Put a bit of craic to it

Noch 10 Tage und der VfB darf in die Saison starten, während halb Deutschland noch im Urlaub weilt. Warum der Verein jetzt ein bisschen „Irish-ness“ braucht.

What a craic! This is football, not soccer, lad.

What a craic! This is football, not soccer, lad: Westport, Irland.

Gut, vergessen wir mal James McCarthy, Seamus Coleman oder Shane Long. Die spielen in der Premier League und sind mindestens zwei Klassen zu gut für die 2. Liga. Aber Daryl Murphy oder Wesley Hoolahan? Die spielen doch bloß in der zweiten englischen Liga und der Brexit naht – da könnte was gehen. Zur Not kann der VfB gerne auch Shay Given von Stoke City loseisen, wegen mir auch als vierten Torwart der zweiten Mannschaft. Regionalliga in Deutschland, der ganz heiße Scheiß! Mir doch egal, dass Given im April seinen 40. Geburtstag feierte. Man ahnt, worauf ich hinaus will: Um Himmels Willen, lieber VfB: Verpflichtet einen Iren. Da bin ich auf beiden fußballerischen Augen blind. Mir auch egal, dass die Iren in einem Werbespot sagen, dass sie die besten im Fußball sind – also im gucken. Warum mir das alles wurscht ist? Ich muss mir das Lebensgefühl der vergangenen 10 Tage irgendwie hinüber retten in die kommenden Wochen. Wenn Kaiserslautern (noch) ihren Isländer hat – dann holen wir uns eben einen Iren. Put a bit of craic to it! [Anm.: Craic = alles-umschreibende-Spaß-Bezeichnung]

Eine starke Woche noch, dann dräut dem VfB das fußballerische Schwarzbrot. Auch in den letzten Tagen, während es hier sehr still war, ist einiges passiert. Ich bin die irische Westküste entlang gefahren und verfolgte nur sehr gefiltert das Ziehen und Zerren um Filip Kostic. Der will zum Hamburger SV und nur zum HSV – sagt er. Der wiederum will aber zu wenig bezahlen. Dann eben Wolfsburg, da sitzt das Geld bekanntlich so locker wie bei einem meiner Pub-Besuche. Und dann dieses bodenlose sportliche Loch nach dem Abschied von André Schürrle. Am Ende wurde es dann doch der HSV, für geschätzte 14 Millionen Euro Ablöse. Mein erster Gedanke war: Faires Ding, abgesehen von der wochenlangen Posse. Als ich nach dem ein oder anderen Irish Pale Ale ins Nachdenken komme, denke ich dann doch: What the feck!? (Ich bin des Irischen also schon komplett mächtig)

Eine Ablöse wie 1998

14 Millionen? Weniger als die Hälfte der Schürrle-Ablöse? Ich kann da keinen Leistungsunterschied erkennen, Abstieg hin oder her. Ganz Europa redet vom Transfer-Wahnsinn, der sich von der Insel auf nahezu alle Ligen transplantiert oder in den nächsten Wochen noch transplantieren wird. Ich möchte weder Vincent Janssen (22,1 Millionen Euro Ablöse) noch Kevin Volland (20 Millionen Euro Ablöse) zu nahe treten. Aber die beiden sind zwei glänzende Beispiele für dieses Missverhältnis. Komplett schlecht wird einem, wenn man sich mal kurz die Kostic-Ablöse-Dimensionen ansieht: Isaac Success, Marten de Roon, Sime Vrsaljko. Schon mal gehört? Eher nicht. Und jetzt der Kracher: Pierre-Emile Hjöberg wechselt für 15 Millionen Euro zu Southampton. Ich muss jetzt hier aufhören mit Aufzählen.

