34. Spieltag: VfB Stuttgart – Würzburger Kickers

Bild: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

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Ausgangslage

Sind wir mal ehrlich: Das Ding ist durch. Der VfB wird sich den Aufstieg in die Bundesliga nicht mehr nehmen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eintracht Braunschweig noch vorbeizieht ist geringer als eine Fertigstellung von Stuttgart 21 im kommenden Jahr. Zuallererst scheint es nicht besonders realistisch, dass der VfB seine dritte Heimniederlage – eine hohe obendrauf – gegen die Mannschaft einfährt, die in der Rückrunde nicht ein einziges Spiel gewonnen und gerade einmal sieben Punkte geholt hat. Und es soll mir niemand mit dem 0:3 aus der Hinrunde kommen. Klar sagt Hannes Wolf trotzdem: „Wir sind noch nicht durch. Die Bühne, die sich uns am Sonntag bietet, wollen wir annehmen und ich hoffe, dass uns die Fans wie bisher immer tragen.“ Aber das ist mehr eine Anstandsfloskel als übergroße Angst vor den Franken. Der Blick auf das vergangene Spiel lohnt dennoch: Sollte sich Stuttgart bereits gegen ungefähr ebenbürtige Gegner derart schwer tun wie gegen Hannover, dann wird die Bundesliga-Rückkehr ein sehr kurzer Ausflug werden.

Für die steht es dagegen Spitz auf Knopf. Bei einer Niederlage geht dort erst einmal das Zweitliga-Licht wieder aus. Selbst ein Unentschieden könnte zu wenig sein, um wenigstens die Relegation zu erreichen – wenn 1860 München gewinnt und Arminia Bielefeld (#dankeArminia) mindestens einen Punkt holt. Würzburg hat einen beispiellosen Absturz erlebt, nachdem die Mannschaft in der Hinrunde noch auf dem sechsten Platz gestanden hatte. Hannes Wolf dazu: „Das sind nicht mehr die Jungs, gegen die wir damals gespielt haben.“ Gut möglich, dass der VfB jetzt nicht Tabellenführer der 2. Liga wäre, wenn er sich beim Hinspiel nicht derart gegen Würzburg blamiert hätte.

Auf dem Platz

Für Jean Zimmer sieht es schlecht aus, besser gesagt für sein Knie. Ansonsten sind beim VfB alle Spieler an Bord und Wolf hat die freie Auswahl. Sehr wahrscheinlich ist, dass Florian Klein bei seiner Verabschiedung auch spielen wird und – je nach Spielverlauf – der ein oder andere Spieler eine Danke-Einwechslung erhält. Für Änderungen der erfolgreichen Mannschaft der vergangenen Spieltage hat Wolf wenig Anlass.

Neben dem Platz

First things first. Max Herre, ja DER, wird bei Sky kommentieren. Wir sind gespannt, schlimmer als Matthäus oder Effenberg kann es nicht werden, und verlassen uns darauf, dass er am Ende nicht „Tabula Rasa“ sondern „Mit dir“ singt. Was Joy für Max ist, waren die Fans für den Verein. Der sagt deshalb zu Recht danke, will aber nicht, dass die Unterstützer nach Abpfiff freudestrunken den Platz stürmen – erinnert sich eigentlich noch wer an die Bechersammler voriges Jahr? A propos Fans: Die sollen ab 12 Uhr auf dem Wasen feiern. Moderiert wird das Ganze von Timo Hildebrand und Cacau. Wer Timo zuhören will: Er ist demnächst bei Lennart und Tom im Podcast Rund um den Brustring zu hören. 

Die schlechte Nachricht: Palermo will Toni Sunjic nicht kaufen und er steht vor einer Rückkehr zum VfB. Die noch schlechtere Nachricht: Tobi Rathgeb – wer ihn nicht kennt, kann einem einfach nur leidtun – beendet zum Ende der Saison die Karriere. Mit einem Tränchen im Knopfloch: Danke Tobi!

Und der Gegner so?

