Vorschau 31. Spieltag: 1. FC Nürnberg – VfB Stuttgart

Bild: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Bild: Alexander Scheuer/Bogarts/Getty Images

Ausgangslage

Für dieses Spiel wurde das Wort vermeintlich geschaffen. Vermeintlich ist der VfB Stuttgart als Tabellenführer nach fünf Spielen ohne Niederlage der klare Favorit. Vermeintlich geht es für den 1. FC Nürnberg (Platz 8) mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in dieser Saison nur noch um den ordentlichen Abschluss. Vermeintlich spricht die starke VfB-Offensive (53 Tore) und die anfällige Nürnberger Defensive (45 Gegentore, dritthöchster Wert der Liga) klar für Stuttgart. Aber lassen wir das. Die Bilanz der Nürnberger liest sich wie ein aufgeregter Herzschlag. Ein kleiner Blick auf die Bilanz der vergangenen 15 Spiele: Sieg, Sieg, Niederlage, Sieg, Unentschieden, Niederlage, Niederlage, Niederlage, Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage, Niederlage, Sieg, Unentschieden. Drei interessante Personalien: Mit den beiden Torhütern Thorsten Kirschbaum und Raphael Schäfer und dem derzeit verletzten Tim Leibold spielen drei Ex-Stuttgarter beim FCN, die auch jüngeren Fans noch in Erinnerung sein dürften. Für den VfB ist indessen klar: Ein Sieg in Nürnberg käme dem Relegationsplatz gleich.

Auf dem Platz

Der VfB hat nicht nur gefühlt seine Formdelle überwunden, gegen Union schrieben die meisten Beobachter ihn schon zurück in die Bundesliga. Erstligareif und erstklassig waren die Worte zum Dienstag. Da bekommen die Fans doch direkt Schnappatmung: VfB-Kicker und Lob vertragen – eine Geschichte voller Missverständnisse. Auf die Bremse treten die Spieler selbst: Nur wir selbst können uns stoppen; müssen weiter Vollgas geben; jedes Spiel ist das schwerste – solche Sachen eben. Auch Hannes Wolf sagte in der Pressekonferenz vor dem Spiel: „Wir müssen das vernünftig einordnen, sonst lassen wir nach.“ Kein Vollgas geben wird Daniel Ginczek. Der sitzt auf dem Klo – könnte aber eventuell zu seinem Ex-Club nach Nürnberg mitfahren. Die Trainingswoche lief laut Wolf eher ruhig, was für eine unveränderte Startaufstellung im Vergleich zum Berlin-Spiel spricht. Übrigens: Mit Alexandru Maxim (schlimm), Benjamin Pavard (bisschen schlimm) und Simon Terodde (ganz schlimm) haben drei Spieler vier gelbe Karten und drohen diese Saison noch einmal auszufallen. Wolf dazu: „Natürlich sollen sie sich wenn möglich eine Karte nicht wegen irgendeinem Quatsch holen, das ist klar. Wenn sie dann ausfallen, ist es eben so. Dann bauen wir ein bisschen um und fangen das auf.“

Neben dem Platz

Großes Lob einmal mehr für die Fans. Aus Gründen. Der Zweitliga-Besucher-Rekord des 1. FC Köln wackelt bedenklich. Gut möglich, dass der VfB die 50.000er-Grenze überschreiten wird. Die 211 Kilometer von Bad Cannstatt nach Nürnberg wollen 15.000 + X Fans aus Stuttgart mitmachen. Was für andere eine Sensation (Grüße nach Hoffenheim und Wolfsburg) oder eine Meldung (Grüße an die meisten anderen Vereine) wäre, ist beim VfB Alltag. Die Auswärtsspiele in Sandhausen, Dresden, München lassen grüßen. Diese Häufigkeit ist dann wiederum eine Sensation. Schlechte Nachrichten gibt es in Sachen Carlos Mané. Der Portugiese muss nun doch operiert werden und fällt mindestens ein halbes Jahr aus. Knorpelschaden im Knie, üble Geschichte. Wenigstens hat er Zeit, Töchterchen Saphira via Instagram zu gratulieren.

