Vorschau 26. Spieltag: VfB Stuttgart – Dynamo Dresden

Bild: www.vfb-bilder.de

Der VfB Stuttgart und das hohe Risiko. Gleich zweimal stellt sich die Polizei in Stuttgart auf sogenannte Hochrisiko-Spiele ein – am Sonntag gegen Dynamo Dresden und eine Woche später gegen den Karlsruher SC. Man muss hier nicht diskutieren, ob es eine Bankrotterklärung für die deutsche Fank-Kultur, die gesamte Gesellschaft oder die Polizei selbst ist: Die Beamten werden mit Wasserwerfern unterwegs sein. „Das erste Mal überhaupt bei einem Fußballspiel“, wie Polizeisprecher Stefan Keilbach dem SWR mitgeteilt hat.

Weil ich schlicht keine Lust darauf verspüre, als nächster in einer langen Riege das Thema Sicherheit in der 2. Bundesliga aufzumachen, will ich mich auf die sportliche Situation konzentrieren. Schließlich passt das Adjektiv hochriskant zu ihr nicht minder. Drei Spiele ohne Sieg haben den VfB vom ersten Platz gespült und in die Bredouille in Sachen direkter Aufstieg gebracht. Dass jetzt mit Dynamo Dresden die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga (hinter dem VfB übrigens) an den Neckar reist, lässt die Fingernägel vieler Fans nicht länger werden. Klar wird neun Spieltage vor Schluss und vor der enorm wichtigen englischen Woche angefangen zu rechnen: Wie viele Punkte braucht es denn jetzt aus den drei Spielen gegen Dynamo, 1860 München und dem Karlsruher SC? Sechs, sieben, neun – oder reichen fünf, spielen ja noch alle irgendwie gegeneinander da oben? Dabei spricht einiges für einen Heimsieg des VfB am Sonntag gegen Dynamo – wenn Spieler und Trainerteam es richtig anstellen.

Die Erwartungen

Mimöschen oder Männer? Man darf von einem Fußballprofi folgendes erwarten: Wer sich in Dresden mit 0:5 wegfideln lässt – und nichts weniger war die Niederlage des VfB in Sachsen in der Hinrunde – der sollte vor dem Rückspiel gegen dasselbe Team brennen, Schaum vor dem Mund haben, eine Rechnung offen haben. Sucht euch eine Floskel nach Wahl aus. Charakterstarke Mannschaften merken sich so eine Klatsche. Der Auftritt des VfB könnte also zum Lakmus-Test für die Entwicklung des Clubs unter Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser gewertet werden: Geht es um mimosenhaft ausgelebte Eitelkeiten Einzelner oder endlich mal um die Sache: Butter bei die Fische, Karten auf den Tisch, Balls out – diese Einstellung erwarte ich vom VfB am Sonntag. Nicht zuletzt wegen der mauen Auftritte zuletzt gegen Bochum und Fürth.

Wie viele Punkte sammelt der VfB in der englischen Woche?

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Try, fail, try again, fail better: Hannes Wolf hat sich gegen Fürth vergaloppiert. Die taktische Aufstellung, mit der er die Franken überraschen wollte, entwickelte sich zum Eigentor. Er versucht immer wieder Neues in dieser Saison, das ist grundsätzlich gut und zu begrüßen. Er ist auch nicht der einzige – nicht im Trainerjob und nicht im Leben überhaupt – der sich dabei einmal verspekuliert. Man darf fallen. Zumal dann, wenn man zum ersten Mal eine Profi-Mannschaft trainiert. Das Ziel muss sein, die Lehren aus diesem Sturz zu ziehen: Okay, das tat weh – von diesem Felsen springe ich vielleicht nächstes Mal besser nicht. Wolf ist reflektiert genug, um sich selbst zu sagen: Das 3-4-3-System ist erstmal keine Option mehr. Ich bin mir sehr sicher, gegen Dresden wird der VfB zurückkehren zu jenem 4-1-4-1, das ihn zu Beginn der Rückrunde stark gemacht hat.

Mund aufmachen – auf dem Platz: Kapitän Christian Gentner ließ kürzlich verlauten, dass es womöglich irgendwo in der Mannschaft nicht stimme – das klang schwer nach dem alten Leid: Nachlässigkeit, Selbstzufriedenheit, fehlender Biss. Umso besser ist es, dass er jetzt zurückgerudert ist – um zumindest nicht den Eindruck entstehen zu lassen, einer spiele nicht für den anderen, gehe keine extra Wege, lässt es auf dem Platz eben einmal so laufen. Die Erwartung, nicht durchzudrehen, wie er der Stuttgarter Zeitung im Interview sagte, ist dagegen ein „Classic Gentner“. Vielleicht wäre es für den Kapitän der Mannschaft gegen Fürth und auch schon zuvor gegen Bochum (als Gentner der wohl beste Stuttgarter auf dem Platz war), auch einmal an der Zeit gewesen, eben jenes zu tun: durchzudrehen. Im ausschließlich positiven Sinne. Gentner ist eben Gentner, Führungsspieler durchaus. Aber eben einer der ruhigen Sorte, der eher ein Wort zu wenig als eines zuviel sagen würde. Zuletzt hätte man sich jemanden gewünscht, der seinen Neben-, Vorder- oder Hintermann auch mal zusammenfaltet.

Zu viel Konjunktiv?

Solltet ihr euch bis zu dieser Stelle im Text vorgearbeitet haben: Erstmal kurz durchschnaufen. Das klingt jetzt nach unerreichbar viel, dass der VfB besser machen müsste als in den letzten Wochen, um gegen Dresden gewinnen zu können. Beim genauen Hinsehen erweist sich jeder einzelne Punkt allerdings als machbar. Ich gehe davon aus, dass Stuttgart (und wohl mindestens 6000 Dresdner, auf die wir uns freuen), am Sonntag einen eines hochgereckten Daumens würdigen Fußball-Sonntag-Frühnachmittag erleben wird. Und in einer Woche sagen wir dann: Hochrisiko-was?

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