Wenn für den VfB die deutliche Niederlage in der Hinrunde gegen den FWK ein Segen war, so war er für die Kickers der Anfang vom wohl bitteren Ende. Nur noch neun Tore erzielten die Würzburger danach, gewannen kein einziges Spiel mehr. Das lag selten an unterirdischen Leistungen, häufiger an fehlendem Glück oder Nervenstärke vor dem Tor. Der beste Torschütze Elia Soriano (5 Treffer) hat vor gefühlten Jahren zuletzt getroffen. Zuletzt hat nicht einmal mehr Martin „Piecke“ Pieckenhagen als Motivator helfen können. Wenn man sich an die Hinrunde erinnert, denkt man an Gerüchte, wonach Trainer Bernd Hollerbach von der halben Bundesliga gejagt wurde. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis er Leverkusen, Wolfsburg oder den Hamburger SV übernehmen würde.

Vielleicht kam für die Basketball-Stadt (Nowitzki!) der Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Liga einfach etwas zu schnell. Der FWK hat sich selbst überholt, und stolpert jetzt über die letzte Hürde. Was Hollerbach allerdings bis zuletzt geschafft hat: Der FWK ist nie abgeschmiert, hat für einen mutmaßlichen Absteiger nur 37 Gegentore gefangen. Zuletzt wandte sich der Trainer auch immer mehr der Defensive zu: Wechselte im System von einem 4-2-3-1 oder 4-3-3 zu einer Dreier- bzw. Fünferkette in der Defensive. Die Hinrunde sollte jedoch nicht unvergessen bleiben – und die allein reicht, um die Würzburger bald wieder in der 2. Liga zu sehen.

Dauerbrenner Ausgliederung

Ab Sonntag gegen 17.20 Uhr geht es beim VfB nur noch um einen Tag: 1. Juni. Derzeit dürfen die Größten der Großen noch einmal kräftig die Werbetrommel rühren. Sami Khedira und Hermann Ohlicher sagen nochmal lautstark JA! zur Ausgliederung. Wie wichtig der psychologische Effekt des gewählten Termins war, zeigt sich jetzt: Eine gute Woche nach dem mutmaßlichen Aufstieg – wer soll da dem Verein noch etwas abschlagen? Es geht hier nicht darum, für die ein oder andere Seite Partei zu ergreifen – auch weil der Autor dieser Zeilen nicht bei der Abstimmung dabei sein kann (Job, zu lange Anreise, unter der Woche, ihr kennt das). Wichtig ist, beide Sichtweisen zu dokumentieren.
Auch deshalb sei an dieser Stelle auf die Stellungnahme des Commando Cannstatt hingewiesen: ausführlich, aber lesenswert. Voll vertreten möchte ich persönlich diesen Passus: „Aus unserer Sicht wird der aktuelle Wahlkampf mit seinen Verkürzungen, der Alternativlosigkeit und den Emotionen der Wichtigkeit des Themas schlichtweg nicht gerecht. Jedes Mitglied sollte durch umfassende Informationen über echte Alternativen in die Lage versetzt werden, konstruktiv Verantwortung zu übernehmen.“

Zitat der Woche

Vor dem Spiel habe ich mit ihm gesprochen. Ich habe ihn noch einmal daran erinnert, dass er seine Schienbeinschoner und das Trikot mit rausnehmen und sich später gut aufwärmen soll.Silvio Meißner über das erste gemeinsame Spiel mit Philipp Lahm

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Mit der verrückten Geschichte des Hannes Wolf von Ergste nach Stuttgart hat sich auch ein Medium seiner Heimat beschäftigt. Genauer gesagt Marian Laske (@MarianLaske) für Reviersport. Solltet ihr euch für mehr als das reine Ergebnis eures Clubs oder die beste Taktik interessieren, solltet ihr vielleicht auch das System Fußball hinterfragen – ob im Zuge der Veröffentlichung von Rafael Buschmanns Buch Football Leaks oder schon länger -, dann lest euch dieses Gespräch von Jürgen Zurheide mit Manni Breuckmann durch. Es geht um Tradition im Fußball, um Konstrukte wie RB Leipzig und um den Verlust der Identifikation.

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33. Spieltag: Hannover 96 – VfB Stuttgart

Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Ausgangslage

Kurz nochmal den Abakus ausgepackt: Gewinnt der VfB „das schwerste Spiel des Jahres“ (Hannes Wolf) in Hannover, ist er sicher aufgestiegen. Zu 90 Prozent würde ein Unentschieden reichen, weil Stuttgart ein um sechs Tore besseres Torverhältnis als Hannover hat – bei drei Punkten Vorsprung. Für Hannover sieht die Sache sehr viel ungemütlicher aus, bei Punktgleichheit mit der Lieblingsmannschaft aus Braunschweig und einem um ein Tor schlechteren Torverhältnis droht die Relegation. Und ganz ehrlich: Nicht gegen den HSV aufsteigen gönnt man niemandem. Prognosen und der VfB passen ohnehin nicht in dieser Saison, aber an diesem vorletzten Spieltag ist von einem 0:4 bis zu einem 4:0 alles möglich.