Obrigado a todos ??‍?‍??#Saphirabirthay #1

Ein Beitrag geteilt von Carlos Mané ?GOD☝?? DR? S? (@official_carlosmane) am

Ein Nachspiel hat das Derby gegen den KSC. Nach (nicht-öffentlichen) Beratungen im Landtag will Innenminister Strobl offenbar am 10. Juli zum Fußball-Gipfel einladen. Teilnehmen sollen Vereins- und DFB-Vertreter. Wäre gut, wenn auch Fanvertreter und -forscher dabei wären. Das ist jedoch noch unklar. In Sachen Gerüchten gibt es wenig Neues. Beim VfB wird man für wichtige Personalien den Saisonausgang abwarten müssen. Einzig Ersatztorhüter Benjamin Uphoffs Absprung ist nun fix – er leistet Aufbauhilfe beim KSC.

Und der Gegner so?

Der VfB hat den KSC, der Club hat Fürth – und Würzburg. Entsprechend euphorisiert waren die Nürnberger Fans bei der Reise nach Würzburg im Franken-Duell. Einige Medien hauten hart aufs Parkett und schrieben vorab von der „Furcht vor Randalen“, wie bei der Main-Post geschehen. Rund um einen Fanmarsch gab es schließlich einzelne Ausraster, unter anderem wurden neun Personen festgenommen, offenbar wurden Pyro und Glasflaschen in Richtung Polizei geworfen. Während und nach dem Spiel blieb es friedlich. Wer auf Polizeibilanzen steht, der kann bei Würzburg Erleben gerne mehr dazu lesen, konzentrieren wir uns lieber auf das Sportliche. Da dient das Würzburg-Spiel als Blaupause für die Saison der Nürnberger. Gegen in der Rückrunde unglaublich schwache Würzburger nur einen Punkt zu holen, ausgerechnet im Derby, zeigte vielen: „Schon traurig, aber mehr als biederes Mittelmaß ist der Altmeister derzeit eben nicht.“ So geschrieben in einem an tiefster Tristesse nur schwer zu überbietenden Blogpost von Frank Ordosch.

Versuchen wir es etwas weniger emotional: Michael Köllner hat im März interimistisch von Alois Schwartz übernommen. Damals war der Club im Mittelfeld der Liga, heute steht er immer noch im Mittelfeld, wenn auch einige Plätze weiter oben. Nach einigen taktischen Versuchen ist der eigentliche Chef des Nachwuchsleistungszentrums wieder zurückgekehrt zum Schwartz’schen 4-2-3-1. Aufpassen muss der VfB vor allem auf zwei Nürnberger Stärken: Der Club hat bereits zehn Treffer per Kopf erzielt, eine Gefahr für die anfällige Stuttgarter Defensive. Und dann wäre da noch „Goldjunge“ Cedric Teuchert. Der erst 20-jährige Stürmer weckt Begehrlichkeiten und gilt als Mann der Stunde in Nürnberg – soll aber wohl mindestens noch ein Jahr in Nürnberg spielen. Abseits des Sportlichen denkt man in Nürnberg über eine Umbenennung nach: Kommt das Max-Morlock-Stadion oder nicht? Interessant: Ausgerechnet der Besitzer der Namensrechte hat ein Crowdfunding für die Umbenennung gestartet. Im Kicker (aus Nürnberg!) steht, was für und was gegen die Idee spricht.

Dauerbrenner Ausgliederung

Der VfB macht Druck. Genauer gesagt: Wolfgang Dietrich macht Druck. Sollten die Mitglieder sich erlauben, gegen die Ausgliederung zu stimmen, wäre der VfB am A… Na gut, das ist jetzt leicht paraphrasiert. Genau genommen hat Dietrich bei Sponsor gesagt, man müsse sich bei einem Nein „künftig vielleicht doch eher als Ausbildungsverein aufstellen, der Jahr für Jahr versucht, sich über Wasser zu halten.“ Es ist nicht neu, welche Position die derzeit Verantwortlichen beim Thema Ausgliederung einnehmen. Das wird auch nach außen so kommuniziert. Nur hätte man vorab von einem ergebnisoffenen Entscheidungsprozess sprechen sollen, wenn der Wahlkampf klar in eine Richtung gelenkt wird? An den Aufstieg ist die Ausgliederung übrigens nicht gebunden. Misslingt der, wäre die Ausgliederung laut Dietrich „noch wichtiger“. Da hat er Recht, sonst könnte dem VfB ein ähnliches Schicksal wie dem kommenden Gegner Nürnberg (oder Kaiserslautern, oder 1860, oder Düsseldorf, oder Bochum…) drohen.
Wer auf die Sendung mit der Maus steht, dem sein noch dieses Video empfohlen.

