dann erst 1998 beim Abstieg geworden. Da habe ich gemerkt: „Krass, das nimmt Dich ja viel mehr mit, als es Du Dir eingestehen willst.“ Seitdem bekommt man ja ein Auf und Ab geboten. Fast in jeder Saison geht es um etwas. Allerdings haben sich meine Sympathien für den VfB aus meiner Jugend erhalten. Das dürfte nur wenigen KSC-Fans so gehen.

Was sollten VfB-Fans in Karlsruhe unbedingt gesehen haben?
Schloss und Schlosspark natürlich. Ansonsten unbedingt Wurstsalat mit Bratkartoffeln essen. Klingt komisch, ist aber lecker.

Wie bewegst du dich in Sachen KSC im Netz?
Ich folge dem Verein auf den einschlägigen Kanälen. Ansonsten gehe ich auch bei Twitter sehr gerne in die Bütt. Gerne mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Das wäre ja sonst alles nicht zu ertragen. Nur bei den Begriffen „HSV“ und „Gräfe“ reagiere ich allergisch.

Wo landet der KSC in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB deiner Meinung nach spielen?

Mit einem Platz zwischen 6 und 12 wäre ich sehr zufrieden. Wichtig ist mir nur eins: Bloß keine Relegation – egal in welche Richtung. Und der VfB? Hallo?! Der geht direkt wieder hoch. Ginni kenne ich vom FC St. Pauli und Terodde ist ja hier im Unterhaus auch gefürchtet. Was für ein Sturmduo! Wenn es fit ist…

Was war größer: Die Freude, dass der VfB abgestiegen ist, oder dass es wieder ein Derby gibt?

Ganz klar: Die Freude über das Derby.

Wie wird es ohne Markus Kauczinski weitergehen?

Das ist sehr schwer vorherzusehen, finde ich. Kaucze, Meffert und Gulde sind weg. Genauso wie Identifikationsfigur Dominic Peitz. Persönlich bin ich nicht von Tomas Oral überzeugt und habe im Freundeskreis eine ganz bestimmte Wette laufen… Mit Stoppelkamp hat man zwar grundsätzlich gut eingekauft, aber wie sich das alles zusammenfügt, wird man sehen. Der KSC steht nach sehr erfolgreichen und stabilen Jahren vor einem kleinen Neuanfang.

Winnie Schäfers Wechsel zum VfB fand ich…

…mutig!

Ihr dürft nicht nur, ihr solltet, nein ihr MÜSST @JoernKreuzer auf Twitter folgen. Es lohnt. 


 

Arminia Bielefeld Arminia Bielefeld
12. Spieltag: 4. bis 7. November (H)

Mitglieder: 12.237
Stadion: Schüco-Arena (26.137) – Entfernung zum Neckarstadion: 478 Kilometer
Trainer: Rüdiger Rehm
Platzierung Vorjahr: 12
Gesamtmarktwert: 11,95 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Fabian Klos (0,90 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – Sascha Hagemann vom Blog5 – die Fußballkompetenz 

Welche 3 Begriffe kommen dir im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Gerhard Mayer-Vorfelder, Magisches Dreieck und Kehrwoche.

Was macht Arminia Bielefeld für dich aus, warum bist Fan geworden?

Zum Fan wird man ja nicht aktiv, sondern dazu gemacht – bei mir von den „schon großen“ Nachbarjungs, die einen in den 80er Jahren beim Bolzen auf der Straße mitkicken ließen und selbst große Arminia-Fans waren – so dass einem gar keine Wahl blieb. Und Fan bleibt man, weil es natürlich hochgradig unterhaltsam ist als mausgraue Fahrstuhlmannschaft, allseits ungeliebt und medial meist ignoriert oder übersehen. Die Herausforderung ist, mittels Fatalismus, Selbstironie und Stoßseufzern zwischen manischen Auf- und depressiven Abstiegen möglichst nicht den Verstand zu verlieren.

Was sollten VfB-Fans in Bielefeld unbedingt gesehen haben?

Sparrenburg und Alm. Vor allem sollten sie aber beim Kontakt mit Eingeborenen jegliche Form des „Bielefeld gibt’s doch gar nicht“-Gags vermeiden. Man kann sich nicht ansatzweise vorstellen, wie tief ein jeder auf der nach unten offenen Unoriginalitätsskala sinkt, der diesem „Bielefeld?-Oh-warte-da-weiß-ich-was-Lustiges!“-Reflex erliegt. Ich muss gähnen, allein weil wir grad drüber sprechen.

Wie lange gibt es euren Blog und wie funktioniert er?

Unser Blog wurde vor ungefähr 12 Jahren von Thomas und mir gegründet, hatte zu seinen besten Zeiten zehntausend monatliche Besucher, schlief dann aber langsam ein, weil wir Macher zunehmend weniger Zeit aufbringen konnten – und findet deshalb heute eigentlich ausschließlich via Twitter (https://twitter.com/blog05), manchmal auch auf Facebook (https://www.facebook.com/blog5) statt.

Wo landet die Arminia in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB eurer Meinung nach spielen?

Arminia soll sich weiter etablieren und hoffentlich früh im Mittelfeld festsetzen, um dann perspektivisch in den kommenden Jahren heimlich wieder nach oben zu schielen. Der VfB ist der fette Karpfen im Zweitliga-Teich – alles andere als der direkte Wiederaufstieg wäre ein Desaster.

Hättet ihr den relativ lockeren Klassenerhalt erwartet?

Irgendwie schon. Aber nachdem wir zwischenzeitlich ja schon mal lockere 10 Punkte Vorsprung hatten, haben wir ganz Arminia-typisch zum Ende hin durch ein monströse Schwächephase nochmal herrlich zitternde Spannung erzeugt. Der Klub ist tatsächlich nie langweilig.

Ihr hattet in der letzten Saison einen vereinsinternen Zweitliga-Zuschauerrekord. Woran lag’s?

Der Fall aus der ersten Liga hinunter bis in Liga 3 mit dem Darmstadt-Relegationsdrama als Negativ-Höhepunkt hat alle hart getroffen. Was dem kurzen Schock dann aber folgte, waren klassische ostwestfälische Stehaufmännchen-Mentalität und engeres Zusammenrücken mit dem nötigen Schuss selbstironischer Demut. Wir wissen alle, dass Bundesligafußball an diesem Standort keine Selbstverständlichkeit, sondern harte Arbeit ist. Mit Schwitzen.

Norbert Maier ist der richtige Trainer für die Armina, weil…

Weil er nach dem Absturz blieb und trotz zahlreicher Abgänge gemeinsam mit Sportchef Arabi die Rückkehr in Liga 2 schaffte. Zudem passt sein mürrisch-motziger Humor gut nach Ostwestfalen. Oder wie er bei seiner Vertragsverlängerung sagte: „Wo soll ich denn sonst hin?“.

(Sascha wird zum Verhängnis, dass er die Fragen reichlich früh beantwortet hat – Maier ist inzwischen Bielefelder Historie; nichts für ungut: Rüdi Rehm ist eine coole Sau…; Anm. d. Red.)

Mediennerprobt, wie er als langjähriger Partner von „11 Freunde“ ist, hat Sascha ganz geschickt seine Links schon im Interview versteckt. Ihr dürft dennoch folgen (@blog05) oder vorbei surfen: http://blog5.fussballkompetenz.de/

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