34. Spieltag: VfB Stuttgart – Würzburger Kickers

Bild: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

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Ausgangslage

Sind wir mal ehrlich: Das Ding ist durch. Der VfB wird sich den Aufstieg in die Bundesliga nicht mehr nehmen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eintracht Braunschweig noch vorbeizieht ist geringer als eine Fertigstellung von Stuttgart 21 im kommenden Jahr. Zuallererst scheint es nicht besonders realistisch, dass der VfB seine dritte Heimniederlage – eine hohe obendrauf – gegen die Mannschaft einfährt, die in der Rückrunde nicht ein einziges Spiel gewonnen und gerade einmal sieben Punkte geholt hat. Und es soll mir niemand mit dem 0:3 aus der Hinrunde kommen. Klar sagt Hannes Wolf trotzdem: „Wir sind noch nicht durch. Die Bühne, die sich uns am Sonntag bietet, wollen wir annehmen und ich hoffe, dass uns die Fans wie bisher immer tragen.“ Aber das ist mehr eine Anstandsfloskel als übergroße Angst vor den Franken. Der Blick auf das vergangene Spiel lohnt dennoch: Sollte sich Stuttgart bereits gegen ungefähr ebenbürtige Gegner derart schwer tun wie gegen Hannover, dann wird die Bundesliga-Rückkehr ein sehr kurzer Ausflug werden.

Für die steht es dagegen Spitz auf Knopf. Bei einer Niederlage geht dort erst einmal das Zweitliga-Licht wieder aus. Selbst ein Unentschieden könnte zu wenig sein, um wenigstens die Relegation zu erreichen – wenn 1860 München gewinnt und Arminia Bielefeld (#dankeArminia) mindestens einen Punkt holt. Würzburg hat einen beispiellosen Absturz erlebt, nachdem die Mannschaft in der Hinrunde noch auf dem sechsten Platz gestanden hatte. Hannes Wolf dazu: „Das sind nicht mehr die Jungs, gegen die wir damals gespielt haben.“ Gut möglich, dass der VfB jetzt nicht Tabellenführer der 2. Liga wäre, wenn er sich beim Hinspiel nicht derart gegen Würzburg blamiert hätte.

Auf dem Platz

Für Jean Zimmer sieht es schlecht aus, besser gesagt für sein Knie. Ansonsten sind beim VfB alle Spieler an Bord und Wolf hat die freie Auswahl. Sehr wahrscheinlich ist, dass Florian Klein bei seiner Verabschiedung auch spielen wird und – je nach Spielverlauf – der ein oder andere Spieler eine Danke-Einwechslung erhält. Für Änderungen der erfolgreichen Mannschaft der vergangenen Spieltage hat Wolf wenig Anlass.

Neben dem Platz

First things first. Max Herre, ja DER, wird bei Sky kommentieren. Wir sind gespannt, schlimmer als Matthäus oder Effenberg kann es nicht werden, und verlassen uns darauf, dass er am Ende nicht „Tabula Rasa“ sondern „Mit dir“ singt. Was Joy für Max ist, waren die Fans für den Verein. Der sagt deshalb zu Recht danke, will aber nicht, dass die Unterstützer nach Abpfiff freudestrunken den Platz stürmen – erinnert sich eigentlich noch wer an die Bechersammler voriges Jahr? A propos Fans: Die sollen ab 12 Uhr auf dem Wasen feiern. Moderiert wird das Ganze von Timo Hildebrand und Cacau. Wer Timo zuhören will: Er ist demnächst bei Lennart und Tom im Podcast Rund um den Brustring zu hören. 

Die schlechte Nachricht: Palermo will Toni Sunjic nicht kaufen und er steht vor einer Rückkehr zum VfB. Die noch schlechtere Nachricht: Tobi Rathgeb – wer ihn nicht kennt, kann einem einfach nur leidtun – beendet zum Ende der Saison die Karriere. Mit einem Tränchen im Knopfloch: Danke Tobi!

Und der Gegner so?