Zitat der Woche

 

Die Entwicklung von Mario Gomez verfolge ich sehr genau – nicht nur, weil ich ihn seit Jahren beim Managerspiel in meiner Mannschaft habe.Simon Terodde, in der 11 Freunde über seine Vorbilder

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Auch diesmal etwas zum Thema Ausgliederung. Darüber macht sich bekanntlich nicht nur der VfB Gedanken. Bei Preußen Münster will man so endlich in die 2. Liga aufsteigen. Bei einer Infoveranstaltung fielen Begriffe wie Anschubfinanzierung, Partner, Transparenz. Kommt einem bekannt vor. Zu Gast war: Christoph Schickhardt. Kommt einem bekannt vor. „Geldgeber mit Rendite-Erwartung erwartet der Klub nicht, eher regionale Kaufleute und Unternehmen, die aus Leidenschaft für ‚ihren‘ Verein mithelfen wollen“, schreibt Westline. Kommt einem – zumindest ein bisschen – bekannt vor.

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Die beste 2. Liga aller Zeiten – Saisonvorschau (Teil V)

So langsam biegen wir auf die Zielgerade ein. In 6 Teilen stelle ich euch alle 17 Gegner der kommenden VfB-Saison vor. Dafür habe ich mir Experten-Hilfe ins Boot geholt und Blogger, Podcaster und sonstige Medienmenschen zu ihrem Club und ihrer Einschätzung zum VfB befragt. Im fünften und vorletzten Teil geht es nach Franken, ins Erzgebirge und in die Hauptstadt.

Wer will schon Leipzig, Hoffenheim oder Ingolstadt, wenn er auch Dresden, Pauli und Düsseldorf haben kann? Bild: Jonas/ www.vfb-bilder.de

Wer will schon Leipzig, Hoffenheim oder Ingolstadt, wenn er auch Nürnberg, Aue oder Berlin haben kann? Bild: Jonas/ www.vfb-bilder.de

Union Berlin Union Berlin
13. Spieltag: 18. bis 21. November (A)

Mitglieder: 12.704
Stadion: Alte Försterei (22.012) – Entfernung zum Neckarstadion: 645 Kilometer
Trainer: Jens Keller
Platzierung Vorjahr: 6
Gesamtmarktwert: 17,05 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Damir Kreilach (1,70 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – Der Blog und Podcast Textilverghen 

Welche 3 Begriffe kommen dir im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Magisches Dreieck, Guido Buchwald und immer wieder mein lieber Twitterfreund @heinzkamke. Ich hätte 1992 den Titel sowohl Frankfurt als auch Dortmund gegönnt. Aber dann kam Buchwald mit seinem Kopfball dazwischen. Ansonsten habe ich echt keine Verbindungen zum VfB. Die waren ab und zu mal in Berlin bei Hertha. Aber das Olympiastadion ist weit weg von allem. Da bekomme ich nichts mit, wenn da was los ist. Insgesamt habe ich weder negative noch positive Emotionen beim VfB. Ich bin vor kurzem mal auf der Autobahn an Stuttgart vorbeigefahren. Das ist alles.

Was macht Union für dich aus, warum bist du Fan geworden?

Gute Frage. Ich kam 1989 nach Berlin und war bis dahin immer beim wirklich gut spielenden und fast immer im Europacup vetretenen FC Carl Zeiss Jena im Stadion. Wie jeder Nichtberliner in der DDR hasste ich Berlin und den BFC. Dann kamen Mauerfall, Wende und Deutsche Einheit. Da gab es wichtigeres als Fußball. Mein erstes Unionspiel war irgendein mageres Heimspiel gegen Hertha Zehlendorf Anfang der 90er. Dann kamen Lizenzbetrügereien, Lizenzentzüge, Fastinsolvenz mit überraschender Rettung und immer wieder Scheitern beim Aufstiegsversuch. Das nervte zwar auch gewaltig, wenn man ehrlich ist und die Romantik beiseite schiebt. Aber es schweißte auch zusammen. Ich mag vor allem diesen Zusammenhalt auf den Rängen und diese unglaubliche Nähe bei Union. Deshalb bin ich dageblieben. Aber da haben alle aus unserem Team eine andere, eine eigene Geschichte.

Was sollten VfB-Fans in Berlin unbedingt gesehen haben?

