Jugend an die Macht

Nach fünf Siegen in Folge hat der VfB Stuttgart in Gelsenkirchen nur einen Punkt geholt. Kein Grund zur Trauer. Was dennoch Sorgen bereitet und warum ein Blick auf den Nachwuchs hilft.

Ein Bild, das täuscht: In Stuttgart herrscht mehr Rot als Grau. Bild: www.vfb-bilder.de

Ein Bild, das täuscht: In Stuttgart herrscht mehr Rot als Grau. Bild: www.vfb-bilder.de

Nein, grämen muss sich Jürgen Kramny nicht für „seinen“ VfB. Bei einem heimstarken Kandidaten für die Qualifikation zur Champions League muss man nicht gewinnen. Auch wenn es zuvor fünf Bundesligasiege in Folge gab und der VfB zum einzig legitimen Bayern-Jäger auserkoren wurde – so weit gingen einige tatsächlich. Was ist eigentlich passiert? Der VfB spielet eine tolle zweite Halbzeit, hätte sich vielleicht sogar einen Sieg verdient gehabt; Martin Harnik hat bewiesen, dass auch aus der zweiten Reihe mit ihm zu rechnen ist; Stuttgart liegt nach wie vor acht Punkte vor einem Relegationsplatz und außer Hoffenheim scheint keine der stark abstiegsbedrohten Mannschaften Anstalten zu machen, etwas daran zu ändern. Holen wir dennoch die Bruddel-Keule raus.

Unter Jürgen Kramny kann man beim VfB wieder von einer Defensive sprechen. Ob trotz oder wegen des Duos Georg Niedermeier und Daniel Schwaab lassen wir mal dahingestellt. Schlecht machen sie es jedenfalls nicht. Elf Gegentore in neun Spielen, das kann sich sehen lassen. Zum Vergleich: Unter Alexander Zorniger waren es 2,13 Gegentore je Spiel im Durchschnitt. Und jetzt kommt das große Aber. Nur Werder Bremen hat sich noch mehr Gegentore gefangen – zwei mehr, um genau zu sein. Die Schwaben werden wohl bis Ende der Saison eine miserable Tordifferenz mit sich herumtragen. Und auch unter Kramny gab es nicht mehr Spiele ohne Gegentor als unter Zorniger.

Schießbude der Ligen?

Haben wir es mit der Folge der neuen Linie zu tun, die sich seit Beginn durch alle Mannschaften ziehen soll? Denn: Auch ein Blick in die Untiefen der zweiten Liga zeigt, dass es der VfB mit Verteidigen nicht ganz so groß hält derzeit. Der zweite Anzug steht vor allem wegen seiner vielen Gegentore (46, keine Mannschaft hat mehr) auf dem letzten Platz und muss womöglich den Gang in die Regionalliga antreten. Dabei könnte es so einfach sein. Indem man den Blick mal nicht von unten nach oben, sondern in die entgegengesetzte Richtung legt. So wird die U19 des VfB dieses Jahr zwar nichts mehr mit der Meisterschaft zu tun haben – zu groß ist der Rückstand auf das Spitzenduo Hoffenheim und 1860 München – aber: Gerade einmal 18 Gegentore sprechen für die Arbeit von Sebastian Gunkel. Die ganze Welt spricht von Berkay Özcan als dem kommenden Mesut Özil (man verzeihe mir den Vergleich). Dabei hat der VfB mit Serkan Baloglu auch schon den neuen Serdar Tasci in den eigenen Reihen (man verzeihe mir den Vergleich erneut).

Noch rosiger sieht es für die B-Jugend aus. Die vom alten Abwehr-Kämpen Heiko Gerber trainierten Junioren fingen sich erst 15 Gegentore. Bestwert in der Staffel. Und sie stehen just deshalb auf dem ersten Tabellenplatz, beste Aussichten auf die Deutsche Meisterschaft in Berlin. Klar, Tim Pöhler netzt ganz fleißig – und heißt tatsächlich so. Aber José-Enrique Ríos Alonso (ein Hauch von Tiki-Taka) hält eben den Laden dicht.

Hm, aus Bruddel-Keule wurde jetzt am Ende doch wieder ein Love-Storm. Sah schon mal schlechter aus für den VfB…

Facebooktwitterrss

Kommentar verfassen