Make Stuttgart great again: Warum Hannes Wolf der richtige Trainer für den VfB ist

45 Tage währt die Amtszeit von Hannes Wolf, wenn der VfB am Sonntag Arminia Bielefeld zum Heimspiel empfängt. Er könnte aus Stuttgart wieder eine Marke machen.

Eine Unterschrift für lange Zeit? Hannes Wolf kann den VfB Stuttgart in neue Höhen führen. Bild: www.vfb-exklusiv.de

Eine Unterschrift für lange Zeit? Hannes Wolf kann den VfB Stuttgart in neue Höhen führen. Bild: www.vfb-exklusiv.de

Hannes Wolf macht skeptisch. Wie kann ein Mensch zugleich derart nett, umgänglich, echt und dennoch kompetent sein? Im Trainergeschäft lässt sich das offenbar nicht in Einklang bringen. Das sagt mehr über die sozialen Standards des Fußballs als über die Stärken und Schwächen Wolfs aus. Als erfolgreicher Trainer habe man größenwahnsinnig und arrogant (José Mourinho/Diego Simeone), eigenbrödlerisch und stur (Pep Guardiola), oder wenigstens manisch (Jürgen Klopp) zu sein.

In Stuttgart waren die Hoffnungen und Sorgen gleichermaßen groß, als Jan Schindelmeiser Wolf vorstellte. Einen Trainer aus der BVB-Schule, geprägt vom Dialog mit Klopp und Thomas Tuchel. Die einen versprachen sich von ihm nach der drögen wie kurzen Phase unter Jos Luhukay einen jungen, frischen Hoffnungsträger. Die anderen spotteten über den nächsten „Jugendtrainer“ beim VfB – das habe schließlich schon einmal nicht funktioniert, mit Thomas Schneider aus dem eigenen Haus.

Danke, Jos

Inzwischen ist Wolf angekommen. Er hat das Potential und den Eifer, eine neue Ära beim VfB zu prägen. Er ist vielleicht sogar der erste Trainer seit Jahren, dem das zuzutrauen ist. Und er kommt vielleicht genau im richtigen Moment zum VfB, der darniederlag, der sich neu beweisen muss, der einen bitteren Gang durch die zweite Liga gehen muss. Denn, bei allem Respekt vor Bielefeld: Eigentlich würde man sich an diesem Wochenende doch lieber gegen Dortmund, Bayern oder ja, meinetwegen auch Leipzig spielen sehen.

Hannes Wolf erscheint in der öffentlichen Wahrnehmung erfolgreicher, als es die Ergebnisse eigentlich zulassen würden. In sechs Spielen mit dem VfB hat er zwar dreimal gewonnen, aber einmal auch nur Unentschieden gespielt und zweimal verloren – darunter ein Null zu *hust* in Dresden. Er selbst hat betont, dass er das große Glück hatte, einen Verein mitten in der Saison zu übernehmen, der qua Tabellenplatz eigentlich keinen neuen Trainer benötigt hatte. Nun kann man Luhukay vieles vorwerfen, doch er hat Wolf keinen lichterloh brennenden Scheiterhaufen hinterlassen. Sondern eine Mannschaft, die auf nahezu allen Positionen so aufgestellt ist, dass sie durch die zweite Bundesliga marschieren kann und am Ende auch Opfer des unlösbaren Zwists zwischen Luhukay und Jan Schindelmeiser war. Ein Bauer würde von einem bestellten Feld sprechen, der Bayer von der g’mahten Wiesn.

Vergesst den Straßenstrich

Alter spielt im Trainerwesen längst nicht mehr eine so große Rolle wie früher, das behaupten allenfalls die Granden anderer Generationen – Ottmar Hitzfeld, Otto Rehhagel. Ein heutiger Torwart-Rentner und früherer VfB-Keeper sagte einmal einen damals umjubelten Satz: Du kannst nicht jung und erfahren sein, außer auf dem Straßenstrich. Schade, weil der Satz ja irgendwie auch charmant war, aber er gilt nicht mehr. Wolf hat, wie viele seiner anderen jungen Kollegen in der Bundesliga, Erfahrungen gesammelt. Einerseits durch fast 200 Spiele als BVB-Coach. Andererseits bildet sich die heutige Trainergeneration ganz anders aus und fort als es früher der Fall war. Erfahrung muss nicht heißen: Ich muss mindestens 200 Spiele bei einem Bundesligisten an der Linie gestanden haben. Das mag manchen helfen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, ist jedoch kein Erfolgsgarant.

Die Fähigkeiten, auch Multimillionäre zu trainieren, die möglicherweise nahezu im selben Alter sind wie der Trainer, von 60.000 statt 1000 Zuschauern beobachtet zu werden, dem gesamten Mediensalat Stand zu halten. Das alles kann man, oder man kann es nicht. Wolf scheint zur ersten Gruppe zu gehören. Er scheint es zu schaffen, der Mannschaft ihre Sattheit, ihren Blues und den Schlendrian austreiben zu können. Langsam nur, aber erkennbar. Die Blamage in Dresden hätte sich hervorragend geeignet, um den üblichen VfB-Prozess in Gang zu setzen: Hoher Sieg gegen Fürth – die Spieler sind pappsatt und lassen sich von Dresden demontieren – und dann geht es eben dahin. Nun hat sie aber – wenn auch ohne Glanz und Gloria – danach reagiert, 1860 München besiegt und nach einem verschmerzbaren Pokal-Aus in Gladbach das der Stimmung nicht gerade abträgliche Spiel in Karlsruhe gewonnen. Nicht umsonst, wurde es in Sachen Marketing vom VfB derart ausgeschlachtet: Derbysieger-Erinnerungs-Tweets, Derbysieger-Shirts inklusive.

Hannes Wolf ist der erste Trainer seit Langem, dem zuzutrauen ist, seinen Vertrag (bis 2018) zu erfüllen. Das einzige was derzeit dagegen spricht: Ein anderer Verein schnappt ihm den VfB wieder weg, wäre mal wieder was Neues.

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