Fakt ist: Beide Mannschaften haben einen Lauf. Der VfB holte aus den letzten fünf Spielen alle Punkte, Hannover hat unter André Breitenreiter nicht verloren (17 Punkte in sieben Spielen). Wolf hat übrigens kein Bock auf Rechen-Geplänkel und sagte in der Pressekonferenz: „Meine Planung geht nur bis Sonntag, 17.20 Uhr etwa. Was danach kommt, werden wir sehen.“ Groß gefeiert soll übrigens nicht werden, sollte der VfB in Hannover bereits alles klar machen. Gehen wir mal von „Vivaldi“ aus.

Auf dem Platz

Die wichtigste Nachricht zuerst: Simon Terodde hat sich im Laufe der Trainingswoche nicht verletzt und ist – Stand: Samstagvormittag – in Hannover dabei. Darauf ein Halleluja, weil ihn Torjäger-Verfolger Martin Harnik sonst wohl noch eingeholt hätte. Nicht auszudenken, was dann in Stuttgart losgewesen wäre. Aber: Bei Alexandru Maxim sieht es gesundheitlich weniger gut aus. Er ist zumindest angeschlagen (muskuläre Probleme), fliegt aber eventuell dennoch mit. Ähnliches gilt für Anto Grgic, dessen Sprunggelenk es erwischt hat. Alternativen für Maxim? „Takuma, Christian, Berkay, da gibt es einige, die diese Rolle übernehmen können.“ Schön, dass Wolf die Spieler vor den Presseleuten dutzt – die machen das ja auch gerne. Gut möglich, dass Flo Klein bei seinem letzten Auswärtsspiel für den VfB (ist in finalen Gesprächen mit Maccabi Tel Aviv) rechts erneut ran darf. Gut möglich, dass der gegen Aue schwächelnde Josip Brekalo auf der anderen Seite weichen muss – kommt Mentalitätsmonster Tobi Werner?

Neben dem Platz

A propos Florian Klein. Dass er den VfB nach der Saison verlässt, ist schon länger kein Gerücht mehr. Es gibt dennoch welche. Während Brekalo bei einem Aufstieg sicher noch ein Jahr bleibt – was dann passiert, weiß nur Volkswagen -, ist man bei Takuma Asano und dem langzeitverletzten Carlos Mane versucht, sie irgendwie zu halten. Klar, oder so gut wie klar, ist der Wechsel von Bayern-Junior Benjamin Hadzic an den Neckar, wie unter anderem die Stuttgarter Nachrichten berichten. Kurz zu den Fakten des 18-jährigen Bosniers: Stürmer, neun Tore in 23 Spielen für die U19, Juniorennationalspieler. Wer mehr zu ihm lesen möchte, dem sei die Vorstellung der Bayern-Junioren bei miasanrot empfohlen.

Um das Thema Tuchel-weg-Wolf-zurück kommt man nicht ganz drumherum. Die Kurzfassung: Tuchel und Watzke mögen nicht mehr, Wolf hat die BVB-Jugend trainiert, ergo: Wolf geht zurück. So das Gerücht. Wolf dazu: „Da gibt es nichts. Einer hat’s geschrieben, alle anderen haben abgeschrieben.“ Erledigt. Welch große Stücke Jan Schindelmeiser auf seinen Trainer hält, könnt ihr übrigens in diesem sehr starken – weil für heutige Zeiten außergewöhnlich tiefgründigen – Interview bei Spox lesen.

Letzter Punkt: Feierei. Es waberte schon länger durch den Kessel, jetzt weiß man: Es wird ein Public-Viewing und eine anschließende Feier auf dem Wasen geben. Am 21. Mai, unabhängig davon, ob der Aufstieg schon vorher klar wäre. Und jetzt zum wirklich letzten Punkt, die alles entscheidende Frage: Kommt er, oder kommt er nicht?

Und der Gegner so?