Wenn für den VfB die deutliche Niederlage in der Hinrunde gegen den FWK ein Segen war, so war er für die Kickers der Anfang vom wohl bitteren Ende. Nur noch neun Tore erzielten die Würzburger danach, gewannen kein einziges Spiel mehr. Das lag selten an unterirdischen Leistungen, häufiger an fehlendem Glück oder Nervenstärke vor dem Tor. Der beste Torschütze Elia Soriano (5 Treffer) hat vor gefühlten Jahren zuletzt getroffen. Zuletzt hat nicht einmal mehr Martin „Piecke“ Pieckenhagen als Motivator helfen können. Wenn man sich an die Hinrunde erinnert, denkt man an Gerüchte, wonach Trainer Bernd Hollerbach von der halben Bundesliga gejagt wurde. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis er Leverkusen, Wolfsburg oder den Hamburger SV übernehmen würde.

Vielleicht kam für die Basketball-Stadt (Nowitzki!) der Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Liga einfach etwas zu schnell. Der FWK hat sich selbst überholt, und stolpert jetzt über die letzte Hürde. Was Hollerbach allerdings bis zuletzt geschafft hat: Der FWK ist nie abgeschmiert, hat für einen mutmaßlichen Absteiger nur 37 Gegentore gefangen. Zuletzt wandte sich der Trainer auch immer mehr der Defensive zu: Wechselte im System von einem 4-2-3-1 oder 4-3-3 zu einer Dreier- bzw. Fünferkette in der Defensive. Die Hinrunde sollte jedoch nicht unvergessen bleiben – und die allein reicht, um die Würzburger bald wieder in der 2. Liga zu sehen.

Dauerbrenner Ausgliederung

Ab Sonntag gegen 17.20 Uhr geht es beim VfB nur noch um einen Tag: 1. Juni. Derzeit dürfen die Größten der Großen noch einmal kräftig die Werbetrommel rühren. Sami Khedira und Hermann Ohlicher sagen nochmal lautstark JA! zur Ausgliederung. Wie wichtig der psychologische Effekt des gewählten Termins war, zeigt sich jetzt: Eine gute Woche nach dem mutmaßlichen Aufstieg – wer soll da dem Verein noch etwas abschlagen? Es geht hier nicht darum, für die ein oder andere Seite Partei zu ergreifen – auch weil der Autor dieser Zeilen nicht bei der Abstimmung dabei sein kann (Job, zu lange Anreise, unter der Woche, ihr kennt das). Wichtig ist, beide Sichtweisen zu dokumentieren.
Auch deshalb sei an dieser Stelle auf die Stellungnahme des Commando Cannstatt hingewiesen: ausführlich, aber lesenswert. Voll vertreten möchte ich persönlich diesen Passus: „Aus unserer Sicht wird der aktuelle Wahlkampf mit seinen Verkürzungen, der Alternativlosigkeit und den Emotionen der Wichtigkeit des Themas schlichtweg nicht gerecht. Jedes Mitglied sollte durch umfassende Informationen über echte Alternativen in die Lage versetzt werden, konstruktiv Verantwortung zu übernehmen.“

Zitat der Woche

Vor dem Spiel habe ich mit ihm gesprochen. Ich habe ihn noch einmal daran erinnert, dass er seine Schienbeinschoner und das Trikot mit rausnehmen und sich später gut aufwärmen soll.Silvio Meißner über das erste gemeinsame Spiel mit Philipp Lahm

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Mit der verrückten Geschichte des Hannes Wolf von Ergste nach Stuttgart hat sich auch ein Medium seiner Heimat beschäftigt. Genauer gesagt Marian Laske (@MarianLaske) für Reviersport. Solltet ihr euch für mehr als das reine Ergebnis eures Clubs oder die beste Taktik interessieren, solltet ihr vielleicht auch das System Fußball hinterfragen – ob im Zuge der Veröffentlichung von Rafael Buschmanns Buch Football Leaks oder schon länger -, dann lest euch dieses Gespräch von Jürgen Zurheide mit Manni Breuckmann durch. Es geht um Tradition im Fußball, um Konstrukte wie RB Leipzig und um den Verlust der Identifikation.