Ich war noch nie auf dem Tempelhofer Feld, der Siegessäule oder dem Funkturm. Aber ich lebe ja erst 27 Jahre hier. Zumindest das Tempelhofer Feld sollte man mal betreten haben. Es gibt so viel in Berlin und man sollte sich selbst erst einmal eingestehen dass man nicht alles schaffen kann. Meine Tipps: Die Thaiwiese im Preußenpark in Wilmersdorf besuchen, weil es dort das beste asiatische Essen gibt und überhaupt. Das sowjetische Ehrenmal in Treptow sollte man gesehen haben, um einerseits zu spüren, wie Architektur uns als Menschen klein machen kann und weil es wichtig ist. Und in Köpenick sollte mindestens die Altstadt oder der Müggelsee einen Besuch wert sein.

Wie lange gibt es euren Blog/ Podcast und wie funktioniert er?

Das Blog hat Steffi gegründet und zwar schon 2006. Ich kam 2009 dazu und den Podcast gibt es regelmäßig seit 2009. Mittlerweile sind wir ein ganz gut eingespieltes 5er-Team mit Gero, Robert und Hans-Martin. Zu jedem Spieltag gibt es eine Podcastepisode und jeden Tag schreibe ich einen „State of the Union“, was das wichtigste zu Union aus meiner Sicht zusammenfasst. Ich diskutiere da Medienartikel oder eben die Pokémon-Jagd unseres neuen Stürmers im Trainingslager. Steffi schreibt dazu (leider viel zu selten) noch die viel besseren Geschichten und hat sie auch im Buch „Bring mich zum Rasen“ veröffentlicht. Außerdem fotografiert sie bei Spielen, wenn das die Zeit ergibt.

Wo landet Union in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB eurer Meinung nach spielen?

Gute Frage. Ich erwarte den VfB irgendwie oben. Einfach weil ich als Hertha-Reporter 2012/13 hautnah miterlebt habe, wie Jos Luhukay sehr genau dieses Ziel Aufstieg im Blick hatte. Und sie haben zum Start das erste Heimspiel Unentschieden gespielt, das zweite verloren und sind im Pokal in Worms rausgeflogen (das war eine der unvergesslichsten Dienstreisen, die ich gemacht habe, weil ich meinen Text auf dem Kickertisch im Vereinsheim von Worms geschrieben habe, während hinter mir Jos Luhukay stinksauer bei der Pressekonferenz war. Dazu hatte es gefühlte 40 Grad im Schatten). Und trotz diesem Alptraum von Start hat er die Mannschaft so hinbekommen, dass sie vielleicht nicht die Zweite Liga auseinandergenommen hat (ganz viele 1:0 Siege), aber durch Ergebnisse dominiert hat. Und wenn der VfB schneller als ich kapiert, dass er in der Zweiten Liga ist, kommen sie auch wieder da raus. Ich sortiere allerdings den VfB immer noch gedanklich in der Bundesliga ein.

Wo Union landet? Mir wäre am liebesten, dass Union mal nicht mit einem Fehlstart beginnt, im Pokal auch die erste Runde übersteht und ein bisschen da oben in den Top 3 mitmischt. Ansonsten lasse ich mich überraschen. Im vordersten Tabellendrittel wäre aber super.

Ihr spielt jetzt bald die achte Saison in der 2. Liga, mit aufsteigender Tendenz. Wann geht’s in die Bundesliga?

Wenn wir aufsteigen. Ehrlich. Ich habe da keinen Druck. Aber Bundesliga wäre mal ein ganz interessantes Erlebnis.

Immer wieder hauen die Union-Fans Aktionen raus, vom Weihnachstssingen bis zum Bluten für Union. Woher kommt die Kreativität?

Aus der Not. Ohne Scheiß. Ich glaube, dass das daher kommt, dass der Verein früher nichts hinbekommen hat und man es dann eben selbst gemacht hat. Und wenn ich mir so manche Karrieren bei Union anschaue, dann sind einige vom Fanblock in die Vereinsführung gewechselt (Präsident oder Pressesprecher beispielsweise) und es arbeiten einfach viele bei Union, die selbst Unionfans sind. Das kann manchmal komisch sein, aber meistens ist das ein ganz gutes Korrektiv.

Wer ist der größere Rivale: BFC Dyamo oder Hertha?