Breitenreiter hat – zumindest taktisch – nicht so viel verändert, was Vorgänger Daniel Stendel nicht schon ähnlich gemacht hätte. Klassischerweise spielt Hannover im 4-2-3-1, weicht hin und wieder auf ein 4-4-2 aus, jeweils mit einer Doppelsechs. Das funktionierte zuletzt vor allem defensiv sehr gut. Seit Mitte März hat die Mannschaft nur gegen Aue Gegentore bekommen und behielt sonst immer eine weiße Weste. Die Folge: Nach Braunschweig die zweitwenigsten Treffer kassiert (31). Was nicht heißt, dass die Offensive zu verachten wäre. Martin Harnik dürfte man kennen, bei Niclas Füllkrug wird das nicht mehr lange dauern. Es kommt nicht unerwartet, dass Hannover ähnlich wie der VfB eine der Mannschaften mit hohem Ballbesitz sind. Das liegt bei beiden weniger am System, als viel mehr an der Rolle als Dauerfavorit in der Liga.

Liegt es am ungemütlichen Tabellenplatz, oder was ist in Hannover los – bei der Bilanz zuletzt müsste doch Freude aufkommen? Die Euphorie zündet aber nicht so wirklich, wie ihr im 96 Freunde Blog nachlesen könnt. Vielleicht der eine entscheidende Unterschied zu Stuttgart? Für ein bisschen Hoffnung sorgt die mögliche Rückkehr von Manuel Schmiedebach, Kapitän und Führungskraft.

Von außen betrachtet schien vor der Saison das Duo Martin Kind („Ich hasse die zweite Liga!“) und Horst Heldt vor allem für den Boulevard interessant. Man hätte aus Hannover erwarten können, dass sehr viel geblubbert und sehr viel weniger gespielt wird. Gefühlt ist das nicht so, auch wenn Kind sich nicht nehmen lässt, den ein oder anderen Klopfer rauszuhauen. Der Fokus geht eher in Richtung spielerisches Talent: Felix Klaus, Waldemar Anton, Niclas Füllkrug. Da wächst schon was. Großes Risiko für die Hannoveraner: Wenigstens ein Teil der jungen Spieler wird gerne den nächsten Schritt gehen wollen, sprich: in die Bundesliga wechseln. 

Dauerbrenner Ausgliederung

Komisch. Man hört gerade so wenig dazu. Präsident Wolfgang Dietrich setzt seine Wahlkampf-Tour fort. Und bekommt Unterstützung von – kein Witz – Christoph Daum („Es wird sich nichts verändern an dem ganzen Herzblut oder der Tradition des VfB. Das wird alles bleiben.“). Na dann. Ein bisschen etwas von Substanz sagte dagegen Schindelmeiser noch in besagtem Spox-Interview. Letztlich gehe es für den VfB bei der Frage, Ausgliederung oder nicht, um diesen einen Satz: Will man auch in den kommenden Jahren nur um den Klassenerhalt spielen oder will man wieder mehr?

Zitat der Woche

Auf den Maxim müsst ihr aufpassen, der macht alles beim VfB, alle anderen sind nichts, die kannst du mit der ganzen Liga in einen Topf werfen.Der unvergleichliche Buffy Ettmayer

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Eines vorab: Solltet ihr es noch nicht tun. Lest unbedingt in Socrates rein. Am besten als Magazin, weil es so schön ist. So, und jetzt zu den eigentlichen Empfehlungen. Die könnten unterschiedlicher sein. Die lesenswerte Langstrecke zum Thema Regelkunde – ja, wer macht die eigentlich? – von Endreas Müller bei 120 Minuten. Ein ziemlich elitärer Zirkel kaspert aus, worüber wir uns wöchentlich aufregen. Bitteschön. Und zum zweiten noch etwas Abseitiges: Ihr erinnert euch noch ans Sommermärchen, also den Film, der uns jeden Glauben an Traineransprachen genommen hat? Dann gebt euch die Analyse zum Thema filmisches Storytelling im Fußball bei genrefilm. Großartig.