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33. Spieltag: Hannover 96 – VfB Stuttgart

Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Ausgangslage

Kurz nochmal den Abakus ausgepackt: Gewinnt der VfB „das schwerste Spiel des Jahres“ (Hannes Wolf) in Hannover, ist er sicher aufgestiegen. Zu 90 Prozent würde ein Unentschieden reichen, weil Stuttgart ein um sechs Tore besseres Torverhältnis als Hannover hat – bei drei Punkten Vorsprung. Für Hannover sieht die Sache sehr viel ungemütlicher aus, bei Punktgleichheit mit der Lieblingsmannschaft aus Braunschweig und einem um ein Tor schlechteren Torverhältnis droht die Relegation. Und ganz ehrlich: Nicht gegen den HSV aufsteigen gönnt man niemandem. Prognosen und der VfB passen ohnehin nicht in dieser Saison, aber an diesem vorletzten Spieltag ist von einem 0:4 bis zu einem 4:0 alles möglich.

Fakt ist: Beide Mannschaften haben einen Lauf. Der VfB holte aus den letzten fünf Spielen alle Punkte, Hannover hat unter André Breitenreiter nicht verloren (17 Punkte in sieben Spielen). Wolf hat übrigens kein Bock auf Rechen-Geplänkel und sagte in der Pressekonferenz: „Meine Planung geht nur bis Sonntag, 17.20 Uhr etwa. Was danach kommt, werden wir sehen.“ Groß gefeiert soll übrigens nicht werden, sollte der VfB in Hannover bereits alles klar machen. Gehen wir mal von „Vivaldi“ aus.

Auf dem Platz

Die wichtigste Nachricht zuerst: Simon Terodde hat sich im Laufe der Trainingswoche nicht verletzt und ist – Stand: Samstagvormittag – in Hannover dabei. Darauf ein Halleluja, weil ihn Torjäger-Verfolger Martin Harnik sonst wohl noch eingeholt hätte. Nicht auszudenken, was dann in Stuttgart losgewesen wäre. Aber: Bei Alexandru Maxim sieht es gesundheitlich weniger gut aus. Er ist zumindest angeschlagen (muskuläre Probleme), fliegt aber eventuell dennoch mit. Ähnliches gilt für Anto Grgic, dessen Sprunggelenk es erwischt hat. Alternativen für Maxim? „Takuma, Christian, Berkay, da gibt es einige, die diese Rolle übernehmen können.“ Schön, dass Wolf die Spieler vor den Presseleuten dutzt – die machen das ja auch gerne. Gut möglich, dass Flo Klein bei seinem letzten Auswärtsspiel für den VfB (ist in finalen Gesprächen mit Maccabi Tel Aviv) rechts erneut ran darf. Gut möglich, dass der gegen Aue schwächelnde Josip Brekalo auf der anderen Seite weichen muss – kommt Mentalitätsmonster Tobi Werner?

Neben dem Platz

A propos Florian Klein. Dass er den VfB nach der Saison verlässt, ist schon länger kein Gerücht mehr. Es gibt dennoch welche. Während Brekalo bei einem Aufstieg sicher noch ein Jahr bleibt – was dann passiert, weiß nur Volkswagen -, ist man bei Takuma Asano und dem langzeitverletzten Carlos Mane versucht, sie irgendwie zu halten. Klar, oder so gut wie klar, ist der Wechsel von Bayern-Junior Benjamin Hadzic an den Neckar, wie unter anderem die Stuttgarter Nachrichten berichten. Kurz zu den Fakten des 18-jährigen Bosniers: Stürmer, neun Tore in 23 Spielen für die U19, Juniorennationalspieler. Wer mehr zu ihm lesen möchte, dem sei die Vorstellung der Bayern-Junioren bei miasanrot empfohlen.

Um das Thema Tuchel-weg-Wolf-zurück kommt man nicht ganz drumherum. Die Kurzfassung: Tuchel und Watzke mögen nicht mehr, Wolf hat die BVB-Jugend trainiert, ergo: Wolf geht zurück. So das Gerücht. Wolf dazu: „Da gibt es nichts. Einer hat’s geschrieben, alle anderen haben abgeschrieben.“ Erledigt. Welch große Stücke Jan Schindelmeiser auf seinen Trainer hält, könnt ihr übrigens in diesem sehr starken – weil für heutige Zeiten außergewöhnlich tiefgründigen – Interview bei Spox lesen.

Letzter Punkt: Feierei. Es waberte schon länger durch den Kessel, jetzt weiß man: Es wird ein Public-Viewing und eine anschließende Feier auf dem Wasen geben. Am 21. Mai, unabhängig davon, ob der Aufstieg schon vorher klar wäre. Und jetzt zum wirklich letzten Punkt, die alles entscheidende Frage: Kommt er, oder kommt er nicht?