Der BFC spielt sportlich keine Rolle. Und von mir aus kann das so bleiben. Ich habe schon als Kind in Jena am Zaun gestanden und den BFC beschimpft. Aber da war der Stasiklub noch Serienmeister dank fragwürdiger Entscheidungen. Heute spielt er in der 4. Liga gegen Budissa Bautzen und ZFC Meuselwitz. Ich kann da keine sportliche Rivalität erkennen. Ganz im Gegensatz zu den Spielen gegen Hertha. Wer diese Genugtuung bei den Torschützen auf beiden Seiten, diese verkniffenen Lippen bei den Verlierern und diese Freude bei den Siegern gesehen hat, wird wissen, dass die Rivalität zum BFC eine aus der DDR-Geschichte entstandene ist, die gepflegt wird. Aber sportlich ist es Hertha. Und das gefällt mir ganz gut so.

Das Textilvergehen – soviel Meta-Kritik muss sein – zählt nicht nur zu den ersten, sondern auch den besten Fußball-Podcasts. Ihr solltet euch aber auch mal den Blog anschauen. Beider geht unter www.textilvergehen.de und bei Twitter findet ihr die Dame und die Herren via @textilvergehen. 


1. FC Nürnberg 1. FC Nürnberg
14. Spieltag: 25. bis 28. November (H)

Mitglieder: 16.144
Stadion: Grundig-Stadion (50.000) – Entfernung zum Neckarstadion: 205 Kilometer
Trainer: Alois Schwartz
Platzierung Vorjahr: 3
Gesamtmarktwert: 16,68 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Guideo Burgstaller (2,00 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – das Fanmagazin „Clubfans-United“

Welche 3 Begriffe kommen euch im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Pokalfinale 2007, Meira, Raphael Schäfer

Was macht den 1.FCN für euch aus, warum seid ihr Fan geworden?

Regionale Verbundenheit, die ruhmreiche Vergangenheit, die einfach in diesem Verein steckt und man es fast greifen kann, und nicht zuletzt auch das Unberechenbare, das „Immer-alles-ist-möglich“, ob Pokalsieg oder Abstieg – und manchmal fast gleichzeitig. Man mag seinen Verein und hat vielleicht gute Gründe zur Hand, warum man aber wirklich diese tiefe Verbundenheit verspürt, weiß man wohl selbst nicht so genau.

Was sollten VfB-Fans in Nürnberg unbedingt gesehen haben?

Die Burg, die Innenstadt, die Lorenzkirche. Aber auch das Aufmarschgelände unmittelbar vor dem Stadion, denn nirgend sonst wird einem so vor Augen geführt, was Euphorie aus einer Gruppendynamik heraus an Kraft auslösen und wie brutal es verführt und missbraucht werden kann.

Wie lange gibt es euer Fanmagazin wie funktioniert es?

Das Ganze gibt es im Grunde schon seit 1995, aber erst seit 2006 sind wir als Blog nochmal richtig durchgestartet – und seit 2008 unter dem Namen „Clubfans United“. Unseren ersten Podcast haben wir im September 2013 aufgenommen und ich glaub es dauerte 4 Monate, bis wir das erste mal über einen Sieg haben berichten können. Einen mieseren Start hätte man sich wohl kaum ausdenken können für so ein Format, aber den „Clubcast“ gibt es heute noch und das sagt wohl viel über uns Clubfans aus: Schwer zu begeistern, sich dann aber nicht so leicht abbringen lassen und seiner Überzeugung treu.
Das Blog ist wahrscheinlich eher ein Fußballmagazin mit aktiver Community – und inhaltlich funktioniert so auch der Podcast: Wir sind eine Gruppe von Autoren, die sich mit unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem FCN beschäftigen. Wäre es nicht so abwertend konnotiert, wäre „semi-professionell“ vielleicht richtig. Es geht uns um Fußball, Sport, Sportpolitik, Kommunikation und Medien. Auch über den Tellerrand hinaus, aber immer mit Blick auf den Club.

Wo landet der Club in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB eurer Meinung nach spielen?

Wahrscheinlich ist, betrachtet man die finanziellen Möglichkeiten, dass der Club um die Plätze 3 bis 9 spielt und der VfB um die Plätze 1 bis 3. Aber was ist im Fußball schon normal? Vieles hängt davon ab, wie schnell sich eine Mannschaft findet. Beim Club muss man sehen, wer noch kommt und vor allem wer geht, beim VfB muss man sehen wie man mit der 2. Liga zurechtkommt, da sind schon manche dran gescheitert. Es würde nicht wundern, wenn beide Vereine erst in der Winterpause wissen werden, wohin sie sich orientieren müssen – dass eine der beiden vorne weg marschiert, ist fast auszuschließen.