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Vorschau 18. Spieltag: FC St. Pauli – VfB Stuttgart

Der wichtigste Baustein der Rückrunde: Wie geht Hannes Wolf mit einem fitten Daniel Ginczek um? Bild: Thomas Niedermueller/Bongarts/Getty Images

Der wichtigste Baustein der Rückrunde: Wie geht Hannes Wolf mit einem fitten Daniel Ginczek um? Bild: Thomas Niedermueller/Bongarts/Getty Images

Hannes Wolf hat ein Problem. Es ist vielleicht gleichzeitig das dankbarste und dennoch unangenehmste aller Fußballlehrer-Probleme. Wolf hat die Qual der Wahl. Bis auf Tobias Werner sind derzeit alle Spieler einsatzbereit, die für die Rückrunde in der 2. Liga Ansprüche auf Einsatzzeiten erheben können – über Jens Grahl und Hans Nunoo Sarpei muss hier nicht die Rede sein. Das heißt: Wolf muss bereits in Sankt Pauli harte Entscheidungen treffen. Und die werden nicht wie bisher nur Alexandru Maxim treffen, der zumindest laut seinem Berater mindestens das Potential für europäische Top-Clubs hat.

Was passiert mit Grgic, Pavard und Hosogai?

So könnte sich Anto Grgic, obwohl er eine starke Vorbereitung spielte und obwohl Wolf große Stücke auf ihn hält, in Hamburg zunächst auf der Bank wiederfinden. Weitere Namen, denen Ähnliches droht: Benjamin Pavard, Hajime Hosogai, Berkay Özcan. Alles Spieler, die in dieser Saison bereits ordentlich Spielzeit hatten. Alles aber auch Spieler, die Sinnbild für eine in Stuttgart kaum mehr gekannte Kaderdichte sind. War es in den vergangenen Jahren nicht eines der Grundprobleme, dass man froh sein musste, wenn es für jede Position wenigstens einen geeigneten Spieler gibt? Inzwischen scheinen sich nur noch, wie der Lagos-Reisende Philipp Maisel kürzlich im Brustring-Talk ausführte, Mitch Langerak und Emiliano Insúa auf dem bequemen Kissen der Konkurrenzlosigkeit ausruhen zu können. Natürlich liegt dies vor allem an der ungleich schwächer besetzen 2. Liga.

An sich reden wir hier von der Wunschsituation eines jeden Trainers. Gefühlt wird inzwischen heute doch über nichts mehr gesprochen als über „die vielen Verletzten“. Es ist die Gift-Schrank-Phrase Nummer 1 und scheint fast alles zu entschuldigen. Und dennoch: Wolf wird sich dieser Herausforderung der Auswahl stellen müssen. Sie könnte der Beweis für seine Autorität werden. Die meisten der oben genannten Spieler wird er wohl einfangen können – aus Altersgründen (Öczan, Pavard, auch Julian Green könnte dazu zählen) oder aus charakterlichen Gründen (Hosogai). Komplex wird die Sache im Fall von Daniel Ginczek.

Wie geht der VfB mit der Kaderdichte um?

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Bloß keine Quenglerei

Der hat endlich einmal wieder eine Vorbereitung mitmachen dürfen, ist entsprechend ungeduldig und zudem Liebling der Fans – hat aber nun einmal den besten Torjäger im Kader vor der Nase. Ich prophezeie: Ewig wird sich Ginczek nicht mit der Rolle als Stürmer Nummer zwei abfinden, seine Geduld wird endlich sein. Dann ist es an Wolf und Jan Schindelmeiser, ihm klarzumachen, wer in der Hinrunde elf Mal getroffen hat und wer sich deshalb zunächst hintanstellen muss. Zwei echte Spitzen wird es unter Wolf nicht geben, wir dürfen uns auf ein 4-1-4-1 oder ein 4-2-3-1 einstellen – je nach Gegner, je nach Spielsituation. Der denkbar schlechteste Schritt Ginczeks – wenngleich er in Stuttgart wenig verwundern würde – wäre der Gang an die Öffentlichkeit mit seinen Sorgen.

Hat Wolf vielleicht deshalb auch gelassen reagiert, dass der Kader nicht noch weiter aufgefüllt worden ist? Schätzt er die Mannschaft so ein, dass es vor allem auf ein Wir-Gefühl ankommt, um aufzusteigen – und nicht auf weitere Spieler? Weiß er, dass er keine Querulanten gebrauchen kann? Dass der Kader des VfB bereits jetzt locker die Qualität hat, direkt aufzusteigen, steht außer Frage. Die Rückrunde wird deshalb von zwei Fragen bestimmt werden: Kann Hannes Wolf Chef? Wie professionell verhält sich Daniel Ginzcek?

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