Die Kostic-Ablöse ist dagegen was? Marktgerecht? 1990er? Ein Witz? Während ich irgendwo zwischen Galway und Limerick abhänge, muss ich mich wieder schnell aus der VfB-Wolke verabschieden. Noch einmal ein paar Tage Ruhe vor den schweren Zeiten in der 2. Liga. Ab und an erreichen mich einige Nachrichten von Freunden: „Hosogai fix, VfB feiert sein erstes Tor im Training (!) ab…“ Da ist er wieder, mein VfB. Immer für Späße gut. Hajime Hosogai, der immer so schön traurig schaut, wird allseits als Spieler von Hertha BSC Berlin geführt. War mir gar nicht mehr bewusst. Wahrscheinlich, weil er zuletzt in der Türkei gekickt hat. Vielleicht aber auch, weil er vom aufstrebenden Super-Japaner des FC Augsburg über Bayer Leverkusen nach Berlin gestolpert ist und irgendwie die beste Zeit hinter sich zu haben scheint. Perfekt also für die 2. Liga, der Nachfolger für Serey Dié, wie er im Buche steht. Ihr erinnert euch: Den fand auch so ziemlich jeder doof. Dass der VfB mit Japanern in den letzten Jahren nur so halb-gute Erfahrung machte: Feck it! Luhukay mag Hajime, Hajime mag Luhukay.

Und kommt mir nicht mit Kevin

Gekostet hat Hosogai fast nichts. Dem Vernehmen nach hat der VfB bisher in dieser Transferperiode um die 40 Millionen Euro eingenommen. Ein Brett für einen Zweitligisten, unabhängig davon, was der Abstieg kostet. Da kann man durchaus reinvestieren. Und ist dessen laut Jan Schindelmeiser, dessen Namen ich 40 Minuten einen Iren habe aufsagen lassen (what a craic!), auch willens. Vor allem in der Offensive muss noch etwas passieren, meint der neue Sportvorstand und trifft damit den Nerv von Trainer Jos Luhukay („Vor allem in der Offensive müssen wir uns noch verstärken“). Mahnende Worte, die mir gefallen. Luhukay will aufsteigen und gibt sich selbstbewusst fordernd. Ohne die snobistische Attitüde von Alexander Zorniger.

Das ist eine völlig richtige Beobachtung, deshalb arbeiten wir gerade auch intensiv an Lösungen für den Offensivbereich.Jan Schindelmeiser, angesprochen auf den Qualitätsunterschied zwischen Offensive und Defensive

Und ja: In der Offensive muss tatsächlich noch etwas passieren. Mit Daniel Ginczek und Simon Terodde hat man zwar ein mehr als zweitliga-reifes Stürmer-Pärchen. Das Problem: Der eine ist gerade erst im Verein, beim anderen muss man täglich um die Gesundheit bangen. Dahinter klafft ein Loch. Jan Kliment? Borys Tashchy? Kann klappen, muss nicht. Maxim scheint im offensiven Mittelfeld endlich seine ersehnte Stammspieler-Rolle innezuhaben, mit Max Besuschkow als Talent könnte es etwas werde. Bei der U19-EM war er einer der besseren Spieler einer enttäuschenden deutschen Mannschaft. Ebenso mit Anto Grgic, der langsam an den Fußball in Deutschland herangeführt werden soll. Für ihn könnte es ein Segen sein, dass der VfB kommende Saison zweitklassig sein. In der Bundesliga ginge er (noch) unter.

Bleiben also zu verpflichten: Ein erfahrener Stürmer/ Offensivmann? Eventuell ein Ersatz für den höchst-fernweh-süchtigen Emiliano Insua? Mit Miro Klose wird es ja leider nichts, der hat keinen Bock mehr auf Deutschland. Ivica Olic geht ja schon zu den Sechz’gern und Mario Gomez ist… ach, lassen wird das. Und bevor mir jetzt hier jemand mit Kevin Kuranyi kommt: Robbie Keane ist schlanke 36 Jahre alt und hat in diesem Kalenderjahr schon sieben Mal getroffen. Achso, ja. Er ist Ire! Ich sag ja bloß.

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