Schmerzt es noch sehr, in der Relegation relativ unglücklich gescheitert zu sein?

Darüber scheiden sich die Geister. Eine Mischung aus Respekt vor dem Gegner, der einem am Ende doch deutlich überlegen war, und ein wenig Trauer über die verpasste Chance, warum man nicht – wie die Isländer bei der EM – das Herz in beide Hände nahm, um in diesem einen (Rück-)Spiel über sich hinauszuwachsen. Unglücklich war es nicht, es fehlte weniger das Glück als dieses gewisse Etwas, dieses sich einfach nicht beugen zu wollen.

Ist das Ende der Zusammenarbeit mit René Weiler richtig?

Die Frage hat Weiler für uns beantwortet, ohne uns dabei einzubeziehen. Es ist wohl heute der Gang der Dinge, dass man kriselndes Personal feuert und performendes ziehen lassen muss. Weiler hat ordentliche Arbeit abgeliefert, ohne den großen Erfolg gehabt zu haben – und so werden die Chronisten ihn erfassen. In der langen Geschichte des FCN wird sein Name aber immer nur eine Randnotiz sein, es hätte vielleicht mehr werden können. Am Ende überwiegt das Gefühl: Reisende soll man nicht aufhalten.

Nach schwachem Saisonbeginn hat der Club letzte Saison extrem zugelegt. Woran lag der Lauf?

Eine Mischung aus Eigendynamik, schwächelnden Gegnern, Schlachtenglück, guter Arbeit und individuelle Qualität. Letzteres sah man in München, als Schäfer das Spiel im Grunde allein entschied. Wir hatten eine gute konditionelle Grundlage, die richtige Einstellung zu Liga und den eigenen Qualitäten, und einen Lauf – ein Phänomen, das jeder Sportler einfach kennt und auch nicht wirklich begründen kann. Für die Fans hieß das: Einfach nur genießen.

Spätestens jetzt (aber eigentlich schon viel früher), sollten sich auch VfB-Fans mit den Clubfans United beschäftigen. Tut das unter https://www.clubfans-united.de/ oder bei Twitter (@clubfans_united)


Erzgebirge Aue Erzgebirge Aue
15. Spieltag: 2. bis 5. Dezember (A)

Mitglieder: 6622
Stadion: Erzgebirgsstadion (15.711) – Entfernung zum Neckarstadion: 423 Kilometer
Trainer: Pavel Dotchev
Platzierung Vorjahr: 3 (3. LIga)
Gesamtmarktwert: 9,58 Mio. Euro
Wertvollster Spieler: Martin Männel (0,55 Mio. Euro)

Das sagen die Experten – der Twitterer @N3bu1us  

Welche 3 Begriffe kommen dir im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart als erstes in den Sinn?

Auch wenn es die Stuttgarter nicht gerne hören werden, denke ich zuerst an Abstiegskampf, denn das war das tägliche Brot des VfB in den letzten drei Jahren. Als nächstes natürlich Jürgen Klinsmann, dabei muss ich selber grinsen. In meinem ersten kicker-Exemplar war ein Bericht über Klinsmann und seinem Weg vom schwäbischen Bäckerlehrling zum Fußballprofi, im Südmilch-Trikot. Und zu guter Letzt, ganz klischeehaft natürlich Schwaben und alles was schwäbisch ist. Spätzle, Maultaschen und Sparsamkeit.

Was macht Erzgebirge Aue für euch aus, warum seid ihr Fan geworden?