Und der Gegner so?

Breitenreiter hat – zumindest taktisch – nicht so viel verändert, was Vorgänger Daniel Stendel nicht schon ähnlich gemacht hätte. Klassischerweise spielt Hannover im 4-2-3-1, weicht hin und wieder auf ein 4-4-2 aus, jeweils mit einer Doppelsechs. Das funktionierte zuletzt vor allem defensiv sehr gut. Seit Mitte März hat die Mannschaft nur gegen Aue Gegentore bekommen und behielt sonst immer eine weiße Weste. Die Folge: Nach Braunschweig die zweitwenigsten Treffer kassiert (31). Was nicht heißt, dass die Offensive zu verachten wäre. Martin Harnik dürfte man kennen, bei Niclas Füllkrug wird das nicht mehr lange dauern. Es kommt nicht unerwartet, dass Hannover ähnlich wie der VfB eine der Mannschaften mit hohem Ballbesitz sind. Das liegt bei beiden weniger am System, als viel mehr an der Rolle als Dauerfavorit in der Liga.

Liegt es am ungemütlichen Tabellenplatz, oder was ist in Hannover los – bei der Bilanz zuletzt müsste doch Freude aufkommen? Die Euphorie zündet aber nicht so wirklich, wie ihr im 96 Freunde Blog nachlesen könnt. Vielleicht der eine entscheidende Unterschied zu Stuttgart? Für ein bisschen Hoffnung sorgt die mögliche Rückkehr von Manuel Schmiedebach, Kapitän und Führungskraft.

Von außen betrachtet schien vor der Saison das Duo Martin Kind („Ich hasse die zweite Liga!“) und Horst Heldt vor allem für den Boulevard interessant. Man hätte aus Hannover erwarten können, dass sehr viel geblubbert und sehr viel weniger gespielt wird. Gefühlt ist das nicht so, auch wenn Kind sich nicht nehmen lässt, den ein oder anderen Klopfer rauszuhauen. Der Fokus geht eher in Richtung spielerisches Talent: Felix Klaus, Waldemar Anton, Niclas Füllkrug. Da wächst schon was. Großes Risiko für die Hannoveraner: Wenigstens ein Teil der jungen Spieler wird gerne den nächsten Schritt gehen wollen, sprich: in die Bundesliga wechseln. 

Dauerbrenner Ausgliederung

Komisch. Man hört gerade so wenig dazu. Präsident Wolfgang Dietrich setzt seine Wahlkampf-Tour fort. Und bekommt Unterstützung von – kein Witz – Christoph Daum („Es wird sich nichts verändern an dem ganzen Herzblut oder der Tradition des VfB. Das wird alles bleiben.“). Na dann. Ein bisschen etwas von Substanz sagte dagegen Schindelmeiser noch in besagtem Spox-Interview. Letztlich gehe es für den VfB bei der Frage, Ausgliederung oder nicht, um diesen einen Satz: Will man auch in den kommenden Jahren nur um den Klassenerhalt spielen oder will man wieder mehr?

Zitat der Woche

Auf den Maxim müsst ihr aufpassen, der macht alles beim VfB, alle anderen sind nichts, die kannst du mit der ganzen Liga in einen Topf werfen.Der unvergleichliche Buffy Ettmayer

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Eines vorab: Solltet ihr es noch nicht tun. Lest unbedingt in Socrates rein. Am besten als Magazin, weil es so schön ist. So, und jetzt zu den eigentlichen Empfehlungen. Die könnten unterschiedlicher sein. Die lesenswerte Langstrecke zum Thema Regelkunde – ja, wer macht die eigentlich? – von Endreas Müller bei 120 Minuten. Ein ziemlich elitärer Zirkel kaspert aus, worüber wir uns wöchentlich aufregen. Bitteschön. Und zum zweiten noch etwas Abseitiges: Ihr erinnert euch noch ans Sommermärchen, also den Film, der uns jeden Glauben an Traineransprachen genommen hat? Dann gebt euch die Analyse zum Thema filmisches Storytelling im Fußball bei genrefilm. Großartig.

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Vorschau 32. Spieltag: VfB Stuttgart – Erzgebirge Aue

Bild: Bild: Marc Mueller/Bongarts/Getty Images

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Ausgangslage

Ein Kuriosum im Endspurt um den Aufstieg: Dem VfB reichen für die Bundesliga-Rückkehr sicher fünf Punkte – weil dann kein Spiel mehr verloren ginge. Gleichzeitig könnten sechs Punkte zu wenig sein, wenn ausgerechnet in der kommenden Woche in Hannover (aktuell punktgleich, Martin Harnik – ihr wisst schon) eine Niederlage runterfiele. Verrückte 2. Liga. Bei Aue drehen sie gerade zwei Geschichten gleichzeitig: Die Fell-Good-Bromance vom Außenseiter, der erwachsen wird und die Mädels klarmacht – sprich: den Gegnern die Punkte zieht. Und die Geschichte von Germany’s Next Nagelsmann. Die Medien lechzen nach dem nächsten jungen Trainer, der das ganz heiße Teil auf dem Markt ist. Der Vergleich liegt nahe (ähnliche Laufbahn, ähnliches Alter, selber Trainerlehrgang, ähnliche Philosophie). Gerecht wird sie keinem der beiden, sind sie doch eigenständige Personen. Tedesco bekommt dennoch ein Foto, belassen wir es dabei.

Vor Aue hat der VfB Respekt, aber keine Angst. Hannes Wolf: „Ich bin nicht bereit dazu, den Gegner bedingungslos gut zu reden.“ Ein Satz wie ein Feiertag in Zeiten vom dauernden Der-nächste-Gegner-ist-der-schwerste-Mimimi. Um Wolf nicht die Worte im Mund zu verdrehen, er sagt auch: „Ich würde es sowieso unfassbar finden, wenn wir jetzt noch irgendetwas auf die leichte Schulter nehmen.“

Auf dem Platz

Drei mit vier gelben Karten vorbelastete Spieler beim VfB – das gab es bereits vor einer Woche. Jetzt könnte man unken: Verdammte Axt, hätte sich Simon Terodde, Alexandru Maxim oder Benjamin Pavard ihre fünfte nicht gegen Nürnberg fangen können? Weil: Wird sie gegen Aue gezückt (schöne Grüße an Schiedsrichter Gerach), würde der jeweils Betroffene ausgerechnet im vielleicht entscheidenden Spiel in Hannover ausfallen. Hat ein bisschen etwas vom Darmstädter „Holt sie euch vor dem Bayern-Spiel“ in der Bundesliga-Saison 2015/16. Hannes Wolf ist das wurscht: So lange sie nicht meckern oder sonstigen Unsinn treiben, erwartet er Vollgas und sagt angesichts des bis auf Carlos Mané und Jens Grahl voll einsatzfähigen Kaders: „Wir haben eine großartige Bank und können viel Qualität reinbringen.“ Nicht ganz ausgeschlossen, dass Wolf also mit einer leicht veränderten Aufstellung aufwartet. Erster Streichkandidat wäre wohl Takuma Asano, der überspielt zu sein scheint. Eine Chance für Daniel Ginczek?

Neben dem Platz

Definitiv nicht ersetzten wird Asano Berkay Özcan. Der muss oder darf der U19 im Abstiegskampf helfen. Wolf versucht es blumig und spricht von „seinem letzten Jugendspiel“. Abfeiern wird Özcan die Rückstufung dennoch nicht. Der VfB muss aufpassen. Der Ruf von der Talentschmiede bröckelt, weil die besten Nachwuchsleute frühzeitig wechseln – oder aber erst gar niemand mehr nachkommt, dem der Sprung zum Profi zuzutrauen ist. Einer, der den Sprung einst geschafft hat: Serdar Tasci. Und der hätte irgenwie Bock, nochmal beim VfB zu spielen. Verständlich, was willst du auf dem Petersplatz, wenn du auch auf dem Schlossplatz flanieren kannst? Jedenfalls sagte Tasci dem Kicker:  „VfB? Ich könnte mir das gut vorstellen.“

Und ihr so: Sollte der VfB Serdar Tasci zurückholen?

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Ab diesem Wochenende fahren übrigens auch wieder die Autos aus deutscher Herstellung im Kreis a.k.a. DTM. Einer der Hersteller kommt aus Stuttgart und engagiert sich dem Vernehmen nach beim VfB. Zufälligerweise fährt der Kanadier Robert Wickens deshalb mit dem VfB-Mercedes durchs badische Hockenheim.