Man spricht oft vom kleinen Aue, dem Provinzclub. Der war aber dreimal DDR-Meister, spielte europäisch und verbrachte 10 der letzten 13 Jahren in der zweiten Liga. Wen man zu den besten 36 Mannschaften Deutschlands gehört, ist man jedoch durchaus eine Größe und kann zu Recht stolz darauf sein. Der Erzgebirgler ist aber bescheiden und diese Bescheidenheit macht auch Erzgebirge Aue aus. Vielleicht muss man auch bescheiden sein, da man immer an der unteren Grenze des finanziell Machbaren agiert. Hier wird solide, ehrliche Arbeit geschätzt und damit hat man in den letzten Jahren viel erreicht. Der Club ist familiär, nicht nur weil (mit Unterbrechung) seit vielen Jahren die Leonhardts die Geschicke des Vereins lenken. Bei vielen gleicht der Stadionbesuch einem Familienausflug, nicht selten kommen drei Generationen zusammen ins Oval. Wismut Aue ist mehr als Holzmichl und Nudeltopf, hier beginnt das Stadionerlebnis mit der Fahrt durch das Erzgebirge. Das ist nicht nur „zum Fußball gehen“. Der Verein ist für viele in der Fremde auch ein Stück Haamit (Heimat, Anm. d. Red.). Man ist nicht einfach nur Fan, man ist Schachtscheißer und stolz darauf.

Was sollten VfB-Fans in Aue unbedingt gesehen haben?

In Aue selbst gibt es leider gar nicht so viel zu sehen. Wenn das Stadtfest stattfindet, ist gerade Sommerpause. Ihr habt aber Glück und kommt in der Adventszeit zu uns, da bietet sich der Besuch des Weihnachtsmarktes und einer der zahlreichen Bergaufzüge in der Region an. Am zweiten Adventswochenende steht der Bergaufzug in Schneeberg an, der in Aue findet traditionell immer am ersten Advent statt. Wenn man aber schon mal im Erzgebirge ist, ist die Besichtigung eines der vielen Besucherbergwerke in der Region ein Muss. Ausflüge auf eine der vielen Burgen oder auf den Fichtelberg sind immer möglich.
Erzgebirge Aue repräsentiert ja nicht nur die Stadt Aue, sondern das ganze Erzgebirge, mit seiner Landschaft, der Tradition und Bergbaugeschichte.  Ist man mit Familie zu Gast, darf jedoch der Besuch im Zoo der Minis nicht fehlen.

Wie bewegst du dich zu Erzgebirge Aue im Netz?

Auf Twitter bin ich seit 7 Jahren mehr oder weniger aktiv. Im Laufe der Zeit hat sich der Account von einem privaten Account zur Informationsgewinnung zu einem nahezu reinen Fußball-Account gewandelt. Im Grunde handelt es sich um ein Sammelsurium von Infos, Neuigkeiten und ein paar Statistiken, man tauscht sich mit anderen Aue-Fans aus, knüpft Kontakten zu Anhängern anderer Vereine und philosophiert.

Wo landet Aue in der kommenden Saison, welche Rolle wird der VfB eurer Meinung nach spielen?

Die Aufstiegsmannschaft wird zusammenbleiben, das ist ein eingespieltes Team. Die Zugänge scheinen zu passen. Der Leistungsunterschied zwischen dritter und zweiter Liga ist nicht so riesig, sodass man durchaus hoffen kann, am Ende irgendwo im Mittelfeld zu stehen. Wichtig wird sein, zu Beginn nicht unten rein zu rutschen, wenn uns das gelingt, prophezeie ich Platz 9. 😀

Der VfB geht mit komplett neuer sportlicher Leitung in die Saison, hat mit Jos Luhukay einen Trainer geholt, der bereits dreimal in die erste Bundesliga aufgestiegen ist. Zudem bleiben wichtige Stützen wie Langerak, Großkreutz und Gentner. Der VfB wird von Anfang an oben mitspielen und man erwartet schon automatisch den direkten Wiederaufstieg. Aber jeder der denkt, dass das selbstverständlich ist, darf gern beim 1.FC Kaiserlautern anrufen.

Zu welchem Zeitpunkt hast du mit dem Aufstieg gerechnet?

Wir sind ja eher mäßig in die Saison gestartet, 0:0 zuhause gegen Osnabrück, 2:0 Niederlage in Großaspach. Und schon stehst du auf dem 18. Platz. Bloß nicht durchgereicht werden, dachten wohl viele am 2. Spieltag. Nach drei Siegen in Folge stand man plötzlich auf dem Relegationsplatz. Man konnte sehen, was mit dieser Mannschaft in dieser Liga möglich ist, an den direkten Wiederaufstieg hat aber zu diesem Zeitpunkt wohl kaum einer geglaubt, höchstens gehofft. Zwischenzeitlich rutschte man auf den 9. Platz zurück, Realismus kehrte ein. Mit dem Derbysieg gegen den CFC fand man in die Erfolgsspur zurück und erkämpfte 14 Punkte aus 6 Spielen. Somit stand man am Ende des Jahres wieder auf Platz 3. Nach dem 1:0 gegen die Zweite des VfB am 23. Spieltag, kletterte man erstmals auf einen direkten Aufstiegsplatz. Trotz einiger Dämpfer konnte man bis zum Schluss den Tabellenplatz halten, wir hatten sogar am 33. Spieltag ein Polster von 8 Zählern auf den Tabellendritten. Wirklich mit dem Aufstieg gerechnet habe ich aber erst nach dem Heimsieg gegen den CFC am 35. Spieltag. 6 Punkte Vorsprung bei 3 verbleibenden Spielen musste einfach reichen.

Torhüter Martin Männel ist Aues Rekordspieler – welchen Status hat er im Verein?

Martin kam 2008 nach unserem ersten Abstieg aus der zweiten Liga zu uns. Wir waren damals in einer ähnlichen Situation wie 2015, standen fast ohne Mannschaft da. Unser damaliger Trainer Heiko Weber holte einige junge Spieler von den Cottbuser Amateuren, die er kurz vorher noch trainierte, ins Erzgebirge, unter anderem auch Martin. Zumindest mir war er damals gänzlich unbekannt. Mit einer kurzen Unterbrechung ist Martin seither Stammtorhüter und stand in 257 Ligaspielen für uns zwischen den Pfosten. Er ist unbestritten einer der besten Torhüter der zweiten Liga und hatte all die Jahre massiven Anteil daran, dass wir die Liga halten konnten.  Am letzten Spieltag der Saison 2014/2015 schoss er gegen Heidenheim aus dem Spiel heraus sein bisher einziges Tor für uns, wenn es zum Klassenerhalt gereicht hätte, hätte man ihm schon längst ein Denkmal gesetzt. Er hielt uns auch nach dem Abstieg die Treue. Zu einem Zeitpunkt als wir noch keinen Spieler für die dritte Liga unter Vertrag hatten, bekannte sich Martin zum Verein und unterschrieb. Erzgebirge Aue ist auch für Martin nicht nur ein Arbeitgeber, sondern eine Herzensangelegenheit. Martin genießt absoluten Kultstatus und das mit dem Denkmal kommt vielleicht auch noch.

Erkläre doch kurz, was es mit „Wismut“ auf sich hat.

Ich konnte leider zu DDR-Zeiten noch nicht zur Wismut, zum Fußball nach Aue gehen. Ich war zu jung und wohnte zu weit weg. Ich interessierte mich aber für Fußball und Zeitung lesen konnte ich auch schon. Wismut war also dieser Fußballverein aus Aue. Wismut war aber auch die SDAG Wismut, einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der Region, ein Bergbauunternehmen in vorwiegend sowjetischer Hand. Fast jeder kannte einen, der bei der Wismut arbeitete oder gearbeitet hat. 1950 übernahm die Wismut die Trägerschaft für den Auer Fußballverein, der damals noch BSG Pneumatik Aue hieß. Somit wurde man Betriebssportgemeinschaft (BSG) unter dem Dach der Wismut und hieß ab sofort BSG Wismut Aue. Kurzzeitig hieß man auch BSG Wismut Karl-Marx-Stadt, spielte jedoch weiterhin in Aue. Der Versuch der Funktionäre, die Mannschaft nach Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) umzusiedeln, scheiterte jedoch und so nannte man sich ab 1963 wieder Wismut Aue. Karl-Marx-Stadt bekam eine eigene Fußballmannschaft, die jedoch nie so erfolgreich wie die Wismut spielte (das ist übrigens bis heute so). Nach der Wende und dem Rückzug der Wismut AG als Trägerbetrieb wurde aus BSG Wismut Aue nach mehreren Umbenennungen der FC Erzgebirge Aue. Jetzt ist man natürlich im Erzgebirge traditionsbewusst und der Bergbau ist, wenn auch nicht mehr aktiv, allgegenwärtig. In Anlehnung an die Wismut-Zeit lebt man das „Wismut“ einfach weiter, was man vor allem im Stadion hört.

Falls ihr wichtige Tipps zu Ausflügen ins Erzgebirge braucht – oder vieles Neue im Ost-Fußball lernen wollt: Folgt dem Antwortenden auf Twitter unter @N3bu1us.

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