Und der Gegner so?

Diese Saison erlebte zwei Aues: ante und post Tedesco. 17 ihrer 36 Punkte holten die Sachsen unter dem Ex-VfB-Jugendcoach. Vorgänger Pavel Dotchev hat fast dreimal so viele Spiele (22) benötigt, um auf diese Punktzahl zu kommen. Aus Dotchevs mutigem 4-2-3-1 ist Tedescos sehr viel wirksameres aber nicht eniger mutiges 5-4-1 geworden. Offensiv wird daraus dann ein 3-4-3. Für Beobachter der Bundesliga: Tedescos Taktik hat viel gemeinsam mit dem Power-Pressing von Leipzig oder Leverkusen zu den besseren Zeiten von Roger Schmidt. Auch der Vergleich mit dem Nagelsmannsch’en Fußball rührt nicht nur von der guten Bekanntschaft der beiden Kollegen im Trainerlehrgang. Und plötzlich ist bei Aue vom abkippenden Sechser, tieferer Passzirkulation und breiter erster Dreierkette zu lesen. Mit Abwehrbrecher Steve Breitkreuz (Name = Programm) hat der FCE einen der zweikampfstärksten Spieler der 2. Liga im Kader, mit Pascal Köpke (Name ≠ Programm) und Dimitrij Nazarov an der Spitze eine gut eingespielte und treffsichere Offensive (10 und 9 Tore). Hinter der Mär von der Tretertruppe aus dem Osten steckt übrigens ziemlich wenig: Aue hat die zweitwenigsten Fouls verübt, wurde dafür am vierthäufigsten gefoult. Auch die Passquote von fast 75 Prozent (drittbester Wert) deutet zumindest eher auf feinen Fußball als auf Gebolze hin. Hoffnung für den VfB: Kein Team gewinnt weniger Zweikämpfe als der FCE, dazu fingen sich die Sachsen bereits 48 Gegentore. 

Dauerbrenner Ausgliederung

Keine Überraschung, der Vereinsvorstand will die Ausgliederung unbedingt. Hatten wir hier schon mal. In Sachen Appetizer auf möglichst viel Stimmvolk gibt es für jedes Mitglied, das am 1. Juni kommt, ein Trikot geschenkt. Natürlich bekommt jeder ein Trikot, unabhängig von seinem Abstimmungsverhalten. Aber klar ist auch: Die Mitglieder, die auch ohne Giveaway kommen, drücken den Buzzer wohl eher bei Nein. Was kommt als nächstes: Ein neuer Mercedes für jedes Mitglied, das seine Mitbestimmung wahrnimmt? Präsident Wolfgang Dietrich gibt noch einmal Vollgas im Wahlkampf. Die drei geliehenen Spieler Carlos Mané, Takuma Asano und Josip Brekalo sollen beim VfB bleiben (welcher Fan würde da nicht zustimmen). Dietrich ist sich aber sicher: Ohne Ausgliederung geht das nicht. Stimmt wahrscheinlich sogar.

Zitat der Woche

Ob als Spieler oder in einer anderen Funktion. Ich könnte mir das gut vorstellen.Serdar Tasci, über eine mögliche Zukunft beim VfB

Tweet der Woche

Weiter, immer weiter – was die anderen schreiben

Wie kam das eigentlich, dass der schon abgeschriebene FC Erzgebirge Aue plötzlich wieder alle Karten für den Klassenerhalt in der Hand hat? Einen ausführlichen, aber sehr lesenswerten Rückblick darüber, wie Einserschüler Domenico Tedesco Aue great again gemacht hat, ist in der Zeit erschienen. Ganz ehrlich: Erzgebirge Aue in der Zeit – wie hoch waren die Quoten wohl für ein solches Szenario? Hätte nach dem 4:0 des VfB in der Hinrunde in Sachsen auch niemand gedacht. Weil wir uns jetzt ja gemeinsam an die zweite Liga gewöhnt haben, sei noch der Artikel über die Wahrheit oder Unwahrheit der Klischees im Unterhaus ans Herz zu legen. Obwohl er etwas älter ist UND von einem Podcast aus Hannover stammt. Danke an Niemalsallein, guter